Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Mali (EUTM Mali) > Die Feiertage im Mali-Einsatz - Ein ganz persönlicher Rückblick

Die Feiertage im Mali-Einsatz - Ein ganz persönlicher Rückblick

Koulikoro, 17.01.2014.

Mit Weihnachten verbindet man, egal wo man sich auf der Welt befindet, immer mit Winter, Kälte, Schneefall, prasselndem Kaminfeuer und dem Beisammensein unterm festlich geschmückten Tannenbaum. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, Weihnachten ist ja schließlich das Fest der Familie. Doch was ist, wenn auf einmal nichts davon so wirklich zutrifft? Wenn weit und breit keine einzige Schneeflocke in Sicht ist, es nicht wie in der Weihnachtsbäckerei duftet und das Thermometer locker 30 Grad und mehr anzeigt?

Man flachst ja doch häufig mal rum und sagt: „Am liebsten würde ich Weihnachten unter Palmen feiern und dem ganzen Trubel und dem Schmuddelwetter entfliehen.“ Aber was ist, wenn diese Flachserei auf einmal zur Realität wird?

Der Aufbau des Weihnachtsmarktes

Der Aufbau des Weihnachtsmarktes (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Als ich meine Kommandierung nach Mali erhielt und mir das Zeitfenster ansah, gingen einige meiner Überlegungen in die folgende Richtung: „Wie werden wohl die Weihnachtstage und Silvester in Mali, im Feldlager, bei Sonne und Hitze sein? Wie wird es sein, ohne meine Familie und ohne ganz besondere Menschen, die Feiertage zu verbringen? Wie wird es für meine Familie und die Menschen, die mir nahe stehen, werden? Wie gehen die Kameraden im Einsatz damit um? Wie ist die Verteilung derer, die diese Umstände kennen und mit ihrer Erfahrung denjenigen helfen, die (wie ich) erstmals über die Feiertage weg sind?“ Mit allen diesen Fragen und Überlegungen bin ich dann nach Mali geflogen und je näher die Feiertage kamen, desto drehten sich meine Gedanken darum.

Mir fiel dann sehr schnell auf, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin. Meinen Kameraden, egal ob weiblich oder männlich, ging es genauso. Das schafft eine besondere Verbindung.

nach oben

Die Vorfreude griff um sich

Eine wahre Flut von Weihnachtspäckchen

Eine wahre Flut von Weihnachtspäckchen (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem Beginn der Adventszeit häufte sich die Anzahl der Pakete, die per Feldpost eintrafen. Damit einhergehend wuchsen auch in den Büros und im Gemeinschaftszelt die Türme mit süßen Leckereien. Vom Christstollen, über Lebkuchen und Spekulatius, hin zu selbst gebackenen Weihnachtsgebäck, Adventskalendern aller Art und Weihnachtsdekorationen. Sobald die Postcontainer ankamen, griff eine nicht in Worte zu fassende Unruhe um sich.

Und ich selbst schwankte auch zwischen den Gedanken der Vorfreude auf Post und der Trauer über die Abwesenheit von zu Hause hin und her. Aber auch hier griff sofort die Gemeinschaft. Spontan wurde am ersten Advent das Aufenthaltszelt geschmückt und man traf sich im Anschluss zum Adventskaffee, wo jeder etwas aus seinen Päckchen und Paketen mitbrachte, man miteinander teilte und feststellte: „Ich bin nicht alleine.“

nach oben

Es gibt einen traditionellen Weihnachtsmarkt in Bamako!

Lange Schlangen an unserem Grillstand auf dem „Santa Marchè“ in Bamako

Lange Schlangen an unserem Grillstand auf dem „Santa Marchè“ in Bamako (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste - es gibt selbst in Mali einen Weihnachtsmarkt. Aber jeder der jetzt an Stände mit Glühwein oder Weihnachtsdekoration und -schnickschnack denkt, liegt völlig falsch.

Seit nunmehr 13 Jahren organisiert die deutsche Community in Mali in der Adventszeit den „Santa Marché“, eine Art Weihnachtsmarkt im Botanischen Garten von Bamako. Die dort erzielten Erlöse fließen komplett in Hilfs- und Sozialprojekte in Mali. In diesem Jahr hatte man das deutsche Einsatzkontingent um Unterstützung beim Grillen und der Essenausgabe gebeten. Helfende Hände waren schnell gefunden und ohne eine Ahnung was uns erwarten könnte, machten wir uns schließlich am Samstag vor dem dritten Advent auf den Weg nach Bamako.

