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Das CAOC – Schaltzentrale des Einsatzes über Syrien

Al Udeid (Katar), 16.02.2016.

Von der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird seit Oktober 2014 die Operation „Inherent Resolve“ der internationalen Koalition gegen den sogenannten „IS“ geplant und überwacht. Acht deutsche Soldaten steuern von hier aus die Einsätze der deutschen Luftwaffenkräfte im türkischen Incirlik.

Seit kurzem weht im Unterkunftsbereich der Al Udeid Air Base auch die Bundesdienstflagge

Seit kurzem weht im Unterkunftsbereich der Al Udeid Air Base auch die Bundesdienstflagge (Quelle: US Air Force /)Größere Abbildung anzeigen

Anfang Februar strahlt die Sonne am stahlblauen Himmel über Al Udeid und bringt schon Höchsttemperaturen von rund 24 Grad Celsius mit. Ein teils böig auffrischender Wind trägt feinen Staub mit sich – kein Zweifel, dieser Stützpunkt liegt mitten in der Wüste.

Das „Combined Air Operations Center“ (CAOC) Al Udeid liegt aus strategischen Gründen zentral in der arabischen Golfregion. Die Air Base ist Heimat der „379th Air Expeditionary Wing“ der US-Luftwaffe mit mehr als 100 Luftfahrzeugen. Hier wird der Luftumschlag für die komplette Golfregion betrieben. Die mit rund fünf Kilometern Länge weit und breit längste Startbahn bietet unterschiedlichsten Flugzeugen ideale Voraussetzungen. Triebwerksgeräusche rund um die Uhr zeugen von einem durchgehenden Flugbetrieb. Durchschnittlich alle zehn Minuten hebt hier ein Flugzeug ab.

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„Current Ops“ – das Herz des CAOC

Blick in das Herz des “Combined Air Operations Center” in AL Udeid, Katar

Blick in das Herz des “Combined Air Operations Center” in AL Udeid, Katar (Quelle: U.S. Air Force /Joshua Strang)Größere Abbildung anzeigen

Das CAOC ist für die gesamte Region des Nahen Ostens zuständig, dies umfasst die Einsatzgebiete Syrien, Irak und Afghanistan. Erstmals war der Gefechtsstand im Februar 2003 voll einsatzbereit. Ein „Joint Force Air Component Commander“ (JFACC) führt dabei das sogenannte “Air Operations Command”. Deutschland ist mit seinem voll integrierten Planungsstab als eine von insgesamt 18 Nationen im CAOC vertreten.

Das Innere des Gefechtsstands erinnert zunächst auf imposante Weise an ein Kontrollzentrum der NASA. Insgesamt mehr als 100 Kilometer lange, leistungsfähige Glasfaserkabel bilden die Pulsadern, in denen die Informationen zur Planung und Durchführung der Luftoperationen fließen. Einige hundert Arbeitsplätze stellen die Synchronisation des täglichen Einsatzes von der übergeordneten strategischen Weisung bis auf die taktische Ausführungsebene sicher. Dazu sind Spezialisten für Satellitenkommunikation, Bildanalyse, IT-Netzwerke, Computerprogrammierung, Funk und Systemadministration nötig.

Die Geräuschkulisse ähnelt der eines Großraumbüros. Auf mehreren, übergroßen Projektionsleinwänden wird ständig die aktuelle Luftlage mit sämtlichen Flugbewegungen in der Region projiziert. Selbst Wetterradarbilder und etliche bewegte Luftbilder sind in Livestreams zu sehen.
Der sogenannte „Current Ops Floor“ im CAOC bildet das Herz des Gefechtstandes. Hier werden die gerade ablaufenden Operationen gesteuert. Auf Grund der vielen Rechnersysteme ist es hier meist noch etwas wärmer als in den restlichen Räumen. Überall mühen sich Ventilatoren, das lageabhängig recht betriebsame Klima auf angenehmere Temperaturen herunter zu kühlen.

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Auftraggeber der Operation

Soldaten aus 18 Nationen leisten im CAOC Dienst

Soldaten aus 18 Nationen leisten im CAOC Dienst (Quelle: U.S. Air Force /Joshua Strang)Größere Abbildung anzeigen

Gemeinsames Ziel aller Abteilungen ist das tägliche Erstellen der sogenannten „Air Tasking Order“ (ATO), die detailliert den Einsatz der Kräfte der Koalition im gemeinsamen Einsatzgebiet regelt. Alle wesentlichen Arbeitsplätze gliedern sich schichtfähig (24/7) in die Bereiche offensive Operationen, defensive Operationen und Luftbeweglichkeit. Überall lange Tischreihen, an jedem Arbeitsplatz mehrere Telefone (offene/sichere Leitungen) und eine Tastatur, die mindestens zwei Rechner bedient, sowie zwei bis sechs Bildschirme. Das deutsche Verbindungselement verfügt hier über ein separates, nationales Büro, das einen eigenen Eingang hat. Dort ist nationale Informationstechnik installiert, um direkt mit Deutschland oder dem Kontingent in der Türkei kommunizieren zu können.

