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Was macht eigentlich … ein Heeresbergführer im Kososvo?

Prizren, 07.03.2013.

Abkürzungen gibt es bei der Bundeswehr so reichlich wie Berge auf dem Balkan. Und auf den ersten Blick sind sie, zumindest für Außenstehende, nicht immer eindeutig zuzuordnen. So steht „HBF“ natürlich nicht für den allseits bekannten „Hauptbahnhof“, sondern für den Heeresbergführer.

Oberfeldwebel Stefan B. ist Heeresbergführer aus Leidenschaft. Ohne eine Verbundenheit zur Natur und den Bergen gelangt man wohl auch nicht an eine solche Tätigkeit innerhalb der Streitkräfte. Er stammt natürlich aus Bayern. Das merkt jeder spätestens, wenn er zu den Teilnehmern der heutigen Ausbildung spricht.

Letzte Sicherheitsüberprüfung am Geländer vor dem Abseilen

Letzte Sicherheitsüberprüfung am Geländer vor dem Abseilen (Quelle: Bundeswehr/T. Weigel)Größere Abbildung anzeigen

Heute werden Sanitätssoldaten ausgebildet. Sie sollen in die Lage versetzt werden, auch in schwer zugänglichem Gelände ihr Fachwissen anwenden zu können. Es geht um Ausbildung beim freihängenden Abseilen und um das Sammeln von Erfahrungen im bergigen Gelände. Die Soldaten sollen hier in entspannter Atmosphäre wichtige Eindrücke gewinnen sowie Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, um sich in entscheidenden Momenten auf das Wichtige konzentrieren zu können.

Bereits zwei Stunden vor Abmarsch der Ausbildungsgruppe ist Oberfeldwebel Stefan B. unterwegs. Die Vorbereitungen an der Abseilstelle und vor allem am Kletterhang mit zwei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen kosten Zeit. „Die Abseilstelle geht hier 25 Meter von der Brücke in die Tiefe und der Seilsteg verläuft etwa 80 Meter weit über den Fluss“, erläutert er beim Aufbau. Dazu hat er bereits vor einigen Wochen in der Nähe dieser Brücke massive Haltebolzen verankert. So kann heute früh schnell ein sicherer Ausbildungsplatz entstehen.

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Kleine Gruppe - große Effekte

„Ganz schön steil in der Felswand“

„Ganz schön steil in der Felswand“ (Quelle: Bundeswehr/T. Weigel)Größere Abbildung anzeigen

Die eintreffende Ausbildungsgruppe ist mit sechs Soldaten vergleichbar klein. „So kann ich mich um jeden Einzelnen besser kümmern“, begründet der Oberfeldwebel. Zu Beginn erklärt er die Ausrüstung: Brust- und Sitzgurt, Karabiner und Helm, verschiedenste Knoten und den Abseilachter.

Nach der Theorie geht’s zunächst an die Seilrutsche. Sie ist 80 Meter lang und man bewältigt über die Strecke 15 Höhenmeter. „Es geht auch um ein Stück weit um Teambuilding. Einer schaut nach dem Anderen, man unterstützt sich gegenseitig, geht dem Kameraden zur Hand, kümmert sich umeinander“, erläutert er am Beginn dieses Ausbildungsabschnittes.

Erst über das Geländer, dann über den Fluss und ran an den Felsen

Erst über das Geländer, dann über den Fluss und ran an den Felsen (Quelle: Bundeswehr/T. Weigel)Größere Abbildung anzeigen

Etwas Überwindung gehört für jeden Teilnehmer am Beginn dazu, wenn es gilt, über das Geländer der Brücke in 25 Metern Höhe zu klettern. „Das Adrenalin steigt, ich bin sehr gespannt, was uns gleich erwartet“, sagt Oberstabsgefreiter Benjamin M., einer der auszubildenden Soldaten. Der Heeresbergführer prüft routiniert die Sicherheit. Alle Gurte sitzen, es geht los. Einmal an der Rolle und in Fahrt, ist diese Station Spaß pur – bis die gegenüberliegende Wand kommt. Hier müssen sich die Teilnehmer am Seil festhalten, gleichzeitig oben ausklinken und dann runterklettern. Aber das war nur der Anfang.

Steil geht`s bergauf

Steil geht`s bergauf (Quelle: Bundeswehr/t. Weigel)Größere Abbildung anzeigen

Im Seilgeländer mit zwei Schwierigkeitsstufen, eine am schwarzen Seil von Stufe 2-3, die andere in orange mit Schwierigkeit 4, geht’s weiter. „Das schwarze Seil ist zum eingewöhnen an den Berg, am orangen Seil bekommt man dann schon ein richtiges Gefühl vom Klettern im Steilhang“, erläutert der erfahrene Ausbilder. Den Teilnehmern tritt Schweiß auf die Stirn. Klettern im Berg sorgt für hörbar schweres Atmen. Mit Hilfe von oben, genauer, von Oberfeldwebel B., kommen alle über beide Parcours.

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Krönender Abschluss - freihändiges Abseilen

Noch ein Schritt, dann hängt man frei am Seil…

Noch ein Schritt, dann hängt man frei am Seil… (Quelle: Bundeswehr/T. Weigel)Größere Abbildung anzeigen

Am Ende wartet dann die schwierigste Station: Freihängendes Abseilen. Wieder über das Geländer, dann außen am oberen Teil der Brücke nach unten laufen. Plötzlich finden die Füße keinen Halt mehr an der Brücke. Man hängt frei in der Luft. Zwei Seile, ein Abseilachter vor dem Bauch – Skepsis: „Das hält? Es geht!“ Der ein oder andere überwindet frühere schlechte Erfahrungen beim Abseilen.
Mit seiner ruhigen Art bringt Oberfeldwebel B. alle heil runter. „Die Leute machen meist riesengroße Augen, wenn sie den Parcour zum ersten Mal sehen. Sie zweifeln oft an sich selbst“, blickt der Heeresbergführer zurück. Dann sind die Kameraden da und sagen: „Komm, gib Dir ´nen Ruck“, und am Ende freuen sich alle, dass sie es geschafft haben. „Das hat richtig Spaß gemacht“, tönt es fast einstimmig aus der Gruppe. Vom heftigen Muskelkater, der erst morgen kommt, wissen sie jetzt noch nichts.

Die nächste Herausforderung hat Oberfeldwebel B. schon geplant. Einen Marsch am Berg, 700 Höhenmeter sind in drei Stunden zu überwinden. Für diese Ausbildungsgruppe jedoch an einem anderen Tag.

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Stand vom: 04.12.13 | Autor: Jürgen Bredtmann


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