Schutz von Handelsschiffen
In See, 31.03.2010.
Bereits früh am Morgen steht das Vessel Protection Detachment (VPD) – eine Einheit zum Schutz von Handelsschiffen – der Fregatte EMDEN voll ausgerüstet an Oberdeck. Gemeinsam mit dem Personal des Beiboots warten sie darauf, dass der Frachter „Masar Trade“ aus dem Hafen Berbera in Somaliland ausläuft. Die Soldaten haben den Auftrag die „Masar Trade“ während des Transits von Berbera nach Bosasso zu schützen. Der Frachter fährt unter der Flagge der Komoren für das Welternährungsprogramm und bringt lebenswichtige Hilfsgüter nach Somalia.

Der Auftrag wurde erteilt, nun heißt es die Ausrüstung für den Einsatz zusammenpacken. Neben der persönlichen Ausstattung mit Wechselwäsche werden Kisten mit Verpflegungsrationen, Ferngläsern und Nachtsichtgeräten gepackt. Funkgeräte und Satellitentelefon gehören ebenso dazu, wie die Bewaffnung zur Abwehr eines möglichen Piratenangriffes. Für die gewaltfreie Vereitelng eines Angriffs stehen Megaphon, Signalpistole sowie das Long Range Acoustic Device (LRAD) System zur Verfügung. Mit LRAD können Piraten auf großer Entfernung direkt angesprochen oder mit hohem Schalldruck schmerzhafte Töne erzeugt werden.

Zuerst die Formalitäten
Am vereinbarten Treffpunkt, vor dem Hafen von Berbera, verlegt die Einheit samt Ausrüstung in mehreren Fahrten mit dem Schnellboot der Fregatte zum Frachter. Zuerst gehen der Teamführer, der Rettungsassistent und einige Soldaten, für eine vorläufige Sicherung, an Bord des Frachtschiffes. Nachdem sich der Einsatzleiter einen ersten Überblick über die Gegebenheiten an Bord verschafft hat und seine Soldaten eine vorläufige Sicherung aufgebaut haben, führt der erste Offizier der „Masar Trade“ den Einsatzoffizier zur Klärung aller Formalitäten auf die Brücke zum Kapitän. Dem Kapitän des Handelsschiffes werden alle Informationen zum VPD und der Einschiffung sowie dem folgenden Transit gegeben.
Nachdem alle Unterlagen und Fragen geklärt sind, werden bereits erste Beobachtungsposten durch die Schutzkräfte besetzt. Danach geht alles schnell, das Material des Einsatzteams wird an Bord gebracht, Stellungen für die Schützen und ein Platz der Gruppe auf dem Schiffsdeck ermittelt sowie die Soldaten in ihre Posten eingewiesen. Abschließend überprüfen der Einsatzleiter und sein Stellvertreter mit Probealarmen das korrekte Handeln ihrer Soldaten. Jeder Soldat muss auch bei Dunkelheit in der Lage sein, schnellstmöglich seine befohlene Position zu erreichen. In der Zwischenzeit hat das Handelsschiff Kurs nach Bosasso genommen, die Fregatte EMDEN bleibt in unmittelbare Nähe.

Auftrag ohne Zwischenfälle
Nach Einweisung in die Gegebenheiten an Bord des Schiffes und der Übung führen die Schutzkräfte bis zum Erreichen des Zielhafens sowohl routiniert als auch konzentriert ihren Auftrag durch. Außerhalb der Seewache schenken die Soldaten ihren Waffen viel Aufmerksamkeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass ein tägliches Waffenreinigen zwingend erforderlich ist. Jeder Soldat weiß, dass der gute Zustand der Waffen Leben retten kann.
Der Transit nach Bosasso verläuft bis auf einige Fehlalarme, ausgelöst durch die verängstigte Besatzung der „Masar Trade“, reibungslos. Schnell konnten jedoch die Soldaten des eingeschifften Sicherungsteams beziehungsweise die Besatzung der EMDEN über Funk die Seeleute beruhigen.
Kurz vor Bosasso endet der Auftrag des Teams. Es ist nicht geplant, dass deutsche Marineschutzkräfte in einen somalischen Hafen einlaufen. Das Team verbringt die Nacht an Deck des Schiffes, bei Dämmerung soll das gesamte Team mitsamt der Ausrüstung vom Bordhubschrauber der Fregatte EMDEN abgeholt und zurückgebracht werden.
