Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 7: „Prügelei“ auf dem Bolzplatz

Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 7: „Prügelei“ auf dem Bolzplatz

Bamako, 26.01.2016.

Das Ende des Einsatzes rückt für Hauptfeldwebel Dennis Kraft immer näher. Die Tage sind aber nicht minder spannend. Wenn er dem Nahkampf- und Scharfschützentraining der malischen Soldaten beiwohnt und sich anschließend noch einer besonderen Herausforderung stellt, gibt es auch in diesem siebten Teil seines Tagebuchs wieder viel zu erzählen.

Nahkampftraining in Mali

Nahkampftraining in Mali (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Langsam aber sicher geht es für mich auf die Zielgerade, meine Zeit in Mali neigt sich dem Ende zu. Doch auch in dieser Woche gab es wieder jede Menge zu tun. Anfangen möchte ich mit einer gut organisierten Massenschlägerei auf dem Trainingsgelände des malischen „33ieme Regiment des Commandos Parachutistes“. Dabei gingen die Soldaten, unterstützt durch spanische EUTM-Kameraden, sprichwörtlich aufeinander los. Allerdings ging das Ganze, bis auf einen versehentlich per Ellenbogencheck zu Boden geschickten Soldaten, dann doch absolut unblutig über die Bühne. Tatsächlich handelte es sich nämlich um ein Nahkampftraining, bei dem alle Teilnehmer sehr viel Spaß mit- und gegeneinander hatten. Es blieb bei jeder Menge Schweiß, Staub und – in dem einen Fall – bei leichten Kopfschmerzen.

nach oben

Wer ist hier eigentlich der Sniper?

Einschießen im heißen Sand – für Scharfschützen und den Fotografen

Einschießen im heißen Sand – für Scharfschützen und den Fotografen (Quelle: Bundeswehr/Benjamin Rupp)Größere Abbildung anzeigen

Am nächsten Tag begleiten wir ein Spezialkommando der Gendarmerie zur Scharfschützenausbildung. Alle malischen Soldaten sind kampferprobt, einige von ihnen waren auch bei der Beendigung der terroristischen Geiselnahme im Radisson Hotel am 20. November 2015 im Einsatz. Sie alle sollen heute in den unterschiedlichsten Situationen treffsicher bleiben. Nach dem liegenden Einschießen im glühend heißen Sand, bringen die Ausbilder langsam Stress in die Situation. Zunächst sollen die Malier innerhalb kürzester Zeit eine bestimmte Anzahl von Treffern landen. Danach wiederholt sich das Ganze, allerdings von der Ladefläche eines Pickups, aufgelegt auf ein altes Fass, oder auch aus liegender Position unterm Auto.

Um das fotografisch für die interessierte Nachwelt festzuhalten, gehe ich ebenfalls in Stellung. Hinter den Schützen liegend, bin ich plötzlich das Interessanteste oder Lustigste, was Ausbilder und Malier anscheinend bisher gesehen haben. Aber was tut man nicht alles für ein gutes Foto.

Ich bin mir absolut sicher, dass ich auf fast jedem malischen und portugiesischen Smartphone an diesem Tag verewigt worden bin. Frage des Tages: „Wer ist hier der Sniper?” Die Antwort überlasse ich Ihnen, werte Leser.

Dreibein nach malischer Bauart

Dreibein nach malischer Bauart (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Der lange Tag unter der wieder einmal prallen Sonne endet mit einer Schießübung auf einem selbstgebauten Dreibein. Auch hier zeigen die malischen Soldaten, dass sie ihr Handwerk gelernt haben.

nach oben

„DanCon-March“ oder „Was, zum Teufel, mach ich hier eigentlich?“

Geschafft – 25 Kilometer unter afrikanischer Sonne

Geschafft – 25 Kilometer unter afrikanischer Sonne (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Es ist Sonntag, vier Uhr morgens, mein Wecker klingelt, ich stehe auf. Warum? Ja, das frage ich mich auch als allererstes, bevor ich im Bad verschwinde. Ich werde mich das auch den Rest des Vormittags noch fragen, ohne eine Antwort zu finden. Ich bin heute so früh dran, um an einem 25 Kilometer langen Marsch teilzunehmen, den die dänischen Soldaten bei MINUSMA, der UN-Mission im Land, organisiert haben. Natürlich marschiert man in Uniform und mit den obligatorischen 10 Kilo Gepäck. Der sogenannte “DANCON-March” („DANish CONtingent March“) hat seit 1972 Tradition bei unseren nördlichen Nachbarn und wird in unterschiedlichen Einsätzen regelmäßig veranstaltet. Befreundete Truppen werden dazu eingeladen, so wie wir an diesem Tag.

