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Bosnien Herzegowina - EUFOR (European Union Force)

Karte vom Einsatzgebiet EUFOR

Karte vom Einsatzgebiet EUFOR (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Das Aufbrechen des Vielvölkerstaates Jugoslawien führte mit dem Ende des alles überlagernden Ost-West-Konflikts in Bosnien und Herzegowina zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Ethnien. Die Vertreibung der jeweiligen Minderheiten, die zunehmende Eskalation der Gewalt und massive Menschenrechtsverletzungen bewegten die internationale Gemeinschaft ab 1992 zur Intervention und Durchführung mehrerer militärischer Operationen mit Beteiligung der Bundeswehr auf dem westlichen Balkan.

Neben der humanitären Hilfe im Rahmen der Luftbrücke Sarajevo (Juli 1992 bis März 1996) nahm die Bundeswehr auch an den Operationen SHARP GUARD (Juli 1992 bis Juni 1996) und DENY FLIGHT (April 1993 bis September 1996) teil. Auf der Basis der VNSRR 713 (1991), 757 (1992), 781 (1992) und 787 (1992) waren rund 600 deutsche Soldaten in diese Operationen eingebunden. In der Operation DENY FLIGHT wurden 5.048 AWACS-Überwachungsflüge durchgeführt; im Rahmen der Operation SHARP GUARD wurden über 74.000 Schiffe angerufen, knapp 6.000 Schiffe gestoppt und überprüft, davon rund 260 durch deutsche Einheiten, und über 1.400 Schiffe umgeleitet. Etwa 700 Aufklärungsflüge wurden mit Seefernaufklärern der Marine durchgeführt.

Deutsche Soldaten unterstützten auch die VN-Mission UNPROFOR (United Nations Protection Force). Zur Unterstützung des Schnellen Einsatzverbandes im ehemaligen Jugoslawien einschließlich der Unterstützung eines möglichen Abzugs der VN-Kräfte aus Kroatien beteiligte sich die Bundeswehr vom 8.August bis 19. Dezember 1995 auf Grundlage der VNSRR 998 (1995) und des Bundestagsbeschlusses vom 30. Juni 1995 mit rund 1.700 Soldaten, einem deutsch-französischen Feldlazarett, 14 Aufklärungsflugzeugen vom Typ „Tornado“ sowie Transportflugzeugen C-160 „Transall“. Es wurden über 920 Flüge durchgeführt, davon 160 über Bosnien und Herzegowina. Fast 800 Patienten wurden stationär und ca. 3.000 ambulant im Feldlazarett behandelt.

Der in Dayton ausgehandelte und am 14. Dezember 1995 in Paris unterzeichnete Friedensvertrag (General Framework Agreement for Peace, GFAP, das so genannte „Dayton“-Abkommen) setzte dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien ein Ende. Mit der VNSRR 1031 (1995) wurde die NATO Mitte Dezember 1995 beauftragt, die im GFAP enthaltenen militärischen Aspekte (Trennung der ehemaligen Konfliktparteien, Verhinderung neuer Feindseligkeiten usw.) zu überwachen und notfalls mit Waffengewalt durchzusetzen. Hierzu wurde zunächst die Implementation Force (IFOR, 1995/96) und ab Dezember 1996 die Stabilisation Force (SFOR) in Bosnien und Herzegowina eingesetzt. Die Bundesrepublik Deutschland leistete von Beginn an einen substanziellen Beitrag zu diesen multinationalen militärischen Operationen.

Seit 1996 waren insgesamt rund 63.500 Bundeswehrsoldaten unter NATO-Kommando zur Friedenssicherung in Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien eingesetzt. Für die von Juni 1997 bis Dezember 2004 eingesetzten deutschen CIMIC-Kräfte (CivilMilitary Cooperation) stand zunächst die Unterstützung von Flüchtlingen und Rückkehrern im Vordergrund. Unter anderem wurden insgesamt rund 1.800 Wohneinheiten instand gesetzt und 42 Schulen wieder aufgebaut oder saniert. Von Juni 2004 bis März 2011 waren deutsche CIMIC-Soldaten im Rahmen von „Liaison and Observation Units“ zur Gewinnung eines zivilen Lagebildes eingesetzt.

