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Einsatztagebuch EUTM Mali Teil 8: Mein Einsatzende naht

Bamako, 03.02.2016.

Der Einsatz von Hauptfeldwebel Kraft neigt sich dem Ende zu. Doch auch in den letzten Tagen steht noch viel auf dem Programm. Es bleibt kaum Zeit, die Sachen für den Rückflug zu packen. Weitere Besuche, der Tag der malischen Armee und Eselkarren auf den Straßen sorgen für Bewegung. Und schließlich trifft der Nachfolger ein.

Generalleutnant Warnecke im Gespräch mit den Soldaten in Mali

Generalleutnant Warnecke im Gespräch mit den Soldaten in Mali (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Meine letzten Tage in Mali sind angebrochen. Zwischen all den Terminen der vergangenen Woche packe ich langsam aber sicher meine Koffer und Kisten. Irgendwie ist das alles ein wenig verwirrend. Fast drei Monate war ich hier und ich frage mich wirklich, wo die Zeit geblieben ist. Aber es wird hier auch ganz gut ohne mich weitergehen, da bin ich mir sicher.

Nach vielen hohen Besuchern aus Deutschland besuchte uns kürzlich Generalleutnant Dieter Warnecke, Abteilungsleiter Strategie und Einsatz im Bundesministerium der Verteidigung. Er nimmt sich viel Zeit, um mit den deutschen Soldaten zu sprechen. Er hebt beim zwanglosen „Meet&Greet“ hervor, wie wichtig die Mission ist.

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Frei am Tag der malischen Armee

Anstatt des Fotokurses gab es Smalltalk oder eine Tasse Kaffee – „Das muss man afrikanisch handhaben.“

Anstatt des Fotokurses gab es Smalltalk oder eine Tasse Kaffee – „Das muss man afrikanisch handhaben.“ (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Wie Afrika funktioniert, sehen wir als „Public Affairs Office”, ein paar Tage später. Eigentlich wollen wir ein weiteres Mal die Ausbildung unserer malischen Kollegen fortsetzen. Es bleibt aber bei eigentlich. Denn tatsächlich gibt es an diesem Tag und auch zwei Tage später keine Ausbildung. Der Grund: „Der Tag der malischen Armee”, der genau dazwischen liegt. Alle Teilnehmer sind zwar da, und zum Teil von sehr weit gekommen. Alle haben ihre Kameras dabei und offenbar auch ihre Hausaufgaben gemacht. Doch mein Übersetzer erklärt zunächst nur dem Presseoffizier, dass sein Kurs nicht gegeben wird. Grund sind die Vorbereitungen auf den Feiertag.

Ich ahne, was das für meinen Fotografenkurs bedeutet und ich werde Recht behalten. Auch „meine” Schüler können am heutigen Unterricht nicht teilnehmen. Und daran sieht man, wie es in Afrika oft funktioniert. Den Maliern war das unangenehm und es hätte ihnen auch nicht ausgereicht, uns lediglich per Telefon abzusagen. Sie überbringen solche Nachrichten lieber persönlich. Auf der einen Seite ist das natürlich sehr höflich, aber auch ärgerlich. Man muss das einfach afrikanisch handhaben: Lächeln, kurzer Smalltalk, sich eventuell auf eine Tasse Kaffee einladen lassen und dann mit jeder Menge Höflichkeitsfloskeln wieder verabschieden und – natürlich – einen schönen Feiertag wünschen. So machen wir das dann auch.

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General Albl ganz nah dran

Brigadegeneral Albl überzeugt sich von den Fähigkeiten der malischen Soldaten beim Infanterietraining

Brigadegeneral Albl überzeugt sich von den Fähigkeiten der malischen Soldaten beim Infanterietraining (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Brigadegeneral Werner Albl, der deutsche Mission Commander, ist zur Dienstaufsicht beim Infanterietraining in Kati, ein paar Kilometer entfernt außerhalb Bamakos, angekündigt. Drei Stationen wurden aufgebaut. Außer dem Ausweichen bei Feindfeuer, und dem Angriff auf eine Patrouille wird auch Aufklärung und das Verhalten bei Verdacht auf improvisierte Sprengvorrichtungen geübt. Brigadegeneral Albl nimmt sich an den Stationen viel Zeit und spricht mit den malischen Soldaten. Die sind zunächst ein wenig irritiert, dass sich ein General bei ihnen in der Gruppe abhockt. Das kennen sie von ihren Generälen nicht. In Mali ist die Hierarchie deutlich straffer und auch autoritärer. Auch die Ausbildungsmethoden in der malischen Armee entsprechen oft noch nicht der modernen Menschenführung. Da hat Mali noch einen Weg vor sich.

