Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Nordirak: Vorbereitungen für neuen Ausbildungsdurchgang

Nordirak: Vorbereitungen für neuen Ausbildungsdurchgang

Erbil, 22.02.2016.

Die Mobile Training Teams (MTT) des 4. Deutschen Einsatzkontingents zur Ausbildungsunterstützung im Nordirak haben ihren ersten Ausbildungsdurchgang abgeschlossen. Insgesamt hat die Bundeswehr in Erbil und Umgebung in den letzten Monaten rund 1600 Peschmerga ausgebildet. Bevor Anfang März der nächste Trainingsdurchgang beginnt, nutzen die deutschen Soldaten die Zeit, um die Ausbildungsmittel „auf Vordermann“ zu bringen.

Notwendige Arbeiten für kommende Schießübungen

Notwendige Arbeiten für kommende Schießübungen (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

Im gleichmäßigen Rhythmus frisst sich die Bügelsäge durch das Rundholz. Handwerkliches Geschick ist zwar in vielen Fällen keine zwingende Einstellungsvoraussetzung für den Dienst bei der Bundeswehr – im Nordirak kann es jedoch durchaus nützlich sein. Die beiden Soldaten eines Mobile Training Teams (MTT) bessern die Schützenscheiben auf einer Schießbahn auf dem Ausbildungsplatz Bnaslawa aus.

nach oben

Klappfallscheibenanlage? Geht auch so

Die Scheiben der selbstgebauten Schießanlage

Die Scheiben der selbstgebauten Schießanlage (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

„Die Scheiben aus Deutschland haben wir an Besenstielen und Hölzern festgemacht. Noch ein bisschen Zugschnur – und schon haben wir eine funktionierende Klappfallscheibenanlage“, erklärt der MTT-Führer und zieht eine der Scheiben nach oben.

Die Zugschnur macht die Konstruktion zu einer funktionierenden Klappfallscheibenanlage

Die Zugschnur macht die Konstruktion zu einer funktionierenden Klappfallscheibenanlage (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

Mit Hilfe der selbstgebauten Anlage können die Bundeswehrsoldaten den kurdischen Kämpfern zeigen, wie wichtig der sogenannte geleitete Feuerkampf ist: „Wenn die Peschmerga in den Stellungen den Feind sehen, muss ihr Gruppenführer dafür sorgen, dass sie mit ihren ersten Schüssen so viele Feinde wie möglich bekämpfen. Das Überraschungsmoment ist hier entscheidend.“

Die Scheibe wird im Zielgebiet verkeilt

Die Scheibe wird im Zielgebiet verkeilt (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

Die Feinddarstellung mit den Klappfallscheiben erfüllt ihren Zweck. „Da aber alles sehr improvisiert ist, geht in den fünf Wochen Ausbildung natürlich auch viel kaputt. Eine ferngesteuerte Klappfallscheibenanlage – wie wir sie in Deutschland haben – wäre natürlich besser“, sagt der deutsche Hauptmann, während er einen der Stiele im Holzgestell auf der Schießbahn verkeilt.
Die anderen Mitglieder des MTT erzählen, dass sie versuchen, beim „örtlichen Schweißer“ eine stabilere Konstruktion zu bekommen. „Dann zerrupft es die Konstruktion auch nicht so schnell“, lächelt einer der Ausbilder.

nach oben

Auslösearten gibt es viele

Ein Kampfmittelexperte präpariert einen Lichtschalter

Ein Kampfmittelexperte präpariert einen Lichtschalter (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

An anderer Stelle, im sogenannten Magazin (zwei Räume, die als Werkstatt, Materiallager und Pausenraum dienen) löten und schrauben zwei Hauptfeldwebel fleißig an allerlei Geräten herum. Mit Klebeband, Elektrokabeln und alten Handys bauen sie improvisierte Sprengfallen (IED) nach –Attrappen für die Ausbildung. „Wir zeigen den Kurden alle möglichen Auslösearten. Alles, womit sie in ihrem Kampf rechnen müssen. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, erklärt einer der deutsche Kampfmittelabwehrspezialisten, während er einen Lichtschalter mit einer Sprengkapsel verbindet.