Nach rund neun Jahren beendete am 2. Dezember 2004 die NATO ihre SFOR-Operation erfolgreich und übergab die Verantwortung für die weitere Stabilisierung Bosniens an die Europäische Union, die hierzu die militärische ESVP1 (jetzt GSVP) Operation EUFOR ALTHEA als bislang größte militärische EU-Landoperation durchführte. EUFOR hatte in der Nachfolge von SFOR zunächst die Struktur und auch die Stärke der Vorgängermission übernommen. Der Deutsche Bundestag stimmte diesem Einsatz erstmalig am 26. November 2004 zu.

Im Rahmen von EUFOR ALTHEA wurden deutsche Soldaten bis Dezember 2007 in den verschiedenen multinationalen Stäben der Brigaden und Task Forces in Mostar, im multinationalen Hauptquartier EUFOR im Camp Butmir/Sarajevo sowie aus dem Feldlager Rajlovac/Sarajevo heraus in der gesamten Bandbreite der Einsatzerfordernisse eingesetzt. Sie waren u.a. zur Aufrechterhaltung eines sicheren und stabilen Umfelds sowie zur Überwachung und Informationsgewinnung im Lande eingesetzt.

Von Dezember 2007 bis März 2011 waren deutsche Soldaten dann im multinationalen Camp Butmir vor Ort oder wohnten in sogenannten Liaison and Observation Teams (LOT) verteilt auf die Orte Sarajevo, Foca, Gorazde und Konjic inmitten der Bevölkerung. Die vier deutschen LOT hatten die Aufgabe, die allgemeine Lage durch vielfältige Kontakte mit den Vertretern des öffentlichen Lebens festzustellen und für die bosnische Bevölkerung ansprechbar und sichtbar zu sein. Die Arbeit der LOT in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen wurde von fünf regionalen Koordinierungszentren (RCC) gesteuert. Die Teams wurden von den bosnischen Bürgern als Garant für Sicherheit und Frieden betrachtet.

Die Entwicklung in Bosnien und Herzegowina in den letzten Jahren, und hier insbesondere die stabile Sicherheitslage, erlaubte die Reduzierung der militärischen Präsenz der EU-Operation ALTHEA von ca. 6.500 im Jahr 2004 auf etwa 1.900 im September 2010. Der Umfang des deutschen Gesamtkontingents lag mit Stand September 2010 bei etwa 110 Soldaten, ein Jahr später lag die Gesamtstärke von EUFOR noch bei 1.300 und die des deutschen Kontingents noch bei 15 Soldaten.

Der Rat für Außenbeziehungen der EU hatte am 25. Januar 2010 den Aufbau eines nichtexekutiven Anteils mit Ausbildungs-und Beratungscharakter für die bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte beschlossen, der im September 2010 die volle Einsatzbereitschaft erreichte. Darüber hinaus wurde die grundsätzliche Bereitschaft der EU unterstrichen, das exekutive Mandat von EUFOR ALTHEA auch über 2010 hinaus aufrecht zu halten, sollte dies erforderlich sein.

Ab Ende 2011 konzentrierte Deutschland seine Beteiligung an EUFOR ALTHEA auf die Unterstützung und Beratung der bosnischen Streitkräfte im Rahmen des nichtexekutiven Anteils der Operation und stellte gemeinsam mit Österreich ein Reservebataillon. Deutschland unterstützte in dieser Phase die Weiterentwicklung der Operation in eine nichtexekutive Ausbildungsmission bei weiterer Unterstützung des EU-Sonderbeauftragten und anderer Akteure der EU sowie der internationalen Gemeinschaft.

Am 16. November 2012 endete die deutsche Beteiligung an der Operation EUFOR ALTHEA. Die letzten deutschen Soldaten hatten bereits am 27. September 2012 ihren Einsatz in Bosnien und Herzegowina beendet. Zum 16. November 2012 endete dann auch die Bereitstellung des deutschen Anteils am Reservebataillon. Damit wurde nach 17 Jahren der erste große und bislang längste Auslandseinsatz der Bundeswehr beendet, der im Juli 1995 mit einem deutschen Kontingent bei UNPROFOR und im Dezember 1995 bei IFOR begann.

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Stand vom: 19.05.14


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