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Schutz für ein strategisches Waffensystem – die „Augsburg“ im Persischen Golf

In See, 12.02.2016.

Seit Anfang Dezember 2015 gehört die Fregatte „Augsburg“ zum maritimen Schutzverband um den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“. Doch warum braucht der Träger, der aus dem Persischen Golf heraus operiert, so viele Schiffe, die ihn schützen? Der Zweite Schiffseinsatzoffizier der „Augsburg“ erläutert das Aufgabenfeld der „Wilden 13“ in diesem Einsatz.

Kapitänleutnant Daniel S. in der Operationszentrale

Kapitänleutnant Daniel S. in der Operationszentrale (Quelle: Bundeswehr/PAO FGS Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Das Telefon klingelt: „II SEO , OpZ. Ja, ja.“ Ein kurzes Nicken und der Telefonhörer wandert wieder auf die Gabel. Wir befinden uns in der Operationszentrale (OpZ) der Fregatte „Augsburg“, einem abgedunkelten Raum, tief unten im Bauch des Schiffes, mit unzähligen Bildschirmen, die in verschiedenen Farben in der Dunkelheit leuchten. Die OpZ ist das operative Herz der Fregatte, hier laufen alle Informationen zusammen, die für die Besatzung im Einsatz zur Unterstützung des Kampfes gegen die Terrororganisation „IS“ wichtig sind.
Es ist 8.00 Uhr morgens, die Soldaten der stehenden Seewache sind vor einer halben Stunde aufgezogen. Drei Obermaaten sitzen in der OpZ hinter ihren Konsolen, die bernsteinfarben das Radarbild darstellen. An der Konsole Nummer acht sitzt der sogenannte Wachleiter der OpZ. Für die kommenden vier Stunden ist dies der Zweite Schiffseinsatzoffizier, Kapitänleutnant Daniel S, der die taktische Zusammenarbeit mit der „Charles de Gaulle“ und den weiteren Schiffen des Verbandes koordinieren wird.

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Warum Geleitschutz für einen Flugzeugträger?

Nah dran: Die Fregatte „Augsburg“ beim Flugzeugträger „Charles de Gaulle“

Nah dran: Die Fregatte „Augsburg“ beim Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ (Quelle: Bundeswehr/PAO FGS Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Oft wird im Zusammenhang mit dem Einsatz der Fregatte im Persischen Golf die Frage gestellt, warum der Flugzeugträger überhaupt mehrere Schiffe zu seinem Schutz benötige, obwohl der sogenannte „Islamische Staat“ gar nicht über die militärischen Mittel verfügt, um den Träger auf offener See angreifen zu können.
Kapitänleutnant Daniel S. lehnt sich zurück und nimmt sich einen Augenblick Zeit, bevor er antwortet: „Ein Flugzeugträger ist ein ausgesprochen modernes Waffensystem und sein Einsatz ist hochkomplex. Zum einen besteht hier im Persischen Golf grundsätzlich zu jeder Zeit die Möglichkeit, von kleinen, wendigen und hochmotorisierten Booten nichtstaatlicher Akteure mit ungelenkten Raketen oder anderen Waffen angegriffen zu werden. Auch ein Angriff mit kleinen Flugzeugen ist durchaus vorstellbar. Die Streitkräfte der Koalition fliegen ununterbrochen Luftangriffe gegen Stellungen des sogenannten „Islamischen Staates“. Da auf einen möglichen Gegenschlag nicht vorbereitet zu sein, wäre sehr leichtsinnig.“
„Zum anderen“, so Daniel S. weiter, „ist ein Flugzeugträger ein strategisches Waffensystem, das immer besonderen Schutz benötigt, egal wo er operiert. Zusätzlich besteht ein enormes Interesse anderer Marinen, Erkenntnisse über die Arbeitsweise eines fremden Flugzeugträgers zu sammeln, vor allem, wenn dieser vor der eigenen Küste kreuzt.“

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Patrouille bis in 40 Kilometer Entfernung

Seit Dezember 2015 schützt die deutsche Fregatte gemeinsam mit weiteren Schiffen den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“

Seit Dezember 2015 schützt die deutsche Fregatte gemeinsam mit weiteren Schiffen den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ (Quelle: Bundeswehr/PAO FGS Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Die Fregatte „Augsburg“ trage im Verband zur weiträumigen Absicherung des Flugzeugträgers bei, „indem wir in einer Entfernung von bis zu 40 Kilometern einen Beitrag zum Aufbau eines umfassenden Lagebildes leisten“ , sagt „Kaleu“ S., der seit fünf Jahren in verschiedenen Funktionen auf der „Augsburg“ tätig ist.
So diene die Fregatte beispielsweise als vorgeschobener Sensor und als Frühindikator für eine mögliche Bedrohung. „Praktisch setzen wir das um, indem wir uns entweder in einem zugewiesenen Sektor in einem Abstand von fünf bis 15 Nautischen Meilen (rund zehn bis 30 Kilometer) um die „Charles de Gaulle“ bewegen. Oder wir patrouillieren in einem etwas weiter entfernten Seegebiet, etwa 20 Meilen vom Träger entfernt“, erläutert der II SEO.

Je näher die „Augsburg“ am Träger stehe, desto mehr Bedeutung gewinne ihr Schutzauftrag. Je weiter sie entfernt sei, desto wichtiger werde der Beitrag zum weiträumigen Lagebild. Meist stünden zwei, idealerweise sogar drei Schiffe um die „Charles de Gaulle“. Dazu kommen dann noch ein Versorger und Reserve-Einheiten, die einspringen könnten, falls eine der Fregatten einen Hafen ansteuern muss.

Neben diesen militärischen Faktoren spricht Kapitänleutnant S. auch noch kurz die seemännische Seite an: „Ein Flugzeugträger benötigt für seine Operationen immer rund 30 Knoten (rund 60 km/h) Wind auf dem Flugdeck, damit die Jets sicher starten und landen können. In einer windarmen Region wie dem Persischen Golf bedeutet dies, dass der Träger stets mit hohen Fahrtstufen arbeitet, weil er seinen Wind selbst erzeugen muss.“ So benötigt der rund 45 000 Tonnen verdrängende Koloss immer viel Platz, wenn er mit hoher Geschwindigkeit durch das Wasser pflügt. Mit dem gemeinsam aufgebauten Lagebild kann die Route so abgesteckt werden, dass die Handelsschifffahrt nicht behindert wird.

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Stand vom: 12.02.16 | Autor: Ramona Riedel


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