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Brigadegeneral Schick: „Der Teamgeist und die Motivation beeindrucken mich.“

Incirlik, 04.01.2016.

Seit dem 10. Dezember sind die Soldaten des Vorkommandos der Luftwaffe auf der Incirlik Air Base. Nach 18 Einsatzflügen zur Luftbetankung und mehreren Einweisungs- und Orientierungsflügen, erwarten sie für morgen die Ankunft der ersten vier von insgesamt sechs geplanten Tornados mit Aufklärungsfähigkeiten. Im Interview schildert der Kontingentführer, Brigadegeneral Andreas Schick, seine Eindrücke der letzten Wochen und gibt gleichzeitig einen Ausblick.

Brigadegeneral Schick ist der erste Kontingentführer in Incirlik

Brigadegeneral Schick ist der erste Kontingentführer in Incirlik (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Herr General, Sie sind nun seit gut drei Wochen mit dem Vorkommando der Luftwaffe in Incirlik in der Türkei. Welche ersten Eindrücke haben Sie gewonnen?

Zunächst einmal sind wir alle begeistert von der großen Hilfsbereitschaft und der Gastfreundfreundschaft. Das gilt sowohl für unsere türkischen Gastgeber mit ihrem Kommandeur, Brigadegeneral Bekir Van, als auch für die Angehörigen der US Luftwaffe mit Colonel John Walker an der Spitze. Wir wurden hier in vielen operativen Aspekten, bei Einsatzflugbetrieb, Unterbringung und Verpflegung ausgezeichnet unterstützt. Wir fühlen uns kameradschaftlich aufgenommen und blicken zuversichtlich auf die vor uns liegenden Wochen.

Der A310 „Hermann Köhl“ der Flugbereitschaft BMVg vor dem Start zum ersten Einsatzflug am 15. Dezember

Der A310 „Hermann Köhl“ der Flugbereitschaft BMVg vor dem Start zum ersten Einsatzflug am 15. Dezember (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Was hat Sie in den ersten Wochen besonders beeindruckt?

Beeindruckend sind der spürbare Teamgeist und die herausragende Motivation aller Kontingentangehörigen. Mit einem relativ kleinen Team haben wir zwar fast alle Arbeitsbereiche abgedeckt, aber die Soldaten haben nicht nur in ihrem eigenen Fachbereich gearbeitet, sondern überall dort angepackt, wo Unterstützung erforderlich war und das auch bis spät in die Nacht, sieben Tage die Woche. Das hat mich begeistert.

Und dann ist es die schnelle Einsatzbereitschaft, die wir haben zeigen können. Wir haben am 10. Dezember hierher verlegt und waren nach nur fünf Tagen mit unserem Tanker im Einsatzflugbetrieb. Nach einer Woche haben wir am 17. Dezember mit unseren Tornados die ersten Trainingsflüge begonnen.

Wie sind die Kontakte Ihrer kleinen Gruppe von Spezialisten zu den anderen Nationen hier auf der Air Base und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Zu unseren türkischen Gastgebern und den Amerikanern pflegen wir sehr intensive Kontakte, die auch erforderlich sind, um in so kurzer Zeit schon eine gute Einsatzbereitschaft erreichen zu können. Einweisungen in die Örtlichkeiten und den Flugbetriebsbereich, Absprachen zu Arbeitsabläufen und Überlassen von Räumlichkeiten laufen sehr professionell ab. Es befinden sich zudem noch Engländer, Spanier und Qataris hier, zu denen allerdings bisher weniger Kontakt besteht.

Der A310 MRTT wird für den nächsten Einsatzflug vorbereitet

Der A310 MRTT wird für den nächsten Einsatzflug vorbereitet (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem A310 MRTT hat der Einsatzflugbetrieb ja bereits nach wenigen Tagen begonnen. Wie oft fliegt der Tanker und in welchem Einsatzgebiet ist er unterwegs?

Der Tanker fliegt an sechs von sieben Tagen. Ein Tag Pause ist notwendig, um den Crewrest (Flugdienst- und Ruhezeiten, Anm. der Red.) Erfordernissen gerecht zu werden. Bis heute haben wir 18 Einsatzflüge mit rund 82 Flugstunden absolviert und Kampfflugzeuge der Koalition mit circa 300 Tonnen Flugbenzin versorgt. Das Einsatzgebiet erstreckt sich, ohne auf Details der vertraulichen Operationsplanung eingehen zu können, sowohl auf den irakischen und in Teilen auch auf den syrischen Luftraum.

Wie sieht der weitere Fahrplan des Kontingentes aus, wann wollen Sie die volle Einsatzbereitschaft erreichen? Wie sind die Zeitlinien im neuen Jahr?

