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Kurzgeschichte des Balkan

Im sozialistischen Vielvölkerstaat Jugoslawien lebten neben einer Vielzahl nationaler Minderheiten laut Verfassung sechs staatstragende Völker: Slowenen, Kroaten, Serben, Bosniaken (Muslime), Montenegriner und Makedonen. Es gab drei Amtssprachen (serbokroatisch, slowenisch und makedonisch) sowie die lateinische und die kyrillische Schrift.

Die ethnische Vielfalt ist Ergebnis einer über tausend Jahre getrennt verlaufenden Geschichte mit verschiedenartigen Kulturen, Religionen und Traditionen. Die Donau-Save-Una-Linie bildete in Jugoslawien die Trennung der römisch-katholischen und westeuropäisch geprägten nord-westlichen Region mit Slowenien und Kroatien von den byzantinisch-orthodox und islamisch ausgerichteten Gebieten im Südosten jenseits dieser Linie. In den nach dem Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) geschaffenen Vielvölkerstaat Jugoslawien brachten die Volksgruppen unterschiedliche Grundhaltungen ein. Die Slowenen, von den Franken 748 besiegt und christianisiert, standen bis 1918 unter österreichischem Einfluss, ihre Oberschicht sprach deutsch. Die Kroaten, ebenfalls von den Franken christianisiert, verloren ihre zwischenzeitliche Eigenständigkeit als Königreich an Ungarn und gehörten ebenfalls bis 1918 zum Habsburger-Reich (Österreich). Das kroatische Dalmatien stand über 500 Jahre unter venezianischem Einfluss und gehörte seit 1814 zu Österreich, ohne seine nationale, kroatische Eigenständigkeit zu verlieren. Kroaten und Slowenen bewahrten ihre nationale Identität und fühlen sich heute Westeuropa eng verbunden. Sie traten im früheren Jugoslawien für mehr Föderalismus ein. Die Serben, von Ostrom byzantinisch-orthodox christianisiert, dehnten nach Erlangung der Selbständigkeit ihr Imperium zeitweilig bis nach Griechenland aus. Ihr Zentrum lag im Kosovo, wo sie 1389 auf dem Amselfeld von den Osmanen (Türken) geschlagen wurden und unter deren Herrschaft gerieten. Die Kosovo-Schlacht begründete das Trauma und die emotionale Bindung an die heute mehrheitlich von Albanern bewohnte Region. Die unter türkischer Herrschaft islamisierten Albaner rückten in das von Serben verlassene Kosovo-Gebiet nach und erreichten hier einen autonomen Status innerhalb Serbiens, der 1989 aufgehoben wurde. Sie streben eine unabhängige Republik an. Traum der auf Zentralismus zielenden Serben blieb die Zusammenfassung aller serbischen Siedlungs- und Einflussgebiete einschließlich des Kosovo in einem Großserbien. Die Montenegriner, ursprünglich Serben, erlangten noch unter türksicher Herrschaft die Autonomie. Sie setzten ihre Ansprüche auch in der BR Jugoslawien durch und befürworteten ein Großserbien. Bosnien wurde seit dem frühen Mittelalter durch slawische Einwanderer besiedelt. Mit der Eroberung durch die Osmanen 1463 trat ein Großteil der Bevölkerung zum Islam über. Als Bosniaken bilden sie die dritte Volksgruppe im Lande. Die Makedonier, auf deren Gebiet Serben, Bulgaren und Griechen historische Ansprüche erhoben und das nach den Balkankriegen (1912, 1913) unter diesen aufgeteilt wurde, erhielten im serbischen Teil unter dem Kroaten Tito Autonomie als Teilrepublik, wurden als Volk anerkannt und bekamen eine eigene Schriftsprache. Umstritten waren das Recht auf nationale Selbstbestimmung und die Staatsform. Wollten vor allem Slowenen und Kroaten dieses Recht auf die Republiken übertragen wissen und einen Staatenbund schaffen, so forderten die Serben eine Bundesrepublik, in der sie als Mehrheitsvolk ihren Führungsanspruch untermauern konnten. Für letzteres Modell plädierte auch Montenegro. Bosnien-Herzegowina und Makedonien dagegen traten für weitgehend unabhängige Staaten mit begrenzter Abtretung ihrer Souveränität an eine Zentralregierung ein. Diese Gegensätze traten nach Titos Tod offen zu Tage und eskalierten schließlich in den blutigen Konflikten der neunziger Jahre.

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Stand vom: 11.10.2007

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