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Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 5: „Medal for two“ statt „Dinner for one“

Bamako, 06.01.2016.

Hauptfeldwebel Dennis K. verbrachte jetzt das zweite Weihnachtsfest nacheinander in Westafrika. Doch während der Jahreswechsel hierzulande bei Nieselregen und erneut ohne Schnee begangen wurde, verlebte er in Mali vergleichsweise spannende Tage: „Test“-Fahrten in unbekannten Geländewagen, Hubschrauberflüge, offizielle und überraschende Geschenke, sowie einen gelungenen Silvesterabend.

„Star Wars“ ist ja seit seinem Kinostart in Deutschland in aller Munde. Als Fan dieser Filmreihe schaue ich sehnsüchtig auf mein „Out“, um den Film dann endlich auch sehen zu können. Unterdessen bekomme ich in Mali eine etwas andere Version des „Sternenkrieges“ geboten.

Generalleutnant Pfeffer wird von Brigadegeneral Albl in Bamako begrüßt

Generalleutnant Pfeffer wird von Brigadegeneral Albl in Bamako begrüßt (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Kurz vor Jahresende besuchen uns gleich zwei deutsche 3-Sterne-Generäle (der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Pfeffer, und der Deutsche Militärische Vertreter beim NATO-Militärausschuss, Generalleutnant Wiermann) was auch mit dem Kommandowechsel der EUTM-Mission zu tun hat. In Kombination mit dem alten und dem neuen Mission Commander (Brigadegeneral Pfrengle und Brigadegeneral Albl) kommen wir damit auch auf eine Anzahl Sterne, mit der wir uns vor dem Imperium oder den Rebellen nicht zu verstecken brauchen. Die Herren Generale mögen mir diese kleine Parallele verzeihen – aber es passte einfach zu gut. Möge die Macht stets mit Ihnen sein und Ihnen ein Lächeln, ob der oben geschriebenen Zeilen, entlocken.

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Geschüttelt, nicht gerührt

Einen Tag vor Weihnachten üben die tschechischen Soldaten der Force Protection des Hauptquartiers außerhalb von Bamako den Ernstfall und ich darf dabei sein. Eine Patrouille wurde in diesem Übungsszenario angegriffen, wobei ein Soldat verletzt wurde und mit dem Hubschrauber zur weiteren Versorgung nach Koulikoro gebracht werden soll.

Zweifelhaftes Vergnügen – Die Mitfahrt durch jedes Schlagloch

Zweifelhaftes Vergnügen – Die Mitfahrt durch jedes Schlagloch (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Bei unserer Abfahrt wird mir die zweifelhafte Ehre zuteil, in einem offenen Landrover Platz zu nehmen, den der Zugführer persönlich steuert. Beim Einsteigen wundere ich mich noch, warum die Sitze Vierpunktgurte haben. Nach zehn Minuten weiß ich warum: Der Kamerad geht nicht gerade zimperlich mit dem Wagen um, wählt stets den direkten Weg und umfährt nicht ein einziges Schlagloch, so wie es alle anderen auch tun. Der durch die Vorderräder aufgewirbelte Staub dringt kurz hinter dem Fahrer in das Fahrzeug ein und sorgt dafür, dass ich rot „gepudert“ am Zielort ankomme.
Auch einen Helm werde ich wohl das nächste Mal tragen, hatte mein Kopf doch nicht nur einmal empfindlichen Kontakt mit der Kabinendecke. Gut geschüttelt und nicht gerührt, sind wir dann in der Trainingsarea. Alles läuft, wie es laufen soll: Der Fahrzeugkonvoi gerät unter Feuer, erwidert es und zieht sich dann zurück.

Der Übungsverletzte wird versorgt

Der Übungsverletzte wird versorgt (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Dann beginnt die Erstversorgung und der „9-Liner“ wird an die medizinische Versorgungseinrichtung in Koulikoro und an die Hubschrauberbesatzung abgesetzt. Bei dieser Meldung werden in neun Zeilen kurz und präzise alle relevanten Daten übermittelt, sodass sich die Empfänger auf den Verletzten einstellen können und keine wichtige Zeit verstreicht. Doch dann kommt alles anders.

Der Hubschrauber wird – bereits auf dem Flugfeld stehend – wieder zurückbeordert und erhält keine Starterlaubnis. Warum, erfahren wir nicht, offenbar gab es wichtige Gründe. Also füge ich mich meinem Schicksal und nehme wieder im Landrover Platz…

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Offizielle Geschenke - aber keine Post aus der Heimat

Offizielle Anerkennung: Der gemeinsame Coin von Ministerin und Generalinspekteur

Offizielle Anerkennung: Der gemeinsame Coin von Ministerin und Generalinspekteur (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Dann ist Weihnachten da, es wird ein schöner Tag. Zwar wird auch an Weihnachten gearbeitet, wir beschränken uns aber auf das Nötigste. Am späten Nachmittag sind es die deutschen Soldaten, die alle Angehörigen des Hauptquartiers nach dem Gottesdienst zu einem weihnachtlichen Umtrunk einladen und so den besinnlichen Teil des Tages einläuten. Es gibt Christstollen, Spekulatius und alle anderen Spezialitäten, die wir von Zuhause kennen. Für die deutschen Soldaten gibt es Geschenke der Ministerin, vom Generalinspekteur und auch vom Deutschen Bundeswehrverband. Ich erhalte meine zweite Medaille „Weihnachten im Einsatz“, denke aber keine Sekunde darüber nach, jetzt eine Sammlung zu eröffnen. 2016 möchte ich doch lieber wieder schlechtes Wetter, billigen Glühwein und den Geschenkewahn in Deutschland erleben.

