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Einsame Funker in den Bergen: Die Fernmelder von „Fort Belo Brdo“

Prizren/ Potsdam, 29.07.2010.

Wir sind im Kosovo, nahe der Grenze zu Serbien und wollen die Fernmelder der Mobilen Staffel in ihrem gut geschützten Felsennest in den Bergen besuchen. Die haben sich gut eingerichtet da oben, heißt es, sind perfekt organisiert und machen einen guten Job. Das reizt mich, den Redakteur von Maz&More, darüber zu berichten. Ab Mitrovica folgen wir der „Bull“-Road Richtung Norden – nach Tiernamen sind hier die wichtigsten Straßen benannt. Wir passieren Leposavic und erreichen das Camp Nothing Hill. Dort heißt es dann: Kurze Einweisung in die Karte und weiter zu unserem Ziel, der Relaisstation in den Bergen die die Fernmelder betreiben. Ganz nahe der serbischen Grenze liegt sie und hoch oben …

Sechs Soldaten verrichten in dem mit S-Draht gesicherten Lager ihren Dienst
Die Relaisstation in den Bergen (Quelle: Bundeswehr/Maz&More)Größere Abbildung anzeigen

Kurz vor der Abfahrt treffen wir im Camp auf den Chef der Fernmeldekompanie Hauptmann H. Wir haben dasselbe Ziel, er wird uns mitnehmen zu seinen Kameraden, die in der Relaisstation im Gebirge eingesetzt sind. 16 Kilometer führt uns nun der gemeinsame Weg Richtung Nord-Nordost in die Ortschaft Belo Brdo (sprich: Belo Br(e)do). Die Gegend wirkt verlassen. Einzig ein altes Blei- und Zink-Bergwerk in den Bergen lässt in dieser Region auf die Anwesenheit von Menschen schließen. Bergbau war für den heutigen Norden Kosovos und den Süden Serbiens seit dem 14. Jahrhundert die Grundlage von Wohlstand.

Unsere Kolonnenfahrt führt mitten über den Wirtschaftshof des Bergwerks. Ab hier verlassen wir die von ständigem Steinschlag bedrohte Asphaltstraße und begeben uns auf eine Schotterpiste, die weiter ins Gebirge hinein führt. Noch einmal passieren wir ein einzelnes leerstehendes Gebäude, biegen links ab und fahren weiter aufwärts. Auf Höhe 1.200, zirka fünf Kilometer vor der serbischen Grenze, entdecken wir endlich auch die gesuchte Relaisstation der Fernmelder der Bundeswehr mit dem schillernden Namen „Fort Belo Brdo“. Karg ist es hier. Bergkuppen bilden die Landschaft und setzen sich zum Horizont fort. Als Mosaik in den Schotter gelegt, kann man den Namen „Fort Belo Brdo“ lesen, bevor man das 160-Quadratmeter- Areal der Relaisstation betritt. So landschaftlich reizvoll die Umgebung mit dem weiten Blick auch ist, umso mehr wirkt die Station dadurch als echter Außenposten – wichtig und wehrhaft.

Auf Höhe 1.200 haben die sechs Fernmelder eine eindruckvolle Aussicht auf die umliegende Landschaft
Eine beeindruckende Aussicht (Quelle: Bundeswehr/Maz&More)Größere Abbildung anzeigen

Schnell kommen wir mit den Soldaten ins Gespräch und hören, dass der Dienst nicht wirklich einsam ist. Man hat sich eingelebt. Seit Mitte Juni sind hier sechs Fernmelder von der Mobilen Staffel (MobStff) am Belo Brdo eingesetzt. Und das kleine „Fort“ mussten sie sich wirklich erst schaffen, klärt Oberfeldwebel Sascha H. uns auf. Umgeben von 41 Rollen S-Draht und fünf Halogenstrahlern, die nachts das Vorfeld ausleuchten, haben sich die Männer auf einem Hügel eingeigelt. Ein Stromerzeugeraggregat brummt monoton, speist die Batterien der Fernmelde-Kabine und sorgt für den sonst benötigten Strom. Die Fernmeldekabine ist das Herzstück der Anlage. Sie ermöglicht die Funkverbindung zwischen den am „Gate 1“, dem Grenzübergang nach Serbien, eingesetzten Kameraden und dem so genannten Fuchsbau, der OPZ im Feldlager „Camp Nothing Hill“.

