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CIMIC – Zuhören, zusammenbringen und Hilfe zusteuern

Erbil, 23.10.2017.

Die Sorgen der Menschen im Einsatzland ernst nehmen und Unterstützung anbieten. Vor allem schauen, was man gemeinsam bewegen kann. Das sind die Hebel mit denen Meik M., der Oberstleutnant und sein Kamerad Hauptfeldwebel Philipp Z., selbst große Steine ins Rollen bringen. So konnten sie im August 2017 mit Hilfe eines Partners aus ihrem CIMIC-Netzwerk Gelder für Krankenbetten, Überwachungsmonitore und Beatmungsgeräte für Kinder generieren. Und wie man aus vielen Befindlichkeiten im Lande ein Stimmungsbarometer macht, das zeigen sie gern.

Medizinische Hilfe für Kinder im Krankenhaus

Gespräche sind wichtig: Hier mit Jürgen Focke von Malteser International

Gespräche sind wichtig: Hier mit Jürgen Focke von Malteser International (Quelle: Bundeswehr/André Klimke)Größere Abbildung anzeigen

Wieder einmal kam die Hilfe aus Netzwerken genau da an, wo die Not mit am größten ist: Im Hevi Pädiatrie Lehrkrankenhaus von Dohuk (kurz: HEVI). Gerade für die Kinder fehlt es hier am Nötigsten. Auf der Intensivstation stehen nur fünf Betten. „Das sind ganz klar zu wenig und widerspricht allen internationalen Standards“, so Jürgen Focke, der seit zweieinhalb Jahren für Malteser International arbeitet.

Ein Problem, bei dem CIMIC – so die Abkürzung für die zivil-militärische Kooperation im Einsatz – hilft, den Weg frei zu machen: „Unser Projekt ist mittlerweile so weit voran geschritten, dass nach vier Monaten die Mittel freigegeben wurden und vor kurzem ein symbolischer Scheck in Höhe von 35.500,- EUR vom Verein Lachen Helfen an die Krankenhausleitung übergeben werden konnte“, erklärt Oberstleutnant Meik M. „Der Betrag, von dem vier neue Krankenbetten, zwei medizinische Überwachungsmonitore und Beatmungsgeräte für Kleinkinder sowie sechs Infusionsständer angeschafft wurden, soll zunächst nur ein erster Teil von insgesamt 200.000,- EUR finanzieller Unterstützung sein.“ Die Zelle CIMIC hatte den Kontakt zwischen dem Hilfswerk Malteser International sowie Lachen Helfen e.V., der Initiative deutscher Soldaten und Polizisten für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten, und dem Krankenhaus hergestellt.

Im Krankenhaus in Dohuk, ca. 100 Kilometer nord-westlich der kurdischen Hauptstadt Erbil gelegen, werden Neugeborene, Kleinkinder und heranwachsende Kinder aus dem Raum Mosul behandelt. Jürgen Focke von Malteser International erzählt, dass das HEVI das einzige Kinderkrankenhaus im gesamten Bezirk Dohuk sei. Im Einzugsgebiet wohnen etwa 1,5 Millionen Menschen. Hinzu kommt ungefähr die gleiche Anzahl an Flüchtlingen.

Die Soldaten des 8. Deutschen Einsatzkontingentes haben ebenfalls Spenden gesammelt. Durch freiwillige Eigeninitiative kam so ein stolzer Betrag in Höhe von 1.695,30 EUR zusammen, welcher nun zusätzlich für die Anschaffung von medizinischem Gerät zur Verfügung steht. Das Kinderkrankenhaus soll auch künftig unterstützt werden.

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Im Netzwerk wirken Land und Leute und internationale Hilfen

Symbolisch konnte ein Scheck in Höhe von 35.500,- EUR an die Krankenhausleitung übergeben werden

Symbolisch konnte ein Scheck in Höhe von 35.500,- EUR an die Krankenhausleitung übergeben werden (Quelle: Bundeswehr/André Klimke)Größere Abbildung anzeigen

CIMIC besteht aus dem Aufbau zivil-militärischer Beziehungen und der Unterstützung der Streitkräfte sowie ziviler Stellen. „Schwerpunkt der Arbeit ist der Aufbau eines Netzwerkes, das sogenannte Networking“, erzählt Oberstleutnant Meik M. und ergänzt: „Wesentlich ist dabei, über die gesamte autonome Region Kurdistan Verbindungen zu nationalen und internationalen, staatlichen sowie nichtstaatlichen Organisationen aufzubauen, zu pflegen oder zu intensivieren.“

Unter diesen Organisationen befinden sich sowohl national ansässige staatliche Einrichtungen wie Ministerien oder kommunale Behörden, als auch Global Player wie z.B. das Internationale Rote Kreuz, Malteser International oder die GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GmbH). Darüber hinaus lässt sich die Liste nahezu beliebig um große und kleine Hilfsorganisationen aller Art aus der ganzen Welt erweitern.