Zum Abschluss genießen wir ein sehr gutes Abendessen und dann ist Weihnachten auch schon vorbei. Leider waren drei Postflieger auf ihrem Weg nach Mali nicht rechtzeitig da, sodass keiner an diesem Tag Post aus der Heimat bekommen hat. Dieses Jahr habe ich es übrigens tatsächlich geschafft, nicht ein einziges Mal „Last Christmas“ von WHAM zu hören. Allerdings wird mich dafür „In der Weihnachtsbäckerei“, das meine Kameraden dankenswerterweise permanent angestimmt haben, noch vermutlich bis Ostern verfolgen.

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Die Post ist (doch) da!

Randvoll: Der Achtsitzer wird zur Postkutsche

Randvoll: Der Achtsitzer wird zur Postkutsche (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Am ersten Feiertag sind wir wieder einmal auf dem Weg nach Koulikoro. Wir haben dort ein paar Dinge zu erledigen, hoffen aber vor allem darauf, dass wir jede Menge Post mit zurück nehmen können. So ist es dann auch. Auf dem Rückweg ist der Achtsitzer voll bis unters Dach. Die Freude bei den Kameraden ist natürlich riesig.

Der Brief

Der Brief (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe auch Post bekommen, sogar zwei Pakete sind für mich. Allerdings kenne ich den Absender des zweiten Paketes nicht. Der innenliegende Brief bringt die Erklärung: Eine Frau aus Deutschland, die in Afrika aufwuchs, hat nach dem Lesen meiner Tagebuchbeiträge ein Paket gepackt und an mich geschickt. Offenbar verschickt sie jedes Jahr Pakete in die Einsatzländer, um den Soldaten eine Freude zu machen. Das ist ihr auf jeden Fall gelungen, herzlichen Dank, Frau Petra R. aus Achern!

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Start im Hubschrauber

Im Innern des Hubschraubers

Im Innern des Hubschraubers (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Zwei Tage später gibt es dann wieder eine „MedEvac“- Übung, also das Evakuieren von Verletzten aus einer Gefahrenzone in die sogenannte „Role 2“ (sanitätsdienstliche Einrichtung). Dieses Mal starte ich direkt mit dem Hubschrauber. Die spanische Force Protection aus Koulikoro übt heute und heute darf der Helikopter auch starten.

Nach der Alarmierung vergehen etwa 20 Minuten, bis wir auf freiem Feld landen. Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Rettungskette hervorragend funktioniert und alle professionell bei der Sache sind. Heute steige ich auch das erste Mal bei laufendem Rotor aus. Alle Abläufe sind trainiert und abgesprochen. Man bildet eine Kette und geht mit der Hand auf der Schulter des Vordermannes vom Hubschrauber weg oder auf ihn zu.

Der spanische „Patient“ wird in den Rettungshubschrauber geladen

Der spanische „Patient“ wird in den Rettungshubschrauber geladen (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Der Übungsverletzte wird auf eine Schaufeltrage umgebettet und dann sind wir auch schon wieder in der Luft. Der Hubschrauber selber ist mit einem notfallmedizinischen Modul ausgestattet, ähnlich wie Krankenwagen in Deutschland. Zwar beschränkt sich die Ausrüstung auf die grundlegenden Notfall-Maßnahmen, wie Defibrillator, Beatmung und andere Dinge, aber für den schnellen Transport eines Verwundeten ist das mehr als genug. Die intensivmedizinische Behandlung findet in der Role2 statt. Zwei Transporte machen wir heute, alles läuft hervorragend.

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„Medal for two“ am Silvesterabend

Silvester, auch heute wird gearbeitet. Ich stelle einen Jahresrückblick in Bildern für die Auftritte der Mission auf Facebook und Twitter zusammen. In den letzten zwölf Monaten wurden circa 45.000 Bilder gemacht. Gegen Abend fällt mir auf, dass ich dieses Jahr wieder kein „Dinner for one“ sehen werde. Irgendwie lässt es sich auch auf die Schnelle nicht mehr auftreiben.
Brigadegeneral Albl eröffnet den Abend mit der wahrscheinlich kleinsten „Medal Parade“, die das Hauptquartier bisher gesehen hat. Unser Veterinär und ich bekommen die Einsatzmedaille der Bundeswehr und die der Europäischen Union verliehen. Ein Jahresausklang, den ich mir natürlich gefallen lasse.
Das Abendessen ist ein absolutes Highlight – die Darbietungen der anschließenden Karaoke-Veranstaltung dagegen allerdings nur teilweise. Und da wir England ja immer im Fußball besiegen, tut es auch nicht so weh, dass wir hinter den Briten „nur“ Platz zwei belegen. Kein „Dinner for one“, dafür „Medal for two“ und „Karaoke for all“ – ein gelungener Silvesterabend.

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Willkommen in der Realität

Um 00:00 Uhr stehen wir auf dem Hoteldach und schauen über die 2-Millionen-Metropole Bamako. Zwar sieht man die eine oder andere Rakete in den Himmel steigen, hört auch ein paar wenige Böller knallen, aber das war es dann auch schon. So schnell ist man dann auch wieder in der Wirklichkeit angekommen. Die Menschen können es sich schlicht weg einfach nicht leisten, das wenige Geld, das sie besitzen, in die Luft zu jagen.

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Stand vom: 06.01.16 | Autor: Dennis Kraft


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