Kurz gesagt: Es war beeindruckend und kaum in Worte zu fassen. Auf der Fläche des Botanischen Gartens boten Händler aus allen Teilen des Landes Kunst, Schmuck, Kleidung und traditionelle Waren an. Auf einer Bühne zeigten malische Künstler ihr Können und boten ein eindrucksvolles kulturelles Programm und es gab einen Platz für die Kinder und Jugendlichen.
Es war genauso, wie ich die Menschen und das Land kennen und schätzen gelernt habe: Ein absolut friedliches und buntes Miteinander. Nach einem Samstag voller Eindrücke und Impressionen ging es dann schließlich wieder zurück nach Koulikoro.

nach oben

Besuche in der Vorweihnachtszeit

Der Inspekteur des Sanitätsdienstes im Gespräch

Der Inspekteur des Sanitätsdienstes im Gespräch (Quelle: Bundeswehr/Martin B.)Größere Abbildung anzeigen

Doch eine wirkliche Ruhe und vorweihnachtliche Besinnlichkeit stellte sich nicht ein. Es galt den Besuch des Inspekteurs des zentralen Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Ingo Patschke, vorzubereiten. Auch wenn es sich nicht um den ersten Besuch während meiner Einsatzzeit handelte, so kann man doch bei keinem Besuch von Routine sprechen. Was aber auch den Vorteil hat, dass a.) die Zeit sehr schnell vergeht und b.) man dadurch sehr wenig Zeit hat, die Gedanken schweifen zu lassen. Und so näherte sich unaufhaltsam der vierte Advent.

Die Kreativität kannte fast keine Grenzen

Die Kreativität kannte fast keine Grenzen (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Dass Weihnachten nun unmittelbar bevorstand, sah man an der Zunahme an Weihnachtsschmuck in den Büros und Süßigkeiten auf den Schreibtischen. Parallel nahmen aber auch die Äußerungen über die damit wohl zu erwartende Gewichtsveränderung zu. Überall bekam man Plätzchen und ähnliches angeboten, damit der Spender nicht alleine mit diesem Problem sei. Auch hier funktionierte die Gemeinschaft.

Frau MdB Karin Strenz und ich

Frau MdB Karin Strenz und ich (Quelle: Bundeswehr/Martin B.)Größere Abbildung anzeigen

Während der finalen Vorbereitungen auf Weihnachten bekamen wir Besuch aus Berlin. Seit 2009 besucht Frau MdB, Karin Strenz regelmäßig Soldaten im Einsatz und hat sich in diesem Jahr für die Missionen EUTM Mali und MINUSMA entschieden.
Auch wenn ich durch die Vorbereitungen für derartige Besuche gut vom Nachgrübeln abgelenkt war, so fand ich persönlich den Termin, gerade über die Feiertage zunächst doch eher ungünstig. Ich musste meine Meinung in diesem Fall komplett ändern. Frau Strenz fiel unter uns Soldaten eigentlich nur dadurch auf, dass sie als Einzige keine Uniform trug. Und ihr Ansinnen, viel mit den hier eingesetzten Kameraden ins Gespräch zu kommen, funktionierte komplett und hat nach meiner Meinung für alle Beteiligten eine Menge gebracht.

nach oben

Dann kam der Heiligabend

Schmücken des Weihnachtsbaumes

Schmücken des Weihnachtsbaumes (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Und so kam, total überraschend, der 24.12.: Der Heilige Abend. Es war noch immer sonnig, das Thermometer kletterte auf 35 Grad im Schatten. Was uns nicht davon abhielt, die aus Deutschland angelieferten Tannenbäume gemeinsam zu schmücken und unserem „Weihnachtsmarkt“ den letzten Schliff zu geben. Die Kreativität einiger Soldaten kannte kaum Grenzen – es wurde gemalert und gebastelt, was das Zeug hielt. Und der Nachmittag war unser eigentlicher Heiliger Abend, denn jeder von uns telefonierte oder skypte mit seinen Lieben in Deutschland.

Kerzen der Gemeinschaft, im Hintergrund die Weihnachtskrippe

Kerzen der Gemeinschaft, im Hintergrund die Weihnachtskrippe (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Am frühen Abend wurde in der „Trainers Bar“ ein ökumenischer Gottesdienst für alle, über die Feiertage eingesetzten, internationalen Soldaten abgehalten. Organisiert und durchgeführt wurde die Andacht durch den evangelischen Militärseelsorger der belgischen Streitkräfte und den katholischen Militärseelsorger aus Deutschland.
Mit einer kurzen Ansprache des Ausbildungsleiters und Weihnachtswünschen, die in den Landessprachen aller beteiligten Nationen verlesen wurden, ging dieser „offizielle“ Teil zu Ende und alle Nationen feierten in den eigenen Bereichen.

nach oben

Kleine Feier - große Feier

Der Weihnachtsmann kam bis nach Koulikoro.

