Was fliegt entscheiden sie
Djibouti/ Potsdam, 28.07.2008.
40 Grad Celsius auf dem Thermometer vor den Hangartoren der Flugzeughallen und das bereits in den frühen Morgenstunden. Der Geruch von Kerosin liegt in der Luft. Für Kapitänleutnant S. und seine Männer ein normaler Arbeitsgeruch. Seit Anfang Juli gehören erstmals zwei Seefernaufklärer vom Typ P-3C ORION zum 17. Deutschen Einsatzkontingent am Horn von Afrika. 15 Techniker des Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ aus dem niedersächsischen Nordholz warten die Propellermaschinen.

„Wir müssen das Flugzeug vor jedem Aufklärungsflug technisch überprüfen“, erklärt der 46-jährige technische Offizier und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Unser Vogel erhält so etwas wie eine komplette medizinische Vorsorgeuntersuchung.“
Bereits um 7.00 Uhr will die Crew eines der beiden Seefernaufklärer zum Einsatz über den Golf von Aden aufbrechen. Sie sind das fliegende Auge der „Combined Task Force (CTF) 150“. Das zu überwachende Gebiet ist etwa achtmal so groß wie Deutschland. Zum Aufgabengebiet der ORION, mit ihren Fähigkeiten zur vernetzten Operationsführung, gehören auch Such- und Rettungsaktionen.

Genauigkeit vor Schnelligkeit
Die Einweisung des Teams bedarf keiner großen Worte. Jeder weiß, was er zu tun hat. In und um die Maschine herrscht emsiges Treiben. Obermaat Raik D. begibt sich in den Innenraum der Maschine. Dort überprüft der 24-jährige Elektriker die Beleuchtung, checkt die Tankanzeige und startet die Navigationsanlage. Währendessen sind andere Mechaniker mit kleineren Wartungsarbeiten beschäftigt: Triebwerköl und Hydraulikflüssigkeit auffüllen, Reifendruck und Sicherungen überprüfen. Obermaat Felix G. unterzieht die Maschine einer letzten Sichtkontrolle. Dann betankt der 25-jährige das Flugzeug mit mehr als 25.000 Litern Treibstoff.
„Wer auf Nummer sicher fliegen will, muss auf Nummer sicher schrauben“, so die Arbeitsdevise von Kapitänleutnant S. Dabei kommt es nicht nur auf Muskelkraft an, obwohl Hebewerkzeuge beispielsweise die Demontage der Triebwerke erleichtern. Auch das notwendige Feingefühl darf nicht fehlen, wenn zum Beispiel Ventile eingestellt werden müssen.

Daumen hoch - alles klar!
Kurz vor 7.00 Uhr wird die mehrere hundert Millionen Euro teure Lockheed P-3C ORION behutsam auf die Rollbahn geschleppt. Die Piloten übernehmen die Maschine und lassen die Triebwerke warmlaufen. Kurze Zeit später erhebt sich der graulackierte „Vogel“ in den Himmel über Djibouti.
Nach acht Stunden Überwachungsflug – auf der Suche nach Waffen- und Munitionsschmugglern auf See – kehrt die Besatzung am frühen Abend sicher zurück. Zugleich übernimmt die Technikcrew den Flieger und befreit ihn mit Frischwasser von Salz und Staub. Gnadenlos und mit ungebrochener Intensität brennt derweil die Sonne auf das Flugfeld herab und treibt das Quecksilber auf nunmehr 43 Grad Celsius. Abkühlung verspricht erst der Abend und als gegen 21.00 Uhr die Arbeit erledigt ist, sind die Techniker seit mehr als 15 Stunden auf den Beinen. Der einzige Wunsch jetzt: raus aus den Uniformen, eine erfrischende Dusche und nach dem Abendessen zeitig ins Bett.

Mit Vertrauen an die Arbeit
Große Verantwortung lastet auf den Schultern der Mechaniker. „Ohne meine Techniker fliegt nichts. Die Operation fände nicht statt“, macht Fregattenkapitän Dirk Groß, der deutsche Kontingentführer deutlich. „Denn umso einwandfreier ein Flugzeug funktioniert, desto größer ist auch die Sicherheit für die Kameraden in der Luft“, erklärt er. Und deshalb ist das Team um Kapitänleutnant S. für den 43-jährigen auch das Fundament, auf dem Stein für Stein durch alle Beteiligten der Erfolg der Operation „Enduring Freedom“ entsteht.

