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KFOR: Der Greif war wachsam

Prizren, 23.02.2016.

Das Maschinengewehr gibt beim Einrasten ein metallisches Klicken von sich. Der Bordschütze des Transportpanzers „Fuchs“ prüft die Aufnahme für das MG3 und stellt die Visiereinrichtung auf 500 Meter ein. Im Innenraum des Panzers ein ähnliches Bild: Konzentriert prüfen die Infanteristen ihr Material und ihre Waffen – letzte Vorbereitungen für einen möglichen Einsatz des deutschen Sicherungszuges im Kosovo.

Soldaten des Sicherungszuges warten auf ihren möglichen Einsatz

Soldaten des Sicherungszuges warten auf ihren möglichen Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Dominik Wullers)Größere Abbildung anzeigen

Sechs Wochen zuvor im rund 80 Kilometer entfernten Pristina, der Hauptstadt des Kosovo: Steine und Molotowcocktails schlagen auf den Schilden der Kosovo Police ein. Wieder einmal endet eine Demonstration der Opposition gewaltsam. Die Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung richtet sich zunehmend gegen die Regierung: Die Arbeitslosigkeit ist hoch und die meisten Nachbarstaaten halten ihre Grenzen für Kosovaren geschlossen. Die Wut der Bürger will die Opposition nutzen – und kündigt für den achten Unabhängigkeitstag des Kosovo am 17. Februar eine Großdemonstration an.

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Die Planung beginnt

Befehlsausgabe: Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk in der Operationszentrale

Befehlsausgabe: Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk in der Operationszentrale (Quelle: Bundeswehr/Dominik Wullers)Größere Abbildung anzeigen

Grund genug für Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk, Kommandeur des deutschen Kontingents im Kosovo, „Wachsamer Greif“ zu befehlen – ein Bündel von Vorbereitungsmaßnahmen, um gegebenenfalls die lokalen Behörden unterstützen zu können und so den Auftrag von KFOR zu erfüllen: Die Herstellung und Wahrung eines sicheren Umfeldes für alle Bevölkerungsgruppen in der ehemaligen serbischen Provinz.

„Wachsamer Greif“- Lagebesprechung

„Wachsamer Greif“- Lagebesprechung (Quelle: Bundeswehr/Dominik Wullers)Größere Abbildung anzeigen

Einige Tage vor dem 17. Februar: Alle Einheitsführer werden bei der Befehlsausgabe in der Operationszentrale in Prizren auf die mögliche Unterstützung vorbereitet. Konzentrierte Betriebsamkeit herrscht vor, immer wieder wird das Lagebild aktualisiert. Das wahrscheinlichste Szenario, so bestätigen es auch die Nachrichtendienste, ist eine friedliche Großdemonstration. Doch im schlimmsten Fall könnten schwere Ausschreitungen die kosovarische Polizei überfordern. Dafür wollen die deutschen Soldaten gerüstet sein.

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Der Greif wacht

Der Sicherungszug macht sich bereit

Der Sicherungszug macht sich bereit (Quelle: Bundeswehr/Thomas R.)Größere Abbildung anzeigen

Mittwoch, 17. Februar, 10 Uhr. Transportpanzer fahren vor dem Stab im Feldlager Prizren auf. Infanteristen des deutschen Sicherungszuges sitzen ab und bereiten ihr Material vor. Der Bordschütze greift zu seinem MG. Neben den Fuchs-Besatzungen hält sich vor allem die deutsche Einsatzkompanie in Novo Selo nördlich von Pristina bereit. Dort warten drei deutsche Infanteriezüge mit der Befähigung zum CRC-Einsatz (Crowd & Riot Control), also zur Befriedung von schweren Unruhen, auf den möglichen Einsatzbefehl. Die Soldaten sind angespannt und konzentriert. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, Funkgeräte überprüft, Schutzwesten angelegt.

14:00 Uhr – die Demonstration in Pristina beginnt. In den Feldlagern in Prizren und Novo Selo werden die Motoren angeworfen. Im 30-Minuten-Takt kommen Meldungen aus dem Lagezentrum. Alle 120 Minuten tritt der Stab zusammen. Die Stimmen der Redner in Priština hallen über die Flure des Stabes in Prizren. Mehrere Soldaten überwachen die Live-Streams der Demonstration. Die Menge skandiert: „Nieder mit der Regierung.“
Gegen 15 Uhr hält die Polizei ein verdächtiges Fahrzeug an und findet Brandmittel und eine Schlagwaffe. Eine Stunde später verkündet ein Redner das Ende der Demonstration. Die Anspannung steigt ein letztes Mal an – nun könnten gewaltbereite Demonstranten ihre Chance sehen. Doch es bleibt ruhig.

Um 18:43 Uhr beendet Oberst Freiherr von Keyserlingk “Wachsamer Greif“. „Gut, dass nichts passiert ist und gut, dass wir hätten eingreifen können“, so der Kommandeur. Die Soldaten packen ihre Sachen. Mit einem metallischen Klacken verlässt das Maschinengewehr vorerst seinen Platz in der Lafette des Bordschützen.

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Stand vom: 23.02.16 | Autor: Dr. Dominik Wullers


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