Vier Exoten am Hindukusch
Faizabad, 15.05.2012.
Bei der Bundeswehr ist es auf den ersten Blick ziemlich klar, wo welcher Soldat eingesetzt wird. Der Heeressoldat bewegt sich auf dem Land, manchmal überquert er vielleicht noch einen Fluss, oder fliegt mit einem Hubschrauber oder Flugzeug zu seinem Einsatzort. Die Kameraden der Luftwaffe kümmern sich hingegen um alle Belange der fliegerischen Aufträge, auch wenn das zum Beispiel die Absicherung ihrer fliegenden Fahrzeuge vom Boden aus bedeutet. Und die Soldatinnen und Soldaten der Marine gehören auf die Weltmeere, oder aber zumindest an die Küsten Deutschlands. Doch so einfach ist es mittlerweile nicht mehr. Besonders in den weltweiten Einsätzen der Bundeswehr sind Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis sowie der zentrale Sanitätsdienst zusammen eingesetzt, ganz gleich ob an Land oder auf dem Wasser.

So arbeitet zurzeit im ISAF-Einsatz in Faizabad ein Team von Minentauchern.
Ende Februar 2012 starteten wir in Richtung Afghanistan in den ISAF Einsatz. Seitdem gehören wir zum 28. Einsatzkontingent im PRT (Provincal Reconstruction Team) in Faizabad. Ganz klassisch flogen wir von Köln nach Termes in Usbekistan, einen Tag später weiter nach Mazar-e Sharif in Afghanistan. Allerdings mussten wir auf Grund von schlechtem Wetter vier Tage lang hier bleiben und konnten nicht weiter nach Faizabad fliegen.
Unser Team besteht aus drei Minentaucher für Sprengmittel jeglicher Art, sowie einem Kraftfahrer der Marineschutzkräfte. Die ersten Tage verbrachten wir zum großen Teil damit, unseren Abschnitt sowie das Material zu übernehmen. Dazu gehört es auch unser Fahrzeug nach unseren Ansprüchen herzurichten. Das bedeutet, so wenig wie möglich Ausstattung, aber soviel wie nötig im Fahrzeug mitzunehmen - getreu dem Motto: „Arbeiten aus dem Rucksack“, als Vorraussetzung für eine hohe Mobilität. Zu unserem Fuhrpark gehört unser „Hauptfahrzeug“ ein Eagle IV. Zudem haben wir einen Duro, einen Lkw vom Typ Unimog mit modularer Schutz Ausstattung (MSA) und einen leicht gepanzerten Enok.
Seit dem wir im Einsatzland angekommen waren, herrschte ein reges Interesse der Heeres- und Luftwaffenkameraden an uns, weil sie uns immer wieder fragten: „Was will die Marine hier?“ Unsere Antwort darauf war ganz einfach immer: „Wir sind Minentaucher und sind an Land sowie im Wasser bestens aufgehoben.“ Unser Einsatz hier in Afghanistan bietet uns die Möglichkeit, unser Können und Wissen einzusetzen. Diese Erfahrung ist ein unverzichtbarer Baustein, sowohl auf nationaler aber auch auf internationaler Ebene. Zudem lernt man in Einsätzen immer wieder verschiedenen Dinge und diese Erfahrungen fließen in die Ausbildung zu Hause mit ein.

Der Alltag während unserer Zeit in Afghanistan ist vor allem durch zwei Bereitschaftssysteme im Bereich der Kampfmittelbeseitigung geprägt. Das bedeutet, eine Woche haben wir Bereitschaft als schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force - QRF) und eine Woche sind wir in der Stand By Phase. Die Phase QRF bedeutet, bei Gefahr für unseren Standort müssen wir innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit sein und in Begleitung der mongolischen Soldaten mögliche Gefahren abwehren. Die Mongolen übernehmen dabei die Aufgabe der „Force Protection“. Sie schützen uns während unserer Arbeit vor potentiellen Angreifern. Unsere Erfahrungen aus vielen internationalen Einsätzen helfen uns bei der Verständigung, so dass wir auch mit den Kameraden anderer Nationen gut zusammenarbeiten können. Der, erstmal banal klingende, Auftrag „Gefahrenabwehr“ bedeutet für uns, arbeiten an verschiedensten Sprengmitteln. Das heißt wir entschärfen oder sprengen die Fundstücke, genannt UXO (Unexploded Explosive Ordnance) und sorgen so für mehr Sicherheit in der Umgebung.
Der zweite Bereitschaftszyklus, die so genannte Stand By Phase, bedeutet für uns eine gewisse Regenerationsphase. In dieser Zeit bleiben wir im Camp und kümmern uns um die alltäglich anfallenden Aufgaben, wie etwa dem Kontrollieren von Fahrzeugen nach Sprengmitteln, dem Absuchen der Start- und Landebahn und übernehmen, wenn nötig, das Vernichten von Munitionsfunden auf einem speziellem Gelände, der sogenannten Demolition Range. Ansonsten nimmt ein großer Teil unsere Zeit im Camp das Pflegen, Reinigen und Reparieren unsere Ausrüstung in Anspruch.
Neben diesem Auftrag ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Rückbau des PRT Camps. Bis in den Herbst hinein sollen alle deutschen Soldaten aus Faizabad zurück nach Deutschland verlegt werden.
Wir sind jetzt bereits seit 70 Tagen hier im Land und die Zeit scheint immer langsamer zu vergehen. Ende Juni endet unser Auftrag hier in Afghanistan, als Teil des ISAF-Einsatzes. Und auch wir wünschen uns, dass wir alle gesund und munter zurück nach Deutschland fliegen können.