Hintergrund des Netzwerkaufbaus ist insbesondere der Informationsaustausch. „Das bedeutet, dass alle Informationen, die wir in Gesprächen erhalten, in unsere Bewertung der Lage im Einsatzland mit einfließen“, erklärt Hauptfeldwebel Philipp Z. „Wenn wir z.B. während eines Gesprächs von einem kritischen Stimmungsbild gegenüber der lokalen Regierung, gegenüber uns selbst oder aber auch angesichts der allgemeinen humanitären Situation innerhalb der Bevölkerung Kenntnis erlangen, wird dies gemeinsam mit allen anderen Informationen in einem Bericht festgehalten.“ Mehr als 60 Gespräche haben die beiden während ihres mehrmonatigen Einsatzes im Nordirak geführt.

„Die Berichte tragen dazu bei, dass der Kommandeur des Einsatzkontingentes das gesamte Lagebild mit allen für ihn wesentlichen zivilen und militärischen Bestandteilen schließlich richtig bewerten kann sowie Maßnahmen für das künftige eigene Handeln daraus ableiten kann“, erläutert der Hauptfeldwebel. Weiter führt er aus, dass dadurch letztendlich auch der Schutz der eigenen Frauen und Männer erhöht wird. „Durch das CIMIC-Netzwerk erhalten wir durch die vielen verschiedenen zivilen Organisationen wertvolle Informationen, welche das Gesamt-Lagebild ergänzen.“

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Kontakte pflegen und verbindlich sein

Informationsfluss basiert auf Vertrauen

Informationsfluss basiert auf Vertrauen (Quelle: Bundeswehr/André Klimke)Größere Abbildung anzeigen

Eine besondere Herausforderung ist es, die etwa 90 Kontakte im kurdischen Teil des Irak zu pflegen. „Man muss schauen, dass man alles unter einen Hut bringt und jedem gerecht wird. Aber das macht es auch so interessant“, erzählt Oberstleutnant Meik M., der selber bereits zum vierten Mal im Auslandseinsatz ist.

„Hier ist ein viel komplexeres Szenario und höheres Aufkommen von Hilfsorganisationen als beispielsweise im Kosovo“, ergänzt der 33-jährige Phillip Z. Alle Seiten profitieren sehr von ihrem großen Netzwerk. Der Informationsfluss auf Vertrauensbasis sei innerhalb der zurückliegenden Monate immer umfangreicher und besser geworden.

Anhand der Leitlinien, welche Oberst Peter Eichelsdörfer als Kommandeur des deutschen Einsatzkontingentes ausgegeben hat, richtet Oberstleutnant Meik M. seine Schwerpunkte aus. Ausbildung für die Peschmerga.

Die Peschmerga sind motiviert bei der CIMIC-Ausbildung

Die Peschmerga sind motiviert bei der CIMIC-Ausbildung (Quelle: Bundeswehr/CIMIC)Größere Abbildung anzeigen

Die aus nur zwei Mann bestehende CIMIC-Abteilung trägt aber auch ihren Teil zur Ausbildung der Peschmerga bei. In einem eintägigen Kurs, welcher Bestandteil einer mehrwöchigen Bataillonsausbildung ist, lernen die Peschmerga hauptsächlich die Grundlagen der zivil-militärischen-Zusammenarbeit kennen. Dabei sollen sie neben fachlichen Inhalten auch erkennen, auf welche Weise man zielgerichtet Gespräche mit zivilen Akteuren führen und wie man die gewonnenen Informationen nutzen kann. „Wir zeigen den Peschmerga, was das zivile Lagebild ist und inwiefern dieses in das Gesamtlagebild einfließt“, beschreibt Oberstleutnant Meik M. zusammenfassend die Ausbildungsinhalte.
Über die vergangenen vier Monate wurde das Führungspersonal von zwei Bataillonen und zwei Brigaden der Peschmerga in die wesentlichen CIMIC-Grundlagen eingewiesen.

CIMIC ist eine Erfolgsgeschichte. In den vergangenen Jahren hat die Fachaufgabe mit der Verbindungsarbeit, der Unterstützung von zivilen Einrichtungen und Partnern sowie der Erstellung des zivilen Lagebildes und der Beratung der militärischen Führer vor Ort spürbar an Bedeutung gewonnen. CIMIC ist heute weltweit ein integraler und unabkömmlicher Bestandteil von Stabilisierungseinsätzen der Bundeswehr.

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Stand vom: 24.10.17 | Autor: PAO Erbil


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