„Verticker“ - Im Dienst für die Kameraden
Kunduz, 09.08.2012, Bundeswehr.
Der Andrang ist groß. Daher regelt eine Lampe über der Eingangstür den Zugang. Schaltet die Lampe von rot auf grün, dann öffnet sich die Tür. Die Soldatinnen und Soldaten betreten einen Raum, der an einen Tante Emma Laden aus den fünfziger Jahren erinnert. Vertraut ist das Warensortiment, das einem heimischen Supermarkt gleicht, der von allen Soldaten des PRTs Kunduz liebevoll nur „Verticker“ oder „Wüsten Einkaufs Zentrum“ genannt wird.

Eigentlich erinnert alles an eine Zeitreise in eben diese fünfziger Jahre, als es noch keine großen Supermärkte oder Einkaufszentren gab. Auch ein ausgeklügeltes Marketing, das den Kunden zum Kaufen animieren soll, gibt es hier nicht. Die Getränke sind auf Paletten gestapelt und das Sortiment ist überschaubar: Beispielsweise gibt es nur zwei Sorten Schokolade und doch kann man hier alles bekommen was für den täglichen Bedarf gebraucht wird: Rasierschaum, Duschgel, vereinzelte Zeitungen und Süßigkeiten.
Auch ein beliebter Treffpunkt

Oft schauen die Soldaten hier vorbei, obwohl sie eigentlich nichts brauchen. Denn der „Verticker“ dient auch als Treffpunkt. Hier trifft man Kameraden, mit denen man ein paar Tage zuvor auf Patrouille gewesen ist. Meistens jedoch führt die Soldaten der Weg zum Marketenderladen, um Prepaid-Karten zu kaufen, damit sie wieder per Internet Kontakt mit der Familie zu Hause aufnehmen können. Denn nach ein paar Tagen außerhalb des Feldlagers sehnt man sich nach einer vertrauten Stimme. Ein kleines „Hallo“, „Alles in Ordnung“ und ein „Mir geht es gut“, reicht meist schon aus, um sich wieder besser zu fühlen. Man mag es nicht glauben, welch motivierende Wirkung eine vertraute Stimme haben kann.
Der „Verticker“ - ein Laden für Jedermann

Der Kontakt nach Hause wird auch durch kleine Geschenke, die hier erworben werden können, gepflegt. Ein Parfüm für die Ehefrau zum Geburtstag, eine Barbiepuppe für die Tochter oder eine kleine Belohnung für einen selbst
Vor dem „Verticker“ herrscht regelmäßig ein buntes Treiben. Soldaten kommen und gehen. Sie verlassen den Laden mal mit größeren, mal mit kleineren Einkaufstüten oder eben nur mit einer Handykarte. Geduldig erklären die Verkäufer hinter dem Tresen den neu angekommen Kameraden, was sie alles brauchen, um hier mit dem Handy zu telefonieren oder mit dem eigenen Rechner ins Internet gehen zu können.
Im Dienst für die Kameraden

Zu den Aufgaben der Betreuungssoldaten gehören Ware einräumen, Bestände kontrollieren, Kassenabrechnungen erstellen und ausreichend Ware auf Vorrat zu halten. Wenn neue Ware mit großen Containern im Feldlager Kunduz ankommt, dann heißt es ausladen. Das bedeutet doppelte Arbeit, denn das Abladen geschieht während der Öffnungszeiten. Einfach den Laden abschließen, um die LKWs abzuladen, kommt für die Betreuungssoldaten nicht in Frage. Sie bieten den Kameraden die Möglichkeit, jederzeit noch eine Kleinigkeit einzukaufen. So können die deutschen Soldaten in Kunduz ihr Paket für die lieben zu Hause fertig packen und im Feldpostamt abgeben, damit die Überraschung rechtzeitig in der Heimat eintrifft.
Die Soldaten des „Wüsten Einkaufs Zentrums“ leisten mit ihrem Auftritt einen großen Beitrag dazu, ihre Kameraden im Einsatz bei Laune zu halten.


