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Ich bin iM EINsatz: Der Erste Offizier der „Augsburg“

In See, 17.02.2016.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Fregattenkapitän Torben J. ist Erster Offizier auf der Fregatte „Augsburg“

Fregattenkapitän Torben J. ist Erster Offizier auf der Fregatte „Augsburg“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Fregattenkapitän Torben J., gebürtiger Schleswig-Holsteiner, und Erster Offizier auf der Fregatte „Augsburg“. Ich bin verheiratet und habe ein Kind. Dies ist bereits mein sechster Einsatz, in den bisherigen war ich als Wachoffizier auf Schnellbooten, in Stäben und als Schiffseinsatzoffizier auf Fregatten eingesetzt.

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Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Torben J. führt die Besatzung und ist gleichzeitig „rechte Hand“ des Kommandanten

Torben J. führt die Besatzung und ist gleichzeitig „rechte Hand“ des Kommandanten (Quelle: Bundeswehr/PAO Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Als Erster Offizier leite ich den Tages- bzw. Innendienst und die Ausbildung der Besatzung im Auftrag des Kommandanten. Wir sind über 200 Frauen und Männer an Bord. Auf Schiffen gilt dabei stets die Regel: „Der Erste Offizier führt die Besatzung, der Kommandant führt das Schiff und den Ersten Offizier.“ Somit fallen die täglichen Routinen der Besatzung sowie die Schwerpunktsetzung bei der Ausbildung in meinen Bereich.

Daneben koordiniere ich die Abwicklung der administrativen Vorgänge, hier vor allem die Personalangelegenheiten der Soldaten. Zusätzlich bin ich erster Berater unseres Kommandanten.

Einen typischen Tagesablauf gibt es dabei nicht, da auf See kein Tag wie der andere ist. Sie sind aber immer sehr lang, da neben dem Tagesgeschäft auch die Administration abgearbeitet werden muss. Gerade in unserem aktuellen Einsatz zum Schutz der „Charles de Gaulle“ gibt es täglich unterschiedliche Aufträge für das Schiff, die den Dienst an Bord natürlich beeinflussen.

Ich gehe täglich durch das Schiff, um präsent zu sein, Fragen zu beantworten und mich viel mit der Besatzung auszutauschen. So bin ich am Puls der Zeit und kann den Wissensstand im Schiff aktuell halten. Es ist unglaublich wichtig, offen und transparent mit Informationen für die Besatzung umzugehen, um Gerüchte und Unstimmigkeiten zu vermeiden und allen die gemeinsamen Ziele zu verdeutlichen.

Der tägliche Kontakt mit den Frauen und Männern, das gemeinsame Stecken und Erreichen von Zielen, sowie das gelebte Vertrauen und die Kameradschaft an Bord geben mir sehr viel. Manchmal würde ich mir etwas weniger Administration und mehr Auftragstaktik wünschen, aber diese Wünsche sind vermutlich so alt, wie die Bundeswehr selbst.

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Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der internationale Terrorismus bedroht unsere Gesellschaft, unsere Art zu leben. Der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) ist noch einen Schritt weiter gegangen und unterwirft auf unglaublich brutale Art und Weise ganze Regionen. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dabei nicht einfach zugesehen werden darf!

Die Flugzeuge der „Charles de Gaulle“ tragen den Kampf gegen den „IS“ in seine Rückzugsgebiete und tragen dazu bei, dass seine Kämpfer nicht zur Ruhe kommen. Wir schützen den Träger, damit er sicher und ungestört seinem Auftrag nachgehen kann. Jeden Morgen hat unsere Besatzung nur ein Ziel: Dem Flugzeugträger soll in den nächsten 24 Stunden nichts passieren.

Seit Dezember schützt die „Augsburg“ mit weiteren Fregatten den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“

Seit Dezember schützt die „Augsburg“ mit weiteren Fregatten den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Natürlich gibt es viele, die diesen Einsatz für ungefährlich und unnötig halten, da wir auf hoher See sind und der „IS“ bisher nicht auf hoher See operiert. Terroristen werden immer die Initiative haben. Sie werden Ort, Zeit und Art des Angriffes wählen. Sie leben von der Überraschung. Unmöglich ist gar nichts! Bei Anschlagsszenarien ist es daher eher eine Frage des „wann“ statt des „ob“. Es gibt immer „ein erstes Mal“ – und dann „hat keiner damit gerechnet.“ Es hat bereits weltweit verschiedene Anschläge gegeben: angreifende Speedboote, vorgetäuschte Seenotfälle, kleine Flugzeuge, … die Liste ist lang.

Deshalb werden wir schneller und den einen Schritt voraus sein. Wir halten durchweg die Konzentration und die Anspannung hoch und sichern ein klares Lagebild. Wir können innerhalb kürzester Zeit die Bereitschaftsstufe erhöhen und alle Waffen einsetzen. Hoffentlich „nur“ um abzuschrecken, doch wenn nötig, auch, um zu reagieren.

Wir haben es geschafft, diesen fordernden Punkt in der Besatzung zu verankern. Er wird von allen getragen. Die „Augsburg“ ist nicht mehr die Jüngste, an Bord ist wenig automatisiert, die Arbeit ist anstrengend. Aber alle ziehen an einem Strang und verfolgen das gesteckte Ziel. Ich bin stolz, mit diesen Frauen und Männern hier im Persischen Golf im Einsatz stehen zu dürfen.

Aus dem fernen Deutschland sieht es vielleicht oftmals so aus, als sei der Einsatz hier durchweg ruhig. Doch hier vor Ort, wo es per se nicht unbedingt friedlich ist, in einer stockdunklen, mondlosen Nacht, inmitten eines Pulks von kleinen Booten, die hoffentlich alle nur Fischer sind – da sind die Dinge eben nicht immer ganz so einfach. Und es ist beruhigend zu wissen, dass wir können, was wir können müssen.

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Das vermisse ich hier am meisten.

Ich fahre gerne zur See und meine Arbeit macht mir Spaß. Aber ich habe eine Familie zu Hause und ich freue mich wahnsinnig auf die Heimkehr. Mir fehlt der „Streit“, wer morgens zum Bäcker geht, und die Brötchen holt. Mir fehlen das gemeinsame Frühstück und die ganz normalen Alltagssorgen, bei deren Bewältigung ich hier aus der Ferne kaum helfen kann. Ich kann es kaum erwarten, alle in den Arm zu nehmen. Darüber hinaus fehlt mir ganz persönlich die Stille beim Laufen im Wald.

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Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, dass der „Charles de Gaulle“ nichts passiert und dass alle gesund nach Hause kommen. Ich wünsche mir, dass ich bei all den Vorsichtsmaßnahmen übertreibe, so dass sie am Ende unnötig gewesen sein werden! Ich grüße meine Freunde und vor allem meine Familie. Ich freue mich auf das Wiedersehen. Auch wenn ich die Sorgen nicht nehmen kann: Wir sind gut ausgebildet und wissen, was wir machen. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, aber wir sind nah dran. Es wird nichts schief gehen.

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Stand vom: 17.02.16 | Autor: Torben J.


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