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13 Frauen auf der „Wilden 13“

In See, 10.03.2016.

„Jim Knopf und die Wilde 13“ aus der Geschichte von Michael Ende sind die Namenspaten der Fregatte „Augsburg“. Die Geschichte wurde nicht nur durch die Augsburger Puppenkiste aus der Patenstadt der Fregatte adaptiert, sondern das Schiff von Kommandant Jörg Mascow trägt auf seinem Rumpf auch noch das optische Rufzeichen F213. Und auf der „Wilden 13“ leisten 13 Frauen ihren Dienst. Seit Anfang Dezember schützten sie - natürlich zusammen mit den Männern an Bord und mit weiteren Kriegsschiffen - den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ bei dessen Operationen im Kampf gegen die Terrororganisation „IS“. An Bord der Fregatte erledigen sie die unterschiedlichsten Aufgaben.

Wir, das sind die dreizehn Frauen auf der „Wilden 13“. Wir haben an Bord die unterschiedlichsten Aufgaben und Herausforderungen, die wir täglich meistern. Natürlich kennen wir uns alle. Denn unter 180 Männern ist schnell klar, wen „frau“ fragt, wenn sie das Shampoo vergessen hat: Eine der zwölf anderen. Wir wollen uns heute kurz vorstellen, wer wir sind und was wir an Bord machen.

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Wer sind wir?

Die 13 Frauen der „Wilden 13“

Die 13 Frauen der „Wilden 13“ (Quelle: Bundeswehr/Maria Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Wir Frauen an Bord bekleiden bei den Offizieren die Dienstposten des Decksoffiziers (Ramona Riedel), des Dritten Schiffsversorgungsoffiziers (Anne L.), der Schiffsärztin (Jasmin H.) und der Militärpfarrerin (Kerstin J.).
Bei den Unteroffizieren mit Portepée haben wir eine Frau als Sanitätsmeister (Nina K.), als Zweiten Elektronischen Kampfmittelführungsmeister (Maria S.), und als Ersten Linkmeister (Kathrin K.).
In der Unteroffiziermesse vertreten uns Obermaat Stephie B., die in der Schiffswachtmeisterei eingesetzt ist und Obermaat Jenny P., die als Operator in der OpZ dient. Bei den Mannschaften haben wir einen Decksgasten (Mona B.), einen Versorgungsgasten (Lea L.), eine Schreiberin (Iris M.) und Kim S. ist Funkerin (Anm.: Bei der Deutschen Marine werden die Mannschaftsdienstgrade an Bord als „Gasten“ bezeichnet.)

Wir sind eine kleine (Zweck-)Gemeinschaft an Bord und obwohl vergleichbar wenige, lebt jede Frau ihren individuellen Arbeitsalltag, der wenig Zeit für Begegnungen untereinander bietet. Wenn sich auf See die Gelegenheit bietet, treffen wir uns auch „unter Mädels“, zum Beispiel auf einen „Sundowner“ auf dem Flugdeck – einfach, um uns auszutauschen.

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Alltag ist nicht gleich Alltag

Stephie B. auf Manöverstation, kurz vorm Anlegen

Stephie B. auf Manöverstation, kurz vorm Anlegen (Quelle: Bundeswehr/Ralf Hermann)Größere Abbildung anzeigen

Was den Alltag angeht, sind wir uns alle einig: Er wird von der Bordroutine bestimmt, sie gibt den Tagesablauf vor. Dabei macht es einen Unterschied, ob man Dauerwächter oder Seewächter ist. Dauerwächter haben Tagesdienst von 8-17 Uhr, Seewächter sind den drei Seewachen zugeteilt, die rund um die Uhr das Schiff fahren und sich im Schichtdienst abwechseln. So viel zur Theorie. In der Realität ist der Alltag aber oft so komplex, dass man ihn nicht in diesen wenigen Zeilen beschreiben kann. Daher konzentrieren wir uns auf zwei Beispiele.

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Obermaat Stephie B. - die „Omi“

Stephie B. ist schon seit 2009 an Bord

Stephie B. ist schon seit 2009 an Bord (Quelle: Bundeswehr/Ramona Riedel)Größere Abbildung anzeigen

Ein bereits sehr vertrautes Gesicht auf der Fregatte „Augsburg“ ist das von Stephie B. Sie ist Obermaat und arbeitet in der Schiffswachtmeisterei, also dem Geschäftszimmer, der Verwaltung des Schiffes. Sie ist Dauerwächter (manche munkeln, das bedeute dauerwach) und zu ihren Aufgaben gehört das Führen der Personalakten und die Bearbeitung von Lehrgangsmeldungen oder von Wachplänen. Sie unterstützt den Schiffswachtmeister (den „Spieß“) bereits seit mehreren Jahren.
Von der Besatzung wird sie auch „Omi“ genannt, weil sie bereits seit März 2009 zur Besatzung der „Augsburg“ gehört und damit zu denjenigen, die am längsten an Bord sind.