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Selfie aus Tradition

Fast schon Tradition: Das obligatorische Kontingent-Selfie.

Fast schon Tradition: Das obligatorische Kontingent-Selfie. (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

Kurz vor Ende meines Einsatzes nehme ich noch ein Kontingentfoto auf. Alle, die meine Einsatztagebücher im letzten Jahr aus Liberia gelesen haben, warten wahrscheinlich schon sehnsüchtig darauf. Selbstverständlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch dieses Mal ein Selfie zu machen. Ich habe zwar in diesem Einsatz deutlich mehr Fotos von mir gefunden oder mir geben lassen – aber das ist ja fast schon eine kleine Tradition.

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"Suicide Donkey"

Fortbewegungsmittel Nummer eins in Mali ist das „Jakarta” (Moped). Auf Platz zwei liegt wahrscheinlich der Eselskarren, der gern auf dem Land benutzt wird. Dabei ist die Anzahl der vorgespannten Vierbeiner eine Art Statussymbol. Bis zu drei Grautiere werden vor die meist selbst zusammengeschweißte Transportkutsche gespannt.

Eines der häufigsten Transportmittel in Mali, der Eselskarren. Manchmal auch mit einem „Suicide Donkey“

Eines der häufigsten Transportmittel in Mali, der Eselskarren. Manchmal auch mit einem „Suicide Donkey“ (Quelle: Bundeswehr/Dennis Kraft)Größere Abbildung anzeigen

So ein Esel hat es in Mali nicht leicht. Sobald er ausgewachsen ist, muss er arbeiten. Hart arbeiten. Die meisten Besitzer gehen dabei nicht zimperlich mit ihm um. Da wird schon mal die Holzlatte ausgepackt und auf ihn eingedroschen, wenn er nicht schnell genug ist oder die Richtung ändern soll. Wenn er es irgendwann nicht mehr schafft, wird er gegessen. Aber muss so ein Esel samt Karre ausgerechnet mir vor das Auto laufen und mich zu einer Vollbremsung zwingen, die so knapp verläuft, dass ich das Weiße in den Augen seines Besitzers sehe? Man muss sich das vorstellen: Der Esel sieht meinen blauen Bus auf sich zukommen und erst kurz vorher schlägt er einen sauberen 90-Grad-Haken. Er ignoriert die Stockschläge, ignoriert auch noch den sich um seinen Hals klammernden Besitzer und schleift alles auf meine Fahrbahnseite. Ohren nach hinten, Augen geschlossen. Am Ende geht alles gut, aber ein neuer Begriff ist geboren: Selbstmörderische Esel, sogenannte “Suicide Donkeys”, können einem echt den Tag vermiesen!

Danach ist der Außentermin mit Brigadegeneral Albl in den Weiten des riesigen Trainingsgeländes außerhalb von Koulikoro schon fast eine Wohltat. Er schaut sich heute das “Train the Trainers”, also die Weiterbildung des Trainingspersonals, an. Heutiges Szenario ist das Ansprengen eines Fahrzeugkonvois mit anschließendem Feuerkampf. Nach ausführlicher Einweisung am Sandkasten geht es direkt los. Nach der simulierten Explosion wird umgehend der Feuerkampf aufgenommen und der imaginäre Feind vernichtend geschlagen. Ziel dieses Tages soll sein, dass die Trainer alle auf gleichem Stand sind, um die malischen Soldaten auf einheitlichem Niveau ausbilden zu können.

Ja und dann habe ich noch meinen Nachfolger abgeholt. Alles irgendwie ein bisschen surreal: Da steh ich am Flughafen und es kommt mir vor, als wäre ich selbst erst ein paar Tage hier. Tatsächlich sind es schon fast drei Monate. Der „Neue” ist ein alter Hase, war schon einmal in Mali. Damals allerdings in Koulikoro. Jetzt lernt er die Mission von der anderen Seite kennen. Seine Erfahrungen machen die Übergabe leichter – Wegstrecken brauchen wir schon mal nicht mehr abfahren.

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Stand vom: 03.02.16 | Autor: Dennis Kraft


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