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„Weil ich gebraucht werde!“ – 1.000 Tage in Afghanistan

Mazar-e Sharif, 22.01.2016.

Stabsfeldwebel Sebastian U. ist Gesundheits- und Krankenpfleger aus Berufung. Im Lazarett des Camps Marmal absolviert er derzeit seinen neunten Einsatz. Vor wenigen Tagen erreichte er eine besondere Marke: 1.000 Tage im Einsatz - für die Gesundheit der Soldaten.

Im Dienste der Gesundheit – auch die Grundversorgung wird im Einsatz gewährleistet

Im Dienste der Gesundheit – auch die Grundversorgung wird im Einsatz gewährleistet (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Stabsfeldwebel Sebastian U. ist als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensiv- und Pflegestation des Einsatzlazaretts tätig. Gefragt nach dem Unterschied zum Dienst im Bundeswehrkrankenhaus Berlin, wo er sonst auf der HNO-Station eingesetzt ist, beschreibt er die Vielfältigkeit seines Auftrages im Einsatz: „Wir arbeiten hier interdisziplinär, sind nicht auf Teil- oder Fachgebiete aufgeteilt. Jeder der Pfleger auf beiden Stationen macht alles. Dadurch bekomme ich von allem etwas mehr mit, aber das fordert einen natürlich auch mehr.“

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Internationales Miteinander - auf Englisch

„Arbeitssprache ist Englisch.“ – Stabsfeldwebel Sebastian U. trägt Befunde in eine Patienten-Akte ein.

„Arbeitssprache ist Englisch.“ – Stabsfeldwebel Sebastian U. trägt Befunde in eine Patienten-Akte ein. (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Ein weiterer Unterschied ist, dass in seiner Abteilung neben deutschen, auch ungarische und niederländische Soldaten eingesetzt sind. „Unsere Arbeitssprache ist Englisch, gesprochen wie geschrieben. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, bei medizinischen Berichten oder ärztlichen Anordnungen ‚Englisch‘ zu denken“, erzählt Sebastian U. und fügt hinzu: „Wir sind trotz unterschiedlicher Nationen eine Kompanie – da gilt es in allen Bereichen eine gemeinsame Sprache zu sprechen.“

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Doppelter Auftrag

„Übung macht den Meister“ – Regelmäßig werden alle Abläufe durchgegangen

„Übung macht den Meister“ – Regelmäßig werden alle Abläufe durchgegangen (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Das Einsatzlazarett hat zwei Aufträge: „Zunächst ist da die medizinische Grundversorgung“, erklärt der 41-jährige Stabsfeldwebel. „Das umfasst alles, von der Durchfallerkrankung bis zum Herzinfarkt – Dinge, die nicht nur im Einsatz auftreten.“ Darüber hinaus ist das Einsatzlazarett für alle einsatzbedingten Fälle vorbereitet und ausgerüstet – inclusive eines möglichen Massenanfalls von Verwundeten.

Das Lazarett „Oberstabsarzt Dr. Thomas Broer“, benannt nach dem am 15. April 2010 im Einsatz gefallenen Mediziner, verfügt dazu über eine Ausstattung, die mit der eines modernen Kreiskrankenhauses vergleichbar ist. Neben mehreren Operationsräumen gibt es eine Notaufnahme mit zwei Schockräumen auf modernstem Standard und einen Computertomografen.

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Seine Motivation: Ich werde gebraucht!

Zuspruch spenden – auch das gehört für Stabsfeldwebel U. im Einsatzlazarett einfach dazu

Zuspruch spenden – auch das gehört für Stabsfeldwebel U. im Einsatzlazarett einfach dazu (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

„Für mich stellt sich die Motivationsfrage nicht“, betont der Stabsfeldwebel. „Wo Soldaten im Einsatz sind, ist der Dienst eines Sanitäters immer notwendig.“ Sebastian weiß genau, dass er und seine Kameraden gebraucht werden: „Krank wird immer jemand – und im Einsatz, das ist nun mal so, da besteht immer auch das Risiko von Verletzungen und Verwundungen.“

In seinen neun Auslandseinsätzen hat Stabsfeldwebel U. auch das schon erleben müssen. So wie damals, nach einem Anschlag, fünf Jahre ist das jetzt her. „Als ich das Anlaufen und Funktionieren der Rettungskette erlebte, machte mich das stolz. Bei unserer Arbeit geht es um Menschenleben“, erzählt er. „Es innerhalb von 48 Stunden zu schaffen, vom damaligen Observation Post North, wo ein afghanischer Soldat das Feuer auf deutsche Soldaten eröffnet hatte, die Verletzten unter nahezu optimalen Bedingungen ins Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz zu bringen, das ist eine beeindruckende Leistung.“

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Teil der Rettungskette

Schichtwechsel: Stabsfeldwebel U. bespricht jeden Fall mit dem Kameraden, der ihn ablöst

Schichtwechsel: Stabsfeldwebel U. bespricht jeden Fall mit dem Kameraden, der ihn ablöst (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Sebastian U. war damals selbst ein Teil dieser Kette: „Beginnend mit der Selbst- und Kameradenhilfe über den Verwundetentransport zum Einsatzlazarett, der ersten klinischen Versorgung hier bei uns, gefolgt vom Lufttransport nach Deutschland, hat die Kette funktioniert.“ Für ihn schloss sich nach seiner damaligen Rückkehr nach Berlin der Kreis, der im Einsatzland begann: „Es war ein schönes Gefühl, als ich später einem der betroffenen Soldaten bei seiner nachbereitenden Therapie wieder begegnete und sah – er hat es geschafft.“

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Stand vom: 22.01.16 | Autor: Philipp Hoffmann


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