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Luftbetankungen: „CoBo two-five” is ready for take-off

Incirlik, 03.02.2016.

Der Luftwaffentanker „Hermann Köhl“ hat bislang bei über 200 Flugstunden mehr als 110 Stunden in verschiedenen Luftbetankungsgebieten über dem syrisch-irakischen Einsatzgebiet verbracht. Dabei sind über 100 Betankungsvorgänge absolviert worden. Verschiedene Kampfflugzeuge der internationalen Koalition waren mehr als 200 Mal am Betankungskorb „in contact“.

Morgens um 7 Uhr in Incirlik – Treffen vor dem Briefing-Container

Morgens um 7 Uhr in Incirlik – Treffen vor dem Briefing-Container (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die klare, kalte Morgenluft schneidet noch ins Gesicht, als eine Besatzung des Airbus A310 MRTT den mobilen Gefechtsstand betritt. Im großen Verbindungszelt ist es nicht viel wärmer als draußen. Zu Dienstbeginn herrscht Stimmengewirr, Schritte hallen auf den Bodenplatten. Dann plötzliche Stille, als alle in unterschiedlichen Kabinen verschwunden sind.
In der warmen Kabine des Einsatzoffiziers MRTT herrscht schon arbeitsames Treiben. Flugbetriebsfeldwebel Rico M. hat die am Vorabend bestellten Wetterdaten, den Flugplan und die Flugbetriebsanweisungen aktualisiert und ausgedruckt. Christian K., Technischer Betriebsführungsmeister, tippt Daten für die Lebenslaufakte des Fliegers in seinen Rechner, mit denen Termine für technische Durchsichten und Prüfungen überwacht werden. Einsatzoffizier Maik G. begrüßt die Tankerbesatzung mit einem Kaffee in Styroporbechern.

„Sanitizing“ – Ohne Abzeichen und persönliche Dinge geht es auf den Einsatzflug

„Sanitizing“ – Ohne Abzeichen und persönliche Dinge geht es auf den Einsatzflug (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Ratschende Geräusche, als die Flieger ihre mit Klett befestigten Abzeichen von ihrer Kombi reißen und in ein kleines grünes Fach legen. „Sanitizing“ heißt das, englisch für Reinigen – dazu gehört auch das Abgeben aller persönlichen Gegenstände, Routine im Einsatzflugbetrieb.

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„Showtime“

Jede neue Tankermission beginnt schon am Vortag. Die „Air Tasking Order“ (ATO, Befehl zum Lufteinsatz) wird empfangen. Sie enthält unter anderem Radiofrequenzen, Höhenstaffelungen sowie Luftbetankungsgebiete und die Anzahl der zu betankenden Flugzeuge. Damit beginnt die Berechnung des Missionsplans, unterstützt wird die Besatzung dabei durch ihren Flugbetriebsfeldwebel im Gefechtsstand.

Am nächsten Morgen ist nun „Showtime“. So wird das Treffen genannt, zwei Stunden vor der geplanten Startzeit. Kommandant, Co-Pilot und Luftbetankungsoffizier finden sich ein. „Wir konnten heute bis sechs Uhr schlafen, das ist eine kommode Zeit“, schmunzelt Major Christian K., Kommandant auf dem heutigen Flug. Die unterschiedlichen Startzeiten, auch nachts, können den Biorhythmus schon durcheinander bringen.

Dann werden die Daten nochmal geprüft: Hat sich etwas am Auftrag geändert? Wie ist das Wetter für Start- und Landezeit? Wie sieht es im Zielgebiet aus? Daten werden aktualisiert, mit dem Gesamtgewicht des Flugzeuges wird – abhängig von der Temperatur – die Startlänge berechnet. Bis zu welcher Geschwindigkeit kann der Take-off noch abgebrochen werden, sollte wider Erwarten ein Triebwerk ausfallen?

Letztes Briefing: Was hat sich gegenüber der Lage am Vortag geändert?

Letztes Briefing: Was hat sich gegenüber der Lage am Vortag geändert? (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Das eigentliche Missionsbriefing beginnt rund 45 Minuten vor dem Start. Heute fallen die Startzeiten mit denen der Recce-Tornados zusammen. „Was ist denn hier heute los?“, fragt Kommodore Oberst Michael Krah, als er den Briefingraum betritt. „Mass Briefing“, antwortet einer, „der Letzte macht das Licht aus.“

Dann kehrt Ruhe ein. Im Halbdunkeln surrt nur noch die Klimaanlage und die Bilder des Beamers flackern auf den konzentrierten Gesichtern der zuhörenden Soldaten. Begonnen wird mit dem Wetter. „Prevailing blue plus in der area of interest“, hören die Besatzungen, also gutes Flugwetter sowie Kondensstreifenbildung in ihrer Flughöhe. Das ist wichtig zu wissen, denn da sind die Flugzeuge auch in größerer Höhe sichtbar. Es folgt die Sicherheitslage im Einsatzgebiet: Was hat sich seit gestern geändert? Wo wird am Boden gekämpft? Die heutigen Aktivitäten sind auf einer Übersicht zusammengefasst. „Alles, was in dieser Spalte steht, ist heute mit uns in der Luft. Gibt’s soweit Fragen? Fly Safe!“, verabschiedet sich der Nachrichtenfeldwebel von den Besatzungen.

