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Camp Marmal: Der Bergegruppe ist nichts zu schwer

Mazar-e Sharif, 15.02.2016.

Ein starker Wind weht über das Übungsgelände im Camp Marmal. Hinter einem Kran stehen Soldaten im Halbkreis. Sie üben heute die Nutzung ihrer schweren Bergegeräte. Stabsunteroffizier Maik J. steht dabei vor einem Flipchart und macht Mathematik! Was wie Schulunterricht aussieht, ist Grundlage jeder erfolgreichen Bergung. Was die Soldaten kürzlich sogar an einer Boeing bewiesen haben.

Mathematik und Physik sind die Grundlagen jeder erfolgreichen Bergung – Stabsunteroffizier Maik J. bei der Berechnung

Mathematik und Physik sind die Grundlagen jeder erfolgreichen Bergung – Stabsunteroffizier Maik J. bei der Berechnung (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Die Bergegruppe der Logistikkompanie tritt nicht nur in Aktion, wenn ein Fahrzeug außerhalb des Camps geborgen werden muss. Das Team um den Gruppenführer, Stabsunteroffizier Maik J., bewegt auch vieles außerhalb des Camps, im Rahmen der sogenannten „Immediate Response Force (IRF)“.

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Ausbildung am Bergegerät

Bei der Übung: Stabsunteroffizier Ramona G. bedient die Kranwinde aus dem Fahrerhaus per Fernbedienung

Bei der Übung: Stabsunteroffizier Ramona G. bedient die Kranwinde aus dem Fahrerhaus per Fernbedienung (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Heute werden die Aufgaben der Bergegruppe bei einem PKW-Unfall geübt. Die Gruppe hat den Auftrag, einen auf dem Dach liegenden Pkw wieder auf die Räder zu stellen. Dazu zeigt der 27-jährige Maik, wie zur Vorbereitung der Bergung Gewichte, Winkel und Zugkräfte zu berechnen sind. Seine Soldaten nutzen ihr Wissen und fangen an zu rechnen. Dann bereiten sie ihr Gerät vor: Aus Seilen, Winden und Haken entsteht eine Zugkonstruktion, mit der sie das Fahrzeug bergen können.

Ausbildung und Übung am Bergegerät: die Bedienung einer „Flex“ gehört ebenfalls dazu

Ausbildung und Übung am Bergegerät: die Bedienung einer „Flex“ gehört ebenfalls dazu (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Beim ersten Mal ist das nicht ganz einfach, doch die Bergung gelingt. Weitere Ausbildungsabschnitte schließen sich an: Die Handhabung mechanischer und hydraulischer Spreizer, die Nutzung von Schneidwerkzeugen, das Aufschneiden eines Fahrzeuges mit der „Flex“. Bei jedem Arbeitsgang stellen sie fest: Im Team geht alles besser.

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Qualifikation aus dem Zivilberuf oder bei der Bundeswehr

Die Soldaten gehören dem Versorgungsbataillon 4 in oberpfälzischen Roding an und besitzen eine Vielzahl an Qualifikationen. Sie sind Kranführer, Instandsetzungsunteroffiziere, Transportunteroffiziere und Schwerlasttransportunteroffiziere. Hinter diesen Bezeichnungen stecken zivile Ausbildungsberufe. „Ich bin gelernter Kraftfahrzeugmechatroniker“, berichtet Stabsunteroffizier Maik J., „und habe meine Karriere bei der Bundeswehr als Unteroffizier begonnen. Eine Berufsausbildung während der Dienstzeit brauchte ich nicht, da ich den Beruf ja schon mitbrachte.“ Natürlich sind im Laufe seiner Dienstzeit weitere Ausbildungen dazugekommen. So auch seine Qualifikationen zum Umgang mit Bergegerät oder der Führerschein für das schwere, geschützte Berge- und Abschleppfahrzeug „Bison“.

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Starke Frau in starkem Laster

Stabsunteroffizier und Kranführerin – Ramona G. an ihrem Arbeitsplatz im Einsatz

Stabsunteroffizier und Kranführerin – Ramona G. an ihrem Arbeitsplatz im Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Stabsunteroffizier Ramona G. dagegen stieg zunächst in der Laufbahn der Mannschaften als Unteroffizieranwärter ein. „Bei der Bundeswehr habe ich dann die Ausbildung zur Berufskraftfahrerin gemacht“, erzählt sie. „Dazu habe ich ein Jahr lang ein Praktikum bei einer zivilen Transportfirma absolviert und bin viel herumgekommen.“ Mit ihrer Qualifikation als Schwerlasttransport-Spezialistin fährt sie in ihrem Stammtruppenteil den 735 PS starken Schwerlasttransporter „Elefant“ und bewegt mit ihm 92 Tonnen – auf der Straße und auch im Gelände.