Stephie B. im Gefechtsdienst

Stephie B. im Gefechtsdienst (Quelle: Bundeswehr/Ramona Riedel)Größere Abbildung anzeigen

Sie hat mit der Fregatte bereits viel erlebt. Was hält sie nach so langer Zeit noch an Bord? „Die ‚Augsburg‘ ist wie ein Dorf, man hat einfach die Beharrlichkeit zum Bleiben. Und durchlebt die Höhen und Tiefen zusammen mit dem Schiff, so wie in jeder längeren Beziehung. Das verbindet.“
Ihre Arbeit in der Wachtmeisterei ist aber nicht ihre einzige Aufgabe. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung hat sie sich als Plotter des Schiffstechnischen Offiziers bewährt. Bei Schadensereignissen im Schiff führt sie so das Lagebild. Während der seemännischen Manöver, wie zum Beispiel beim An- oder Ablegen, unterstützt sie auf ihrer Manöverstation „Back“ (Anm.: der vordere Teil des Schiffes vor den Brückenaufbauten) als „Spillfahrer“ – sie bedient also eine Winde, mit der schwere Trossen und Taue gefiert und geholt werden.

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Oberleutnant zur See Ramona Riedel - Decks- und Presseoffizier

Decksoffizier Ramona Riedel beim Anlegen in Abu Dhabi

Decksoffizier Ramona Riedel beim Anlegen in Abu Dhabi (Quelle: Bundeswehr/Ralf Hermann)Größere Abbildung anzeigen

Zu den Seewächtern zählt Decksoffizier Ramona Riedel. „Ich bin seit Juli 2015 an Bord und führe den Abschnitt Decksdienst. Außerdem bin ich als Wachhabender Offizier (WO) auf der Brücke dafür verantwortlich, das Schiff zur See zu fahren. Das ist sehr viel Verantwortung und dafür liebe ich meinen Job.“ (Anm. d. Red.: Zusätzlich ist sie als nebenamtlicher Presseoffizier eingesetzt, weshalb ihr Name hier auch ausgeschrieben wird.)

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Was wir an Bord vermissen.

Auf so einer langen Seefahrt, wie wir sie jetzt schon hinter uns haben, lernt man die kleinen Dinge zu Hause ganz besonders zu schätzen. Stephie B. zum Beispiel schwärmt von ihrer Küche. „Einfach zum Kühlschrank gehen und mir aussuchen, was ich gerade essen möchte.“ Das lässt die Verpflegung an Bord so nicht zu, es gibt keine Extrawünsche, sondern das, was für die ganze Besatzung eingeplant ist. Auch wenn das Essen meist sehr gut schmeckt, kann es eben doch nicht die heimische Küche ersetzen.

Sanitätsmeister Nina K. bei der Arbeit

Sanitätsmeister Nina K. bei der Arbeit (Quelle: Bundeswehr/PAO Fregatte Augsburg)Größere Abbildung anzeigen

Sanitätsmeister Nina K. antwortet auf die Frage, was sie vermisse, ganz spontan: „Mein Sofa. Sich einfach mal lang machen zu können, das wäre schön.“ Die schmalen Böcke (so heißen an Bord die Betten oder auch Kojen) bieten außer einer harten Matratze wenig, was zum Verweilen einlädt.

Ramona Riedel auf der Brücke – sie fährt als WO-Schülerin das Schiff, Kapitänleutnant Christian B. steht ihr zur Seite

Ramona Riedel auf der Brücke – sie fährt als WO-Schülerin das Schiff, Kapitänleutnant Christian B. steht ihr zur Seite (Quelle: Bundeswehr/Ralf Hermann)Größere Abbildung anzeigen

Ramona Riedel fügt hinzu: „Als Seewächter fehlen mir – außer meiner Familie und insbesondere meinem Mann – vor allem Nächte, in denen ich durchschlafen kann. Und mir fehlt ein richtig großer Spiegel, in dem man sich ganz sehen kann, um festzustellen, ob die Schuhe tatsächlich zum Kleid passen oder eben nicht.“

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13 ganz normale Frauen

Zusammenfassend können wir sagen, dass es die kleinen Dinge des Lebens sind, die man zu Hause genießt, die persönliche Freiheit der kleinen Entscheidungen, die wir alle vermissen. Wir sind eben dreizehn ganz normale Frauen, die hier an Bord ihren Aufgaben nachgehen und einfach ihren Job machen. Dabei sind wir genauso viel oder wenig verrückt wie Frauen in anderen Berufen, seien diese von Männern dominiert oder auch nicht.

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Stand vom: 10.03.16 | Autor: Ramona Riedel


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