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„Nach dem zwanzigsten Mal hast Du’s im Kopf.“

Nach diesem Teil bleibt die Tankerbesatzung allein im Raum. Routiniert spricht Major Stefan H., heutiger Betankungsoffizier, einen Briefing-Guide durch. Aufgabenverteilung im Cockpit, wann kommen welche Flugzeuge zur Betankung, wieviel Treibstoff wird in welchem Gebiet an wen abgegeben. Abkürzungen, Fachwörter und Anglizismen – ein Außenstehender verstünde nur „Bahnhof“. Notverfahren und Ausweichflugplätzen wird, neben taktischen Verfahren wie der Rettungskette, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Alles dabei? Rettungswesten und Pistolen werden an die Crew ausgegeben

Alles dabei? Rettungswesten und Pistolen werden an die Crew ausgegeben (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Marcus K. ist heute zum ersten Mal dabei. Er hat zwar erst kürzlich den „SERE“-Lehrgang („Survival, Evasion, Resistance, Extraction“) absolviert, doch seine Kameraden nehmen sich die Zeit und sprechen mit ihm die Prozeduren nochmal genau durch. „Nach dem 20sten Mal hast Du’s im Kopf“, ermutigt ihn Co-Pilot Daniel.

Nach vierzig Minuten sind alle Punkte abgehakt. Noch einmal durchschnaufen, alle Informationen sacken lassen. Kurz bevor es mit dem sogenannten Line-Taxi rund eine Stunde vor dem Start zur Maschine geht, empfängt jeder bei „Rescue&Safety“ seine circa zehn Kilo schwere Rettungsweste und eine Pistole P8. Spätestens jetzt ist auch äußerlich sichtbar: Es geht auf einen Einsatzflug.

Ankunft an der Maschine – Wenige Minuten sind es noch bis zum heutigen Take-off

Ankunft an der Maschine – Wenige Minuten sind es noch bis zum heutigen Take-off (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

An der Maschine angekommen, geht die Aircrew schnell die fahrbare Gangway hinauf. Die Bodencrew empfängt die Besatzung in der Maschine. Die Hilfsturbine läuft schon, die Systeme sind hochgefahren. Guten Morgen, militärischer Gruß, Händeschütteln, Kopfnicken. Viele Worte sind nicht nötig, man kennt sich gut. Jeder ist auf seine Aufgabe konzentriert, jeder Handgriff sitzt.

Blick in das Cockpit des A310 MRTT

Blick in das Cockpit des A310 MRTT (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Während sich Kommandant Christian K. beim Rundgang am Boden vom äußeren technischen Klarstand der Maschine überzeugt, werden im Cockpit mit beeindruckender Fingerfertigkeit Tasten getippt. Co-Pilot Daniel füttert das Flight Management System (FMS) mit Daten, Stefan bedient das Fuelingpanel und überwacht das Befüllen der insgesamt zehn Tanks: In jeder Tragfläche zwei, ein Center- und ein Trim-Tank sowie vier Zusatztanks. Fünfzehn Minuten vor dem Losrollen wird die Bordtür von innen verriegelt.

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CoBo Two-Five: Cleared for Take-off

„CoBo 25 request taxi“, erfragt der Kommandant die Rollfreigabe vom Tower. Das Rufzeichen „CoBo“ bezieht sich auf die Herkunft der deutschen A310 MRTT Tankers: Köln-Bonn, militärischer Teil, Standort der Flugbereitschaft BMVg. Auf dem Tower sitzt auch ein deutscher Flugsicherungskontrolloffizier (Air Traffic Controller, ATC) in zweiter Reihe, wenn deutsche Maschinen fliegen. So können sprachliche Missverständnisse vermieden werden und er kann bei möglichen Zwischenfällen schneller assistieren.

Die Freigabe kommt. „CoBo 25, wind eleven o’clock, ten knots, you are cleared for take-off runway zero-five.” Christian schiebt die Leistungshebel nach vorne, die Triebwerke laufen gleichmäßig bis zum vollen Schub hoch. Ein letzter Check der Instrumente, als er die Bremsen löst und das gut 150 Tonnen schwere Tankerflugzeug die Startbahn hinunter beschleunigt.

Nach dem Start – der Airbus A310 MRTT „Hermann Köhl“ in der Luft

Nach dem Start – der Airbus A310 MRTT „Hermann Köhl“ in der Luft (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die Turbinen pfeifen, als die Maschine über den Flugplatzzaun hinwegzieht. Sie werden leiser, als sich der graue Tarnanstrich langsam mit dem milchigen Himmel vermischt. In gleichmäßigem Steigflug geht es im türkischen Luftraum auf eine Flugfläche (Flight level) in mehreren tausend Metern Höhe.

Als nichtfliegender Pilot kümmert sich Daniel heute um den Sprechfunkverkehr. Vor dem Einflug in das Einsatzgebiet stellt er den Funkkontakt zu „Magic“ her. Das US-amerikanische AWACS (Airborne Early Warning And Control System) übernimmt ab jetzt sowohl die Flugsicherungs- als auch die taktische Kontrolle über die weitere Mission.

Zunächst sind aber noch die Fence-In-Checks zu absolvieren: Vierstellige Codes des Transponders der Freund-Feind-Erkennung werden überprüft und eingestellt, alle Außenbeleuchtungen und andere elektronische Abstrahlquellen werden abgeschaltet. „CoBo 25, you’re cleared in“ – die heiße Phase des heutigen Betankungsfluges hat begonnen.

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Stand vom: 03.02.16 | Autor: Andreas Berg


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