Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > 22 Tonnen im Minenfeld

22 Tonnen im Minenfeld

Kosovo, 07.01.2016.

Der Jahreswechsel steht vor der Tür. Auch im Einsatz soll das neue Jahr begrüßt werden. Das Camp auf dem Mount Cviljen braucht noch etwas Trinkwasser. Ein LKW vom Typ MAN MULTI ist beladen, und die Fahrt geht los. Der Rückweg ist dann aber doch anders als erwartet.

Glück im Unglück hatten am 27. Dezember 2015 zwei Kameraden der Stabs-/Versorgungskompanie des 42. Deutschen Einsatzkontingentes KFOR. Eigentlich lief an diesem Tag alles wie immer - aber halt: nur „eigentlich“. Im Feldlager Prizren wurde das Trinkwasser für das Feldlager Cviljen auf den Lkw MAN, MULTI geladen. Wenig später schob sich der Lkw ohne Probleme den Berg hinauf zur Station. Den Auftrag abgeschlossen, ging es wieder Richtung Prizren.

nach oben

22 Tonnen rutschen bergab

Die verhängnisvolle Kurve

Die verhängnisvolle Kurve (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Am steilsten Stück der geschotterten Abfahrt geschah es dann: In einer schattigen Kurve blockierten die Räder auf dem teils aufgetauten, teils noch gefrorenen Schotter und das Fahrzeug verselbständigte sich. Trotz vorausschauender Fahrweise und Nutzung aller technischen Sperren des Lastkraftwagens degradierten die Gewalten den Fahrer zum Statisten. Das Eigengewicht ließ den MAN immer schneller werden, und schließlich rutschte er über die Böschung den Abhang hinunter. Junge Bäume brachten das Fahrzeug erst nach ca. 80 Metern im Dickicht zum Stillstand.

Blick in die Minentrittspur

Blick in die Minentrittspur (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Die beiden Soldaten hatten an diesem Sonntagnachmittag mehr als nur einmal Glück gehabt. Erstens: Die Unfallstelle liegt in einem Gebiet mit unklarer Minenlage, und es ist nichts passiert. Zweitens: Der ungewollte Abstecher endete direkt an einer Minentrittspur, auf der beide wieder sicher zur Straße gelangen konnten. Und drittens: Aus einem folgenden Bundeswehrfahrzeug konnte der Unfall beobachtet werden und somit die Rettungskette schnell anlaufen.

nach oben

Ein Plan muss her

Der MAN steckt im Dickicht und wartet auf seine Bergung

Der MAN steckt im Dickicht und wartet auf seine Bergung (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Während die Fahrzeugbesatzung kurz vor dem Jahreswechsel noch einmal mit dem Schrecken davon kam, hieß es für einige Teile des 42. Deutschen Einsatzkontingentes KFOR nun nochmal richtig ranklotzen. Die Feldjäger und Sicherungskräfte hatten mit der Unfallstelle bzw. dem Lkw einen zusätzlichen Sicherungsbereich abzudecken. Ebenfalls umgehend gefordert war der Bergetrupp, der den Plan für die Bergung des 22 Tonnen schweren Vierachsers erarbeitete und mit der Koordinierung begann. In der Operationszentrale liefen schließlich alle Fäden zusammen, und von hier wurden die einzelnen Elemente dirigiert. Am Ort des Geschehens selbst war es der Heeresbergführer, dem die Koordination oblag und der die einzelnen Maßnahmen mit den handelnden Akteuren abstimmte. Ebenfalls immer für den Fall der Fälle vor Ort dabei waren der Bergrettungstrupp und der bewegliche Arztrupp (BAT).

nach oben

Die Vorbereitungen beginnen

Die Verpflegung der Truppe übernahm der „Berggasthof“, die Küche des kleinen Feldlagers auf dem Gipfel des Mount Cviljen. Durch diese Küche wurden auch die US-Kampfmittelspezialisten aus Camp Bondsteel verpflegt, die aufgrund der unklaren Minenlage am Unfallort unterstützten. Sie hatten den Auftrag, das Gelände zu „clearen“, sprich nach Minen und Munitionsrückständen zu suchen und diese zu räumen. Dann erst kann schwere Technik an den deutschen Lkw. Stück für Stück arbeiteten sich die Männer und Frauen mit ihren Detektoren durch das Gehölz.

Eine 10 Meter breite Schneise ist für die Bergung vorbereitet

Eine 10 Meter breite Schneise ist für die Bergung vorbereitet (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Am Ende dieses dreitägigen Einsatzes stand für den weiteren Prozess eine zehn Meter breite, „geclearte“ Schneise zur Verfügung. Der Fund von Resten von Streumunition zeigte zudem, dass der Einsatz der Kampfmittelräumer mehr als berechtigt war.

nach oben

Die Schweizer waren es

Die Rampe für die Bergung ist fertig

Die Rampe für die Bergung ist fertig (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

In einem nächsten Schritt unterstützte die Joint Logistics Support Group KFOR (JLSG KFOR) mit schweizerischen Transport- und Pionierkräften. Diese bauten eine circa sieben Meter lange Rampe aus Holzstämmen und Schotter, um den späteren Schleppweg zu ebnen. An Neujahr meldeten die Schweizer den Abschluss der Arbeiten. Bereits an Silvester hatte die ABC-Abwehrgruppe den MULTI um den restlichen Inhalt aus dem Wassertank erleichtert, immerhin 2000 Liter. Damit waren alle Vorrausetzungen geschaffen, den Lkw aus seiner misslichen Lage zu befreien. Am 2. Januar leitete dann schließlich der Bergetrupp mithilfe der luxemburgischen Bergebereitschaft von der JLSG KFOR das Finale dieser multinationalen Operation ein.

nach oben

Zurück auf der Straße

Ein glückliches Ende: Der MAN ist zurück auf der Straße

Ein glückliches Ende: Der MAN ist zurück auf der Straße (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Noch am Vormittag stand der Lkw wieder auf der Straße, die letzten Meter dahin sogar aus eigener Kraft. Anschließend setzte er langsam seine Fahrt wieder hinauf ins Feldlager Cviljen fort. Hier wird das Fahrzeug nun genau inspiziert und auf Betriebs- und Verkehrssicherheit geprüft. Knapp sechs Tage waren seit dem Unfall vergangen. Die Vorbereitung und die Bergung selbst wurden mit Bravour gemeistert. Wie in einem Uhrwerk griffen die Räder ineinander. Gut zu wissen, dass man sich bei KFOR aufeinander verlassen kann.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 08.01.16 | Autor: Carsten Lippisch


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CA5XAJ7392DIBR