Der Weihnachtsmann kam bis nach Koulikoro. (Quelle: Bundeswehr/Thomas L.)Größere Abbildung anzeigen

Innerhalb des Deutschen Kontingentes hatten wir uns entschieden, dass die Teilbereiche „Sanitätsdienst“ und „Unterstützungskompanie“ am 24. Dezember eine Feier im eigenen Bereich und alle Teile am ersten Feiertag eine große gemeinsame Feier durchführen.

Auch wenn die äußeren Umstände noch immer kein „klassisches“ Weihnachtsgefühl offerierten, so war es doch eine wundervolle Stimmung, die man spürte. Der geschmückte Weihnachtsbaum, der dekorierte Vorplatz des Feldlagers, die Weihnachtsmusik und die Gemeinschaft. Als dann auch noch, organisiert und durchgeführt durch den Kompaniefeldwebel der Unterstützungskompanie, der Weihnachtsmann in unserer Mitte einkehrte und Geschenke aus der Heimat verteilte, sah man bei vielen glänzende Augen. Auch bei mir.
Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die uns vollkommen überraschen. Gerade an Weihnachten. Spontan und ohne jemandem etwas davon zu erzählen, hatte sich ein Soldat die Mühe gemacht, eine Weihnachtsgeschichte ausfindig zu machen und zu erzählen. Allerdings eine, mit einem Bezug zur Afrika und damit auch zu unserem Einsatz. Was zu dieser späteren Stunde unter einem klaren Sternenhimmel und bei der vorherrschenden Stimmung unweigerlich zu Gänsehaut führen musste.

So wurde es, entgegen aller Bedenken im Vorfeld, ein schöner und besonderer Heiliger Abend in Koulikoro. Natürlich kann und konnte das alles den Kreis der Familie nicht ersetzen. Aber er gab mir dennoch ein Gefühl von Gemeinschaft und Geborgenheit.
Ähnlich schön verlief dann auch die große gemeinsame Feier. Dazu hießen wir auch die in der Hauptstadt Bamako eingesetzten deutschen Soldaten in unserem Kreise willkommen.
Nachdem wir Frau Strenz verabschiedeten, die sich auf den Weg nach Dakar im Senegal machte, gingen die Gedanken aller in Richtung Silvester.

nach oben

Der Jahreswechsel mit liebgewonnenen Traditionen

Zum Jahreswechsel gab es eine gemeinsame Feier aller bei EUTM Mali eingesetzten Nationen. Wenn ich es jetzt, rückblickend beschreibe - es war einfach anders. Aber schön. Trotz allem, Tradition und Gewohnheiten müssen sein.
Daher gab es als kleine Einstimmung im Vorfeld unseres Feldlagerbereiches, eine Freiluftvorführung vom „Dinner for one“. Danach ging es zur Silvesterfeier der Mission. Es gab ein leckeres und reichhaltiges Essen sowie ein friedliches und einfach tolles Miteinander von Soldaten aus 23 europäischen Nationen. Aufgrund der anhaltenden Trockenperiode und auch, weil wir alle uns hier als Gäste verstehen, wurde auf ein Feuerwerk verzichtet.

nach oben

Sportlich ging´s in das neue Jahr

(Noch) nicht olympisch: Krankentragenwettrennen

(Noch) nicht olympisch: Krankentragenwettrennen (Quelle: Bundeswehr/Martin B.)Größere Abbildung anzeigen

Am Neujahrstag gab es dann einen Sportwettkampf mit ganz eigenwilligen Stationen. Hier traten fast 200 europäische Soldaten, teilweise auch in gemischten Teams, in den nicht olympischen Disziplinen Krankentragenwettrennen, Schuhweitwurf, Schubkarrenlauf, LKW-Ziehen und Eierlaufen gegeneinander an. Kurz gesagt, es hat allen mächtig Spaß gemacht und bildete einen schönen Abschluss der Feiertage.

Die besinnlichen Tage und die damit verbundene ausbildungsfreie Zeit sind nun zu Ende, bereits Anfang Januar haben wir mit der Ausbildung der vierten Battle Group der malischen Armee begonnen.
Für mich persönlich hat nun der berühmte „Einsatzendspurt“ begonnen, da meine Zeit hier in ein paar Wochen endet. Rückblickend auf die Feiertage hier im Mali-Einsatz kann ich nur sagen, es war eine tolle Erfahrung, eine klasse Gemeinschaft und Verbundenheit, die uns hat noch enger zu einem Kontingent zusammenwachsen lassen. Was ein „zu Hause“ nicht ersetzen kann, aber die Abwesenheit leichter durchstehen lässt.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 27.01.15 | Autor: Thomas L.


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze.eutm_mali&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7C9FFAB2200DIBR