Gegen sechs Uhr stehe ich mit den Kameraden in noch fast völliger Dunkelheit zusammen – und dann geht es auch schon los. Vier Runden à 6,25 Kilometer liegen vor uns. Die ersten acht Kilometer sind noch ganz in Ordnung, doch dann geht die Sonne auf. Man kann eigentlich gar nicht so viel Wasser trinken, wie man wieder ausschwitzt und so muss ich mir eine 20-minütige Pause gönnen, nachdem Runde drei geschafft ist. Ich bin anscheinend wohl doch kein so junger Hüpfer mehr.

Mein letzter Marathon ist schon ziemlich lang her und den ewigen Kampf gegen überflüssige Pfunde habe ich auch nicht immer gewonnen. Aber aufgeben? Niemals! Die letzte Runde ist dann – man mag es kaum für möglich halten – die Schwierigste. Nicht nur, dass man durch die pralle Sonne läuft und mir alles weh tut. Nein, man schwitzt, stinkt und schleppt natürlich die übelste Laune aller Zeiten mit sich rum. Mittlerweile sind auch noch jede Menge Zuschauer an der Strecke. Sie stellen sich wahrscheinlich die gleiche Frage, wie wir selbst: „Wie kann man nur so verrückt sein?”

Ich habe immer noch keine Antwort, verschenke meine letzten beiden Wasserflaschen an ein paar Kinder am Rand der Wegstrecke und überquere reichlich derangiert die Ziellinie. Herausforderung angenommen, eigenen Schweinehund bezwungen, durchgezogen: „Finisher” – ich denke, dafür haben wir das gemacht.

Eine schöne Medaille gibt es zwar auch, aber irgendwie ist das dann nur ein Bonbon. Das Großartigste an diesem Tag ist eindeutig das Mittagessen bei ASIFU („All Sources Information Fusion Unit“), einem Teilbereich von MINUSMA. Spiegeleier(!), Schinken, Steaks, Gemüsereis, ein Nachtisch- und ein Salatbuffet – ein Traum. Von den Schmerzen an den nächsten beiden Tagen möchte ich nicht schreiben, ich kam aber aus eigener Kraft von A nach B.

nach oben

Viel Lob, aber auch Kritik

Brigadegeneral Albl sieht zufrieden auf die Fortschritte der malischen Soldaten

Brigadegeneral Albl sieht zufrieden auf die Fortschritte der malischen Soldaten (Quelle: b/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem sich ja die Fallschirmjäger noch Anfang der Woche recht motiviert “geprügelt” hatten, zeigen sie heute, dass sie auch militärisch was drauf haben. In den letzten Tagen gab es für sie die unterschiedlichsten Weiterbildungen, unter anderem: Taktisches Vorgehen, Ausweichen im Gruppenrahmen und auch bei der sanitätsdienstlichen Versorgung haben die spanischen Ausbilder einiges erreicht. Heute hat sich der Kommandeur der Mission, Brigadegeneral Albl, zur Dienstaufsicht angekündigt. Dementsprechend engagiert gehen Soldaten und Ausbilder zu Werke.

Der Regimentskommandeur im Gespräch mit dem deutschen Mission Commander

Der Regimentskommandeur im Gespräch mit dem deutschen Mission Commander (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Auch der malische Regimentskommandeur und große Teile seines Stabes sind anwesend. Brigadegeneral Werner Albl ist zufrieden mit dem, was er sieht, und er sieht sich alle Gruppen auf dem Gelände an. Bei der abschließenden Besprechung gibt es viel Lob, aber auch Kritik. Verbessern kann und muss man schließlich immer etwas.

Das soll es für diese Woche gewesen sein. In Kürze kommt mein Nachfolger und dann wird es bald auch Zeit, die Kisten zu packen….

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 29.01.16 | Autor: Dennis Kraft


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CA6J9W8745DIBR