Afghanistan hat eine Zukunft
Feyzabad/ Potsdam, 19.08.2009.
Während in den Medien oft die Rede von Kämpfen zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften ist, findet der Wiederaufbau in Afghanistan fast nur am Rande Erwähnung. Dabei gibt es zahlreiche Erfolge vorzuweisen. Allein in der ersten Hälfte dieses Monats wurden in der armen Provinz Badakhshan Projekte für mehrere Millionen US-Dollar realisiert. Dabei profitiert die Region im äußersten Nordosten Afghanistans im ganz besonderen Maße von einer stabilen Sicherheitslage.

Bereits am 3. August wurde im Distrikt Shar-e-Bozorg, im Westen der Provinz, die Grundsteinlegung einer Mädchenschule gefeiert. „Wir haben nicht genügend Schulräume. Die meisten Schülerinnen werden deshalb in Zelten unterrichtet“, sagt Abul Bari, ein 16-jähriger Einwohner des Ortes. Das Provincial Reconstruction Team (PRT) Feyzabad und das afghanische Bildungsministerium unterstützen das Projekt, das bis zu 900 Mädchen eine Zukunftsperspektive geben wird. „Es ist ein guter Start für uns in eine neue und hoffnungsvolle Zukunft“, unterstreicht der 24 Jahre alte Abdul Satar die Hoffnungen einer ganzen Region.
Die Finanzierung des Projektes wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts sichergestellt. Der Bau der Schule wird voraussichtlich Mitte 2010 abgeschlossen sein.

Gleich drei Projekte in Varduj
In Varduj, einem weiteren Distrikt in Badakhshan südöstlich von Feyzabad, starteten am 9. August gleich drei Projekte. Zunächst wurde der Grundstein für eine Schule in Bashanabad gelegt. Dieses deutsch-afghanische Vorhaben wird 1.000 Schülern, davon 200 Mädchen zugutekommen. Bisher müssen die Schülerinnen und Schüler aus den umliegenden neun Dörfern in Schichten unterrichtet werden, da die bestehende Schule zu klein geworden ist. Oft fällt daher der Unterricht für die jungen Mädchen aus. Das soll sich nun mit deutscher Hilfe ändern. Das Auswärtige Amt finanziert den Neubau. Die Aga Khan Stiftung – eine islamische Entwicklungshilfeorganisation, die mit der Bundesregierung unter anderem in Afghanistan zusammenarbeitet – unterstützt als Durchführungsorganisation den Schulneubau. Bis Juli 2010 soll er fertiggestellt sein.
In den Dörfern Khuch und Khushbin – ebenfalls im Distrikt Varduj – konnten derweil dank deutscher Unterstützung zwei neue Brücken über den Ishkashim-Fluss eröffnet werden. Bisher existierten nur hölzerne Notbehelfsbrücken, die jedes Frühjahr zur Schneeschmelze durch die Wassermassen fortgespült wurden. Umwege von bis zu eineinhalb Stunden zum nächsten Übergang waren die Folge. Für etwa 4.000 Menschen werden nun die Wege nicht nur kürzer sondern außerdem sichererer. Und während auch das Auswärtige Amt die Kosten trägt, organisiert die Aga Khan Stiftung die Durchführung.

Gemeinsam für ein starkes Afghanistan
Hinzu kommen – wie bereits berichtet – die Eröffnung der „Brücke der deutsch-afghanischen Freundschaft“ über den Kokcha-Fluss sowie die Grundsteinlegung der neuen Kaserne für die Afghanische Nationalarmee (ANA). Vor allem der Kasernenbau und damit die Einrichtung einer festen Basis für die afghanische Armee ist ein deutliches Zeichen für Stabilität in der Region. Denn „Bisher leben und schlafen wir in Zelten“, unterstreicht ANA-Soldat Abdul Karim die Notwendigkeit des Vorhabens.
Die Kosten belaufen sich auf mehrere Millionen US-Dollar. Der Bau schafft auf einer Fläche von 200 mal 400 Metern eine Unterbringungs- und Ausbildungsstätte auf modernem Niveau. Die Bauarbeiten werden durch eine türkische Firma geleitet, die dazu auf Arbeiter aus dem Distrikt zurückgreift, so dass der Bau auch der lokalen Wirtschaft zugutekommt. Die Kaserne soll bis Ende Sommer 2010 fertiggestellt sein.


