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Ein Tag an Bord (1)

Mazar-e Sharif, 29.01.2010, Bundeswehr.

Sanft sinkt die Transall C-160 durch die aufreißende Wolkendecke. Zunächst noch verschwommen, dann immer klarer taucht tief unter ihr die weite Kunduz-Ebene auf. Noch befindet sich das Transportflugzeug in fast 3.000 Metern Höhe. Konzentriert beobachten die Piloten das Geschehen am Boden.

Eine Transall C-160 des Einsatzgeschwaders im Anflug auf den Flugplatz Mazar-e Sharif
Im Landeanflug (Quelle: Bundeswehr/Klaus S.)Größere Abbildung anzeigen

Hauptmann Ralph K., der Kommandant, entdeckt die Landebahn als erster, dann hat auch Oberleutnant Robert R., sein Co-Pilot, die Piste ausgemacht. „Runway in sight“, bestätigt R., der die Maschine steuert. Ein letzter Blick auf die Karte und die Checkliste für den Anflug. Der Kommandant gibt sein „Okay“. Dann zieht Oberleutnant Robert R. die C-160 steiler nach unten. Kaum ein Geräusch ist von den Motoren zu vernehmen. Es ist, als wenn der Transporter segelt.

Immer schneller kommt der Boden näher. Dann ist die Runway deutlich erkennbar. Die Landebahn ist in keinem guten Zustand. Aber die Transall ist in ihren mehr als 40 Dienstjahren schon mit ganz anderen Pisten fertiggeworden. Rechtzeitig fängt Oberleutnant R. die Maschine mit der Seitennummer 50+78 ab. Sie setzt auf, rollt aus und zwei Minuten später steht sie vor dem kleinen, baufälligen Abfertigungsgebäude des Flugplatzes in Kunduz. Es ist 9.30 Uhr in Afghanistan.

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Der Taktische Systemoffizier an seinem Arbeitsplatz im Cockpit der Transall C-160
Am Arbeitsplatz (Quelle: Bundeswehr/Klaus S.)Größere Abbildung anzeigen

Der Morgen in Mazar-e Sharif

Rund ein halbe Stunde hat der Flug von Mazar-e Sharif nach Kunduz mit 17 Passagieren und Fracht an Bord gedauert. Für die fünfköpfige Besatzung stehen heute zweimal Mazar-e Sharif – Kunduz auf dem Programm. Ein eher ruhiger Tag. Das kann auch ganz anders aussehen, weiß Hauptmann K.: „Morgens um vier im Briefing, um sechs Uhr Start, auf irgendeinem staubigen Flugfeld ein pappig gewordenes Brötchen aus dem Lunchpaket und um 18 Uhr mit hängendem Magen und Rändern unter den Augen wieder zurück.“

In Mazar-e Sharif hatte der Dienst um Viertel nach sieben begonnen. Während der Ladungsmeister Stabsfeldwebel Michael S. das Einladen der Fracht überwachte, waren die übrigen Crew-Mitglieder in die Briefings gegangen. Sicherheitsrelevante Belange sowohl im Luftraum als auch an den verschiedenen Flugplätzen waren dabei ebenso Thema wie Informationen über Luftraumsperrungen oder besondere Einsätze anderer Luftfahrzeuge. Anschließend hatte Robert R. noch die „Wetterfrösche“ aufgesucht. „Eine ziemlich dichte Wolkendecke in 12.000 Fuß“, hatte der junge Offizier später an seine Crew-Kameraden weitergegeben.

„Die geplante Flughöhe für den Flug nach Kunduz lag unter 15.000 Fuß. Da mussten wir versuchen irgendwo eine Wolkenlücke zu finden“, erklärt Oberleutnant R. jetzt. Da es fast in ganz Afghanistan keine flächendeckende Radarüberwachung gibt, muss die Transall nach Sicht geflogen werden. Instrumentenflüge sind bestenfalls nach Kabul möglich.

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Der Bordtechniker bedankt sich beim Einweiser des Airfields
Arbeitsplatz Cockpit (Quelle: Bundeswehr/Klaus S.)Größere Abbildung anzeigen

Check-up und los gehts

Kurz nach acht nimmt die Cockpit-Besatzung ihre Plätze ein – links der Kommandant, rechts der Co-Pilot, auf dem mittleren Sitz dazwischen der Bordtechniker. Die Passagiere gehen über die hintere Laderampe an Bord. Das erste Triebwerk wird gestartet. Der Wart bestätigt, dass sich der Propeller dreht. Die routinemäßigen Checks aller Systeme verlaufen planmäßig. Wortfetzen fliegen hin und her, der Co-Pilot geht die Checkliste durch, der Bordtechniker bestätigt die Funktion der Systeme und bedient routiniert das Gewirr aus Schaltern und Knöpfen. Das zweite Triebwerk läuft ebenfalls. Die Passagiere sitzen und sind angeschnallt – jetzt kann auch die Laderampe geschlossen werden.

Immer schneller drehen sich die Propeller, der Kommandant nimmt über Funk Kontakt zum Tower auf. Wenige Minuten später setzt sich die Transall in Bewegung, rollt über den Taxiway „Echo“ auf die neue Startbahn des Flugplatzes Mazar-e Sharif. „Cleared for take off“, kommt die Startfreigabe über Funk, die Transall nimmt Geschwindigkeit auf, hebt ab und gewinnt schnell an Höhe. Um 9.05 Uhr ist der Flug „ISAF 61“ in der Luft – 30 Minuten später erreicht das Flugzeug sein Ziel in Kunduz.



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Stand vom: 13.08.12 | Autor: Klaus S.


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