„Die VHF-Funkanlage (zu deutsch: UKW) ist das klassische Führungsmittel des Kompaniechefs für seinen unterstellten Bereich“, erklärt Kompaniechef Alexander H. den eigentlichen Auftrag. Damit der sichergestellt ist, braucht es Schutz: Ein Zwei-Tonner steht hier oben, mit MG in der Drehringlafette, und aufmunitioniert natürlich. Für jedes G 36 liegen ein Bildverstärkeraufsatz und ein Laser-Licht-Modul wie auch das Nachtsichtgerät „Lucy“ griffbereit. Damit ist der auf sich gestellte Trupp vollständig nachtkampffähig und auf alles gefasst: Nachts, so erfahren wir, wenn die Halogenstrahler das Vorfeld beleuchten, ist das auflafettierte MG auf dem Zweitonner strikt besetzt. Dienst ist also auch Wachdienst für die Männer hier oben, aber es gibt auch Pausen.

Mit im Lager: Ein 2-Tonner UNIMOG mit lafettierten MG zur Sicherung
Soldaten prüfen ein Kabel (Quelle: Bundeswehr/Maz&More)Größere Abbildung anzeigen

Abwechselnd zwei der Fernmelder können nämlich jeden Abend mit einem der Wölfe ins 18 Kilometer entfernte Camp Nothing Hill verlegen. „So kann jeder einmal eine Dusche genießen und wieder in einem Bett schlafen. Morgens bringen die Campschläfer dann sogar das Frühstück für alle mit“, erklärt Oberfeldwebel Sascha H. die annehmlichen Seiten des Einsatzes. Und so halten sie es gut aus. Acht Tage sind die sechs am Stück in ihrem „Fort“, bevor die MobStff den nächsten Objekt-Kommandanten“ auf den „Feldherrenhügel“ schickt.

Auch mit den wenigen Einheimischen, die hier im Gebirge ihrem Tagwerk nachgehen, haben sich die Soldaten vom Außenposten mittlerweile ganz gut arrangiert. Ein bisschen Vertrauen ist da. „So schob ein Rad-Lader hier zeitweise Geröll umher und nach dem das so eine Zeit lang gegangen war, fasste der Fahrer irgendwann Mut und fragte, ob er sein Gefährt nicht auch über Nacht bei uns abstellen könne“, erzählt Oberfeldwebel Sascha H., und lächelnd ergänzt er: „wegen der guten Bewachung natürlich.“ Auch Brennholz gibt’s schon für die deutschen Fernmelder. Jeden Morgen fährt ein Laster in die Berge, um irgendwo Holz zu holen. Am Abend hält der dann kurz bei den Soldaten an und wirft ein paar Holzscheite für die Feuerstelle in „Fort Belo Brdo“ ab, wie Oberfeldwebel Jens F. berichten kann.

Die S-Drahtrollen verhindern das Eindringlinge unerlaubt ins Lager kommen
Geschützt hinter S-Drahtrollen (Quelle: Bundeswehr/Maz&More)Größere Abbildung anzeigen

Wird das so weitergehen? Bleibt das Fort der Funker nun eine feste Adresse in den Bergen? Sicher ist das nicht, erfahren wir, aber immerhin doch ganz wahrscheinlich. Denn man weiß zwar noch nicht, ob auch die nachfolgenden Slowenen hier oben eine Relaisstation betreiben wollen – die deutschen Kräfte jedenfalls bauen ihre Anlage zunächst ab. Sollte die Mobile Staffel aber später wiederkommen, dann wollen die deutschen Fernmelder auch ihr „Fort Belo Brdo“ wieder beleben.

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Stand vom: 29.07.2010 | Autor: Maz&More

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