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Ist der Einsatzauftrag mandatskonform?

Tornados und Tanker – Der deutsche “Red Card Holder” entscheidet über die Mandatskonformität der Aufträge

Tornados und Tanker – Der deutsche “Red Card Holder” entscheidet über die Mandatskonformität der Aufträge (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Der höchste deutsche Repräsentant („Senior National Representative“, SNR) im Dienstgrad eines Oberst leitet das Verbindungselement und ist gleichzeitig der sogenannte „Red Card Holder“ (RCH). Seine Befugnisse sind durch entsprechende Vorgaben aus Deutschland klar geregelt. Mit seinem Team stellt er sicher, dass der Einsatz deutscher Flugzeuge stets mandatskonform verläuft. Er würde, im Falle ein möglicher Auftragsanfrage an die deutschen Kräfte, die dem deutschen Mandat widersprechen würde, sinnbildlich eine rote Karte zeigen und damit verdeutlich: Diesen Auftrag dürfen die deutschen Soldaten nicht ausführen. Das bedeutet ein enges Koordinieren bei Planung und Durchführung der Flüge, beinhaltet aber auch das Auswählen und Weitergeben der Aufklärungsprodukte. Die Auswahl der Aufklärungsziele unterliegt einem Prozess, bei dem sowohl die Mandatskonformität, als auch die operationelle Machbarkeit geprüft wird.

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Planung der Aufklärungsflüge der Tornados

Zwei deutsche RECCE-Tornados beim Start von der Incirlik Air Base in der Türkei

Zwei deutsche RECCE-Tornados beim Start von der Incirlik Air Base in der Türkei (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die deutschen Aufklärungs-Tornados können vom CAOC für elektrooptische oder Infrarotbilder bei Tag und bei Nacht beauftragt werden. Zudem muss das Gebiet erreichbar sein, in dem aufgeklärt werden soll. Das erfordert unter Umständen eine Koordination mit den verfügbaren Luftbetankungskapazitäten für die Tornados. Zusammen mit dem Offizier, der die entstandenen Aufklärungsprodukte im Einsatzgeschwader auf der Incirlik Air Base freigibt, ist die Mandatskonformität damit doppelt sichergestellt. Die Aufklärungsergebnisse werden über gesicherte Leitungen an das deutsche Team in Al Udeid übermittelt.

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Koordinierung der Betankungsflüge

Der Airbus A310 MRTT fliegt an sechs von sieben Tagen Betankungsmissionen im Einsatzgebiet

Der Airbus A310 MRTT fliegt an sechs von sieben Tagen Betankungsmissionen im Einsatzgebiet (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Auch der Bedarf für Luftbetankung seitens des deutschen Tanker-Airbusses wird im CAOC, konkret in der sogenannten „Tanker Coordination Cell“ geplant und beauftragt. Demnach werden am Vortag des Einsatzes unter anderem Gebiet, Zeit, Höhe, Art, Umfang, Dauer und geplante Abgabemenge bekanntgegeben.

Der deutsche Verbindungsoffizier im CAOC unterstützt daraufhin bei der Planung des Einsatzes und bringt gegebenenfalls erforderliche Änderungen mit ein. Ihm steht ein Vertreter zur Seite, der an den vielen täglichen Besprechungen im Rahmen des festgelegten, sogenannten „Battle Rhythm“ teilnimmt. Das ist eine Art Stundenplan für Arbeitsbesprechungen und Meetings. Für den Einsatz der Waffensysteme Tornado und Airbus A310 MRTT stellt je ein deutscher Verbindungsoffizier die Planung und Durchführung des Flugbetriebs sicher. Sie beraten den RCH zusätzlich dabei, zu entscheiden, welche Aufträge in welchen Gebieten vom Mandat des Deutschen Bundestages gedeckt sind und angenommen werden können.

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Positive Resonanz

Auch in der „Coalition Intelligence Fusion Cell“ des CAOC, in der alle Aufklärungsergebnisse der Koalition zusammenlaufen, arbeiten ein Offizier und ein Feldwebel der Bundeswehr aus dem Bereich Militärisches Nachrichtenwesen. Mit ihrer Expertise beraten sie ebenfalls den deutschen RCH und bilden eine weitere wesentliche Schnittstelle zum Einsatzgeschwader in Incirlik. Besonders bemerkenswert ist dabei die positive Resonanz zu den Aufklärungsprodukten, die das deutsche Team bereits nach wenigen Tagen im Einsatz bekam. Grund hierfür: Die hervorragende Qualität der Bildauswertung in Zusammenhang mit der hochauflösenden Sensorik der deutschen Aufklärungstornados.

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Stand vom: 16.02.16 | Autor: Andreas Berg


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