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„Riesen-Tetris“

Das Versetzen von Lasten – hier T-Walls (Beton-Wände zum Schutz gegen Beschuss) – gehört zu den Aufgaben der Bergegruppe

Das Versetzen von Lasten – hier T-Walls (Beton-Wände zum Schutz gegen Beschuss) – gehört zu den Aufgaben der Bergegruppe (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

„Im Einsatz ist ein Auftrag der Bergegruppe das Versetzen von Lasten“, erklärt Gruppenführer Maik. „Wir sind da, wenn etwas Schweres bewegt werden muss.“ Sogenannte T-Walls, versetzbare, T-förmige Betonwände zum Schutz gegen Beschuss, gehören dazu, aber auch Büro- und Unterkunfts-Shelter. Maik J. lacht: „Das ist manchmal ein bisschen wie Riesen-Tetris. Wenn wir zwei Kräne einsetzen können und jeder mithilft, schaffen wir den Abbau, das Versetzen und den Aufbau eines Shelters an einem Tag. Viele Hände, schnelles Ende.“ Dabei ist ihm wichtig: In der Bergegruppe ist Teamgeist nicht nur gefordert, er wird auch täglich gelebt.

Bergung per Knopfdruck – an der Fernbedienung des Krans: Ramona G.

Bergung per Knopfdruck – an der Fernbedienung des Krans: Ramona G. (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Doch die Soldaten mit ihren großen Geräten helfen nicht nur im Camp, auch außerhalb sind ihre Fähigkeiten manchmal unverzichtbar. „Wir stellen die sogenannte „Recovery Task Force“. Das bedeutet: Wir stehen mit unserem Fahrzeugkran, einem „Bison“, einem geschützten Tieflader, einem geschützten Personentransporter und einem „Dingo“, der für die Instandsetzung von Gefechtsschäden ausgerüstet ist, bereit, wenn sich Soldaten des TAAC North außerhalb des Camps befinden.“
Ramona G. ergänzt: „Wir sind da, falls draußen ein Fahrzeug technische Probleme haben sollte und nicht mehr weiter fahren kann.“ Wenn es darauf ankommt, kann ihr Bereitschaftsgrad von regulär 60 Minuten auf null herabgesetzt werden. Auch wenn sie bisher noch nicht abgerufen werden mussten, ist es für alle Soldaten ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass die Bergegruppe da ist, und was sie kann.

Doch es gibt noch weitere Bereiche, in denen sie unterstützen. So helfen sie auch den Technikern im Einsatzgeschwader des TAAC North bei umfangreicheren Instandsetzungen, so auch beim Tausch des Kamerasystems zur Absicherung des Flugfeldes. „Wir unterstützen aber auch bei der Instandsetzung der Hubschrauber, wenn beispielsweise die Rotorblätter der CH-53 zu wechseln sind“, sagt Gruppenführer Maik.

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Bewegende Momente

Bewegt haben die Soldaten auch ihre Kameraden im Advent – und das auch in einem anderen Sinne. Nur mit ihrer Hilfe gelang es, den über neun Meter hohen Weihnachtsbaum im Innenhof der Betreuungseinrichtung „Atrium“ aufzustellen. Ihr Highlight im jetzigen Kontingent war aber wohl etwas, das nur wenige Bergegruppen jemals machen werden: Das Kranen eines Flugzeugs.

Eine ausgediente, zivile Boeing 727, die jahrelang neben dem zivilen Flughafen von Mazar-e Sharif stand, sollte eine neue Funktion bekommen. „Die Flughafenfeuerwehr will die Maschine zum Üben nutzen“, erzählt der Stabsunteroffizier, „und wir wurden gebeten, den Flieger zu versetzen.“

Das Team nahm die Herausforderung an: „Die Berechnungen zum Gewicht und zur erforderlichen Zugkraft waren wirklich etwas anders, als das alltägliche Geschäft. Doch als wir rechnerisch ermittelt hatten, dass unser Gerät dafür ausreicht, haben wir gesagt: Wir machen das.“

„Schmankerl“: Das Umsetzen der ausgedienten Boeing war das bisherige Highlight im Einsatz

„Schmankerl“: Das Umsetzen der ausgedienten Boeing war das bisherige Highlight im Einsatz (Quelle: Bundeswehr/Philipp Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

Die Boeing wiegt leer etwa 40 bis 45 Tonnen. „Wir entschieden uns, das Flugzeug nicht komplett anzuheben, sondern nur die vordere Hälfte“, schaut Stabsunteroffizier J. zurück. „Wir legten eine Schleife um den Bug und bewegten die Maschine durch Ziehen am vorderen Fahrwerk mit dem ‚Bison‘“. 30 Meter weit zogen sie den alten Flieger aus tiefem Morast.
Nach sechsstündiger Arbeit stand die Boeing auf einer asphaltierten Fläche und konnte dem Personal des zivilen Airports übergeben werden. Seitdem wird der ausgediente Passagierjet bei Lösch- und Brandschutzübungen der Flugplatzfeuerwehr genutzt, auch Enteisungen wurden schon daran geübt.

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Stand vom: 15.02.16 | Autor: Philipp Hoffmann


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