OCC-P: One Team - One Mission
Faizabad, 30.04.2012.
Es ist ein einfaches zweigeschossiges Flachdachgebäude, weiß getüncht. Untergebracht ist dort das Operations Coordination Center Provincial (OCC-P). Abgesichert mit einer etwa 3-4 Meter hohen Mauer und schweren eisernen Eingangstoren liegt es mitten in Faizabad. Rundherum herrscht geschäftiges Treiben. Ein riesiger Markt erstreckt sich über mehrere Straßen und Plätze. Früchte, Gemüse und Fleisch, Stoffe und Tücher findet man hier genauso wie Lapislazuli-Steine, Schmuck, fertiges Essen, Eisen- und Holzwaren oder Autozubehör.

Nach dem Passieren der Einganstore fällt das OCC-P zunächst einmal durch ein buntes Durcheinander von Uniformen auf. Der Leiter, Armee-General Ishaq Tamkin, koordiniert die verschiedenen Sicherheitskräfte der Region Badakhshan. Also sind hier Vertreter der afghanischen Armee, der Polizei und der Border Police, die gemeinsam für die Sicherheit in der nordöstlichsten Provinz Afghanistans sorgen. Das bedeutet vor allem gegenseitige Information, Abstimmung von Projekten sowie Planung und Durchführung gemeinsamer Operationen. Ein gutes und erfolgreiches Beispiel ist die gemeinsame Operation zahlreicher Kräfte der Afghan National Security Forces (ANSF) in Warduj. Die grundlegenden Ideen für die Operationsführung sind im OCC-P von General Tamkin entwickelt und unter seiner Führung auch abgeschlossen worden. Den Abschluss dieser Operation bildeten Friedensverhandlungen, die sogenannte Friedens-Shura, welche für Badakhshan langfristig sichere Verhältnisse bringen soll – über die ohnehin bestehenden guten Bedingungen hinaus.

Mehrmals in der Woche fährt Major Oliver G., der deutsche OCC-P Senior Mentor, mit seiner Truppe in die Stadt. Eines der Fahrzeuge, einen Enok, ein geschütztes Patrouillenfahrzeug der Bundeswehr, lenkt Hauptfeldwebel Andreas B.. Er ist nicht nur Fahrer, sondern auch Ausbildungsfeldwebel. Ebenso wie der Fahrer eines weiteren Fahrzeugs, Hauptfeldwebel Frank H., der zusammen mit Oberleutnant Fabian J. ebenfalls ein Team bildet. Mentoring ist der Auftrag dieser Männer. Hier geht es nicht, wie in den Kandaks, den Bataillonen der Afghanischen Armee, um Ausbildung an der Waffe und die Vermittlung einfacher militärischer Fertigkeiten. Hier geht es um mehr. „Materialanforderungen und die Ausbildung von Soldaten am Computer sind dabei nur der Anfang“, erläutert Major G.. Komplexere Herausforderungen sind z.B. der professionelle Umgang mit GPS und Karten und das Identifizieren, Einleiten und Begleiten von Projekten. Darüber hinaus geht es aber auch um Teambuilding. Denn nur so können die afghanischen Sicherheitskräfte abgestimmt aufeinander ihren gemeinsamen Auftrag wahrnehmen: Sicherheit in Badakhshan.

Für ihre Aufgabe müssen alle Mentoren nicht nur über gute Englischkenntnisse verfügen. Sie brauchen auch großes Fingerspitzengefühl im Umgang mit ihren Mentees, ihren Schülern. Sie sind Ansprechpartner in allen Fragen und damit auch eine Art Kummerkasten. Eine schwierige Aufgabe, weil sie nicht für alle Wünsche eine Lösung anbieten können. Aber sie sind anerkannte Gesprächspartner, Vertrauenspersonen für die afghanischen Partner. „Wir haben unsere Sprachmittler natürlich immer dabei. Aber wir versuchen auch, einfache Sätze in Fasi zu sprechen. Das ist für uns eine Frage des Respekts“, erklärt Major G.. Diesmal gab es mit General Tamkin nur zwei Themen: Verbesserungen am Gebäude des OCC-P und die Einrichtung eines neuen Checkpoints, bei dem die Mentoren Unterstützung vermitteln.
Es ist kein Dissens spürbar in dieser Runde, auch nicht in Faizabad, erst recht keine Feindseligkeit oder Aggressivität. Die vier Männer haben Spass an ihrer Arbeit. Die Stimmung ist gut. Sie haben das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und dabei Erfolg zu haben. Das passt zu dem friedlichen, fröhlichen Treiben in der Markt-Stadt Faizabad.


