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Trinkwasser für Ostafrika – Der „Wasserbüffel“ aus Nieder-Wiesen

Djibouti, 02.05.2012.

Seit 2008 beteiligt sich die Deutsche Marine am Horn von Afrika an der europäischen Anti-Piraterie-Operation „Atalanta“. Um die Schiffe und Aufklärungsflugzeuge der Deutschen Marine bei ihrem Auftrag zu unterstützen, sind in Djibouti Bundeswehrsoldaten in der Deutschen Verbindungs- und Unterstützungsgruppe (DVUG) eingesetzt. Zu ihnen zählt auch Christian U. aus Nieder-Wiesen im Landkreis Alzey-Worms. Wegen seiner ungewöhnlichen Aufgabe wird er von allen nur „Wasserbüffel“ genannt.

Trinkwasserübergabe mit einem Einheimischen
Trinkwasserübergabe (Quelle: Bundeswehr/Marco H.)Größere Abbildung anzeigen

Wenn Christian U. mit seinem weißen Transporter durch die Straßen Djiboutis fährt, wirbelt er reichlich Staub auf. Nicht nur, weil die Straßen eher einer Schotterpiste gleichkommen. Seine kostbare Fracht ist es, die immer wieder Aufmerksamkeit erregt. Dabei liegen auf seiner Ladefläche nicht etwa Gold, Diamanten oder andere wertvolle Bodenschätze. Der Heeressoldat produziert und transportiert einen der kostbarsten Rohstoffe in einer der heißesten Städte Afrikas – Trinkwasser.

Laut einer Studie der Vereinten Nationen, gehört der Küstenstaat in Ostafrika zu jenen Ländern, welche unter einem chronischen Mangel an Trinkwasser leiden. Schwer vorstellbar, wenn man einen Blick auf die Landkarte wirft. Direkt am Indischen Ozean gelegen hat der Staat einen freien Zugang zur lebenswichtigen Ressource. Allerdings ist das Meerwasser nicht nur ungenießbar, der Verzehr kann sogar lebensgefährlich sein. Und da kommt der „Wasserbüffel“ ins Spiel. Mit einem speziellen Verfahren, der „Umkehrosmose“, wandelt Christian U. Salzwasser in Süßwasser um. „Mit diesem Verfahren wird alles aus dem Salzwasser herausgefiltert, was gesundheitsschädlich ist – bis hin zu kleinsten Teilchen“, erklärt der Wasseraufbereitungsfeldwebel, so die militärische Bezeichnung.

Soldat trinkt aus einer Wasserflasche
Klares Trinkwasser (Quelle: Marco H./Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Vorrangig versorgt U. die deutschen Kriegsschiffe der Operation „Atalanta“ im Hafen von Djibouti. Zwar verfügen die Schiffe der Deutschen Marine über eigene Anlagen zur Frischwassererzeugung, dürfen diese wegen der oftmals hohen Verunreinigung des Hafenwassers jedoch nicht nutzen. Das trifft auch für Kriegsschiffe einiger anderer Nationen zu, die U. auch gerne mit dem kostbaren Nass versorgt, wenn es die Zeit zulässt. Der Heeressoldat ist sich seiner besonderen Verantwortung bewusst: „Mein Wasser verwenden täglich hunderte Menschen. Da muss die Qualität einwandfrei sein.“ Aus diesem Grund werden auch regelmäßig Wasserproben entnommen und überprüft. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Die Qualität steht der aus deutschen Wasserhähnen in nichts nach“, erklärt U. und nimmt zur Bestätigung selbst einen kräftigen Schluck von dem frisch produzierten H2O.

Wenn mal kein Schiff im Hafen liegt bedeutet das jedoch nicht, dass der gelernte Gas- und Wasserinstallateur auf der faulen Haut liegt. Zu Wartungszwecken und um Verunreinigungen durch zu langen Stillstand vorzubeugen, muss die Anlage mindestens alle 48 Stunden betrieben werden. Das dabei gewonnene Trinkwasser wird nicht etwa weggeschüttet, sondern in die sogenannte „Wasserblase“ gefüllt. „Wenn man sich drauflegt, fühlt es sich an wie Wasserbett“, bemerkt der stets gut gelaunte „Rhoihesse“. Und so sieht es auch aus. 2500 Liter Fassungsvermögen hat der „Falttank“, so die korrekte Bezeichnung. Entleert wird das Wasser dort, wo es am meisten benötigt wird. So zum Beispiel auf der ansässigen Gepardenfarm, wo das Trinkwasser aus deutscher Herstellung für die Menschen und Tiere auf der Farm Verwendung findet.

Christian U. am Frischwassererzeuger
Christian U. am Frischwassererzeuger (Quelle: Bundeswehr/Marco H.)Größere Abbildung anzeigen

Wenn man Christian U. beobachtet, kann man ihm die Freude an seinem Beruf deutlich ansehen. „Ich finde, ich habe den schönsten und besten Job hier in Djibouti. Ich tue etwas wirklich Sinnvolles und kann den Menschen auch noch helfen“, bestätigt der 30jährige Soldat diesen Eindruck. Deshalb würde er auch gerne wiederkommen. „Wenn mich meine Frau lässt“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Zunächst geht es aber am 23. Juni, nach vier Monaten im Einsatz, wieder nach Hause nach Nieder-Wiesen, zu seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn. Zuvor wird er seine Arbeit an einen Nachfolger übergeben. Dieser wird dann sicherlich auch dafür sorgen, dass der weiße Transporter des „Wasserbüffels“ in Djibouti ordentlich Staub aufwirbelt.

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Stand vom: 13.08.12 | Autor: Marco H, PIZ Djibouti


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