Die „IED-Musterkiste“ soll die Ausbildung noch weiter verbessern

Die „IED-Musterkiste“ soll die Ausbildung noch weiter verbessern (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

Bis zum Beginn des nächsten Ausbildungsdurchgangs wollen die beiden deutschen Ausbilder eine „IED-Musterkiste“ vorbereitet haben, mit der sie den Peschmerga ihr Wissen so bildlich wie möglich näher bringen können. „Zu wissen, wie sie sich gegen improvisierte Sprengfallen schützen können, wird den Peschmerga an der Front hoffentlich sehr oft das Leben retten“, erzählt einer der beiden Soldaten.

nach oben

Auch am Ausbildungszelt muss mit angepackt werden

Der Zeltboden wird angehoben um die Bodenplatten neu auszurichten

Der Zeltboden wird angehoben um die Bodenplatten neu auszurichten (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

„Und jetzt hier vorhauen!“ Die Soldaten eines anderen Teams heben mit Brechstangen den Metallboden eines großen Zeltes an. Starker Regen hat den Untergrund stellenweise weggespült. Die Metallböden haben keinen gleichmäßigen Bodenkontakt mehr und müssen neu ausgerichtet werden. Nur eine der Arbeiten, die die Soldaten am Zelt abschließen müssen, bevor sie drinnen wieder die Peschmerga unterrichten können.

Die Miniaturstraße für die taktische Ausbildung - momentan draußen, sonst im Zelt

Die Miniaturstraße für die taktische Ausbildung - momentan draußen, sonst im Zelt (Quelle: Bundeswehr/PAO Erbil)Größere Abbildung anzeigen

Das sogenannte Taktikzelt dient den Ausbildern auch als Unterrichtsraum, in dem sie den kurdischen Kämpfern die theoretischen Grundlagen der Gefechtsausbildung vermitteln. Erst danach geht es in die praktische Ausbildung.
Neben Unterrichten finden im Zelt aber auch andere Ausbildungen statt: So können die Ausbilder durch hergestellte Miniaturstraßen kleine Modellpanzer ziehen, die den Peschmerga als Ziele dienen. So lernen sie zum Beispiel, wie sie mit der Panzerfaust 3 auf einen Panzer zielen oder wie sie Feinde in Häusern so ansprechen, dass auch ihre Kameraden diese schnell erkennen können.

nach oben

Neuland - neue Waffen und neues Material

Im kommenden Durchgang werden die deutschen Ausbilder Neuland betreten. Erstmals sollen sie die Peschmerga an amerikanischen Waffen und Material ausbilden. Damit das klappt, müssen sie in den nächsten Tagen selbst noch einiges vorbereiten und natürlich selbst „Hand anlegen“.

Die Soldaten des Kurdistan Training Coordination Center (KTCC) haben aktuell rund 7.500 Peschmerga im Nordirak ausgebildet. Ungefähr 1.600 davon haben das Training der Bundeswehrsoldaten absolviert. Alleine im letzten Durchgang, der vor wenigen Tagen endete, haben rund 120 Peschmerga die deutsche Ausbildung durchlaufen.
Während einer Abschlusszeremonie erhielten mehr als 800 kurdische Kämpfer ihre Abschlusszertifikate. Die Verantwortung für die Ausbildung liegt weiterhin beim KTCC und damit beim deutschen Oberst Bernd Prill. Im nachfolgenden Video des Combat Camera Teams der US-Streitkräfte fasst er die Aufgaben bei der Ausbildung noch einmal kurz zusammen.

Flash Player nicht vorhanden oder veraltet!

Um diesen Inhalt zu sehen, wird die aktuelle Version benötigt

Link zum Flash Player


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 22.02.16 | Autor: Markus Herholt


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CA7DB9L962DIBR