Zunächst wurden bereits am 30. Dezember weitere Soldaten eingeflogen, die uns verstärken und die heutige Aufnahme des Hauptkontingents vorbereitet haben. Damit wachsen wir in dieser Woche auf rund 210 Soldaten auf. Morgen landen geplant vier, und am 12. Januar zwei weitere Einsatzluftfahrzeuge Tornado. Frühestens ab dem 8. Januar sind dann die ersten Einsatzflüge mit den Tornados vorgesehen, die volle Einsatzbereitschaft wollen wir Mitte Januar erreichen.

Zwei Tornados aus Kropp am Start – zunächst fanden in Incirlik Orientierungs- und mehrere Einweisungsflüge über türkischem Luftraum statt

Zwei Tornados aus Kropp am Start – zunächst fanden in Incirlik Orientierungs- und mehrere Einweisungsflüge über türkischem Luftraum statt (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Fühlen Sie sich und Ihre Truppe für die vor Ihnen liegenden Aufgaben gut vorbereitet?

Mit dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 aus Kropp haben wir einen sehr einsatzerfahrenen Verband, der bereits über Bosnien, Kosovo und Afghanistan eingesetzt war. Auch die Besatzungen des Tankflugzeugs haben Erfahrungen aus den Einsätzen in Mali. Auf diese Erfahrungen greifen wir zurück, aber auch im täglichen Ausbildungsflugbetrieb und bei Übungen haben uns wir auf ähnliche Szenarien vorbereitet. Ich bin überzeugt, dass wir für den vor uns liegenden Auftrag bestens gerüstet sind.

Wie schätzen Sie die Gefährdungslage auf der Base und im Einsatzgebiet ein?

Die Base ist gut geschützt und gesichert. Ein Einsatz über einer Krisenregion birgt immer ein gewisses Gefahrenpotenzial. Durch Einhalten taktischer Verfahren und entsprechender Flughöhen sowie durch die technische Ausrüstung unserer Maschinen und die Ausbildung unserer Crews, versuchen wir diese Risiken jedoch weitestgehend zu minimieren.

Alle packen mit an – der Aufbau ging auch über die Feiertage weiter

Alle packen mit an – der Aufbau ging auch über die Feiertage weiter (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Wie ist die Stimmungslage bei Ihren Soldaten? Wie haben Sie denn Weihnachten und Silvester verbracht?

Die Stimmung ist nach wie vor gut, alle gehen hoch motiviert und tatkräftig an ihre Aufgaben. Ich glaube, es ist auch ein besonderes Kennzeichen von ersten Kontingenten – jeder zieht mit und sieht, wie sein Beitrag zum Gelingen des Ganzen beiträgt.

Natürlich gab es emotionale Momente an Weihnachten und Silvester, das ist auch völlig normal. Wir vermissen – wie alle Soldaten im Einsatz – unsere Familien und Freunde. Jeder kommuniziert mit Zuhause, aufgrund der guten Möglichkeiten mit WLAN und Internet erleichtert das hier etwas die Trennung. Für uns waren das aber zunächst einmal normale Arbeitstage, sowohl an Weihnachten und über den Jahreswechsel hatten wir Einsatzflugbetrieb und auch der Aufbau ging weiter. Natürlich haben wir versucht, die täglichen Belastungen über die Feiertage ein wenig runterzufahren. Mit gemeinsamen Events und Feiern, wie wir das beispielsweise an Heiligabend gemacht haben, gelingt es dann doch ein bisschen Atmosphäre und Stimmung zu erzeugen.

Brigadegeneral Schick: „Die volle Einsatzbereitschaft wollen wir Mitte Januar erreichen.“

Brigadegeneral Schick: „Die volle Einsatzbereitschaft wollen wir Mitte Januar erreichen.“ (Quelle: Bundeswehr/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Wenn Sie zurückblicken, was war für Sie die größte Herausforderung im zurückliegenden Jahr? Und was ist Ihr persönlicher Wunsch für das Jahr 2016?

Für mich persönlich – und wahrscheinlich gilt das für alle im Kontingent – war die größte Herausforderung, so kurzfristig in den Einsatz zu gehen. Es galt einerseits sowohl berufliche als auch private Dinge noch so gut es ging zu erledigen, andererseits sich parallel auf die Einsatzsituation vorzubereiten. Koffer und Kisten galt es zu packen, hat man alles dabei? Das denke ich, war die größte Herausforderung, die Kurzfristigkeit hat uns doch alle etwas überrascht.

Was wünsche ich mir für 2016? Natürlich dass wir, nicht nur hier in Incirlik, sondern aus allen Einsatzgebieten der Bundeswehr, unsere Soldaten heil nach Hause bringen. Ich wünsche mir, dass der Beitrag den wir hier leisten, politische Prozesse unterstützt, die vielleicht die Chancen auf Frieden in der Region erhöhen. Und für mich persönlich, ja natürlich neben Gesundheit, dass ich – wenn der mehrmonatige Einsatz für mich hier zu Ende sein wird – einen schönen, langen Urlaub mit meiner Partnerin genießen kann.

Herr General, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen.

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Stand vom: 04.01.16 | Autor: Das Interview führte Andreas Berg.


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