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Ich bin iM EINsatz: „Four Nations – One Mission – One Team“

Koulikoro, 21.11.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptmann Rainer H. in Mali – es ist bereits sein vierter Einsatz im Ausland
Hauptmann Rainer H. in Mali – es ist bereits sein vierter Einsatz im Ausland (Quelle: Bundeswehr/Patricia Franke)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptmann Rainer H. und als Einsatzoffizier in der Sanitätseinsatzkompanie EUTM Mali in Koulikoro eingesetzt. An meinem Heimatstandort Dornstadt bin ich als Kompaniechef im Sanitätsregiment 3 tätig. Dies ist mein vierter Auslandseinsatz. Nach zwei Einsätzen bei KFOR in den Jahren 2008 und 2010 folgte 2012 eine Verwendung als Einsatzoffizier in der Sanitätseinsatzkompanie im 29. Deutschen Einsatzkontingent ISAF in Afghanistan.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Einsatzoffizier bin ich der Stellvertreter der Kompaniechefin und für alle nicht-medizinischen Bereiche der Kompanie verantwortlich. Zusätzlich nehme ich die Aufgaben als Zugführer des „Medical Emergency Physician Teams (MEPT)“ wahr.

Die Teilnahme an Besprechungen, das Vorbereiten von Übungen sowie die Einsatzplanung der verschiedenen Teams gehört ebenso zu meinen Aufgaben, wie das militärische Meldewesen. Als Ansprechpartner „für alle Fälle“ gilt es oft Probleme zu klären und schnell Lösungen zu finden, die am besten nachhaltig sind. Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Teileinheiten und das gemeinsame „Anpacken“ zeigen mir, dass alle das Bestmögliche erreichen wollen. Das gibt mir eine große Zufriedenheit und Erfüllung im täglichen Dienst.

Gelebte Multinationalität: Hauptmann H. im Gespräch mit serbischen und belgischen Soldaten
Gelebte Multinationalität: Hauptmann H. im Gespräch mit serbischen und belgischen Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Patricia Franke)Größere Abbildung anzeigen

Die Sanitätseinsatzkompanie hat sich in den letzten Monaten stark gewandelt. Bis Anfang September bestand sie aus Soldaten zweier Nationen: Serbien und Deutschland. Dabei nutzten die serbischen Kameraden unser Sanitätsmaterial, einschließlich des Beweglichen Arzttrupps auf dem Eagle IV.
Seit Oktober sind belgische und spanische Soldaten dazu gekommen. So sind zwei belgische „Medical Emergency Teams (MET)“ sowie eine mobile „Role 1“ (truppenärztliche Versorgung) und ein spanisches MEPT nun in der Kompanie integriert. Das ist für mich eine ganz neue und einzigartige Erfahrung, da neben den unterschiedlichen Einsatzgrundsätzen auch die Rettungsmittel verschieden aufgebaut sind.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ohne die Techniker im Hintergrund läuft nichts
Ohne die Techniker im Hintergrund läuft nichts (Quelle: Bundeswehr/Patricia Franke)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe mich auf meinen vierten Einsatz gut vorbereitet. Ich habe vorher viel über Land und Leute gelesen und einige zusätzliche Ausbildungen absolviert, um bestmöglich für die Aufgabe gerüstet zu sein. Als ich hier in Koulikoro ankam, war jedoch manches wesentlich komplexer, als in der blanken Theorie. Vieles in der Sanitätseinsatzkompanie muss aufgrund der langen Stehzeit im Einsatz und der damit verbundenen thermischen Belastung erneuert werden. Unsere Fachleute sorgen mit ihrem hohen Engagement dafür, dass mancher Geräteausfall sofort behoben wird und die Sanitätseinrichtung weiterhin ihren Auftrag erfüllen kann.

Ohne diese Profis im Hintergrund würde die „Role 2“ (erste chirurgische Versorgung) zum Erliegen kommen. Hoher Koordinationsaufwand aufgrund der Multinationalität sowie die enge Zusammenarbeit mit mehr als 500 Soldaten aus 23 Nationen in einem Camp, stellen besondere Höhepunkte in diesem Einsatz dar.

Es macht Spaß, gemeinsam mit den Kameraden der anderen Nationen Einsätze und Übungsvorhaben zu planen, sich abzusprechen und – das ist das Entscheidende – einander zu vertrauen und sich aufeinander verlassen zu können. Es ist selbstverständlich, dass manche Sprachbarriere vorhanden ist. Aber mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen und viel Eigeninitiative auf allen Seiten konnten wir bisher all unsere Aufträge bestens erfüllen.

Vor 15 Jahren schlicht undenkbar: In der Sanitätseinsatzkompanie arbeiten serbische und deutsche Soldaten eng zusammen
Vor 15 Jahren schlicht undenkbar: In der Sanitätseinsatzkompanie arbeiten serbische und deutsche Soldaten eng zusammen (Quelle: Bundeswehr/Patricia Franke)Größere Abbildung anzeigen

Besonders hervorheben möchte ich, dass wir es geschafft haben, nicht nur als Sanitätsbegleitung in der realen Versorgung beim Schießen oder Sprengen wahrgenommen zu werden. So unterstützen wir – bei freien Kapazitäten – auch als Sanitätsausbilder, hier vor allem bei der belgischen und spanischen Force Protection. Ebenso ist unsere fachliche Expertise bei verschiedenen Ausbildungsvorhaben mit der malischen Armee gefragt und geschätzt. Unser Motto lautet daher: „Four Nations – One Mission – One Team“.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Bayer in Mali – die Vorfreude auf die Rückkehr ins vorweihnachtliche Deutschland ist groß
Ein Bayer in Mali – die Vorfreude auf die Rückkehr ins vorweihnachtliche Deutschland ist groß (Quelle: Bundeswehr/Patricia Franke)Größere Abbildung anzeigen

So wie den meisten Soldaten geht es auch mir: Ich vermisse meine Frau und die Kinder – auch wenn es inzwischen mit der Betreuungskommunikation gut klappt und wir regelmäßig miteinander telefonieren können. Aber auch mein Zuhause, meine Freunde, Nachbarn und meine gewohnte Umgebung fehlen mir. Und nicht zu vergessen: Meine bayerische Heimat und das gute bayerische Essen. Ich freue mich schon, Mitte Dezember in mein weihnachtlich geschmücktes Zuhause zurückzukehren.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich möchte meinem Nachfolger, den ich auch schon länger kenne, ein für die Zukunft gut vorbereitetes Feld, sowie ein eingespieltes, multinationales MEPT übergeben. Nach meiner Rückkehr werde ich erst einmal den Jahreswechsel im Urlaub verbringen, um dann Anfang Januar die 3. Kompanie des Sanitätsregiments 3 in Dornstadt übernehmen zu dürfen. Für meinen weiteren Werdegang wünsche ich mir, dass ich noch möglichst lange an diesem schönen Standort tätig sein darf.

Meine persönlichen Grüße gehen an meine liebe Familie zu Hause, die bisher alles bestens gemeistert hat. Ich weiß, dass ich mich auf sie hundertprozentig verlassen kann. Ohne ihren Rückhalt könnte ich meinen Auftrag hier in Mali nicht erfüllen. Ebenso geht ein herzlicher Gruß an meine ehemalige Kompanie, die 9./Sanitätsregiment 3, und an meine künftige Einheit – mit einem Horrido-joho. Allen deutschen Soldaten weltweit wünsche ich einen erfolgreichen Einsatz und eine gesunde Rückkehr nach Hause.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Rainer H.


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