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Dust off Training: Verwundeten-Übergabe unter laufendem Rotor

Erbil, 14.12.2017.

Am Anfang mussten die Ärzte und Sanitäter des deutschen Kontingents in Erbil nur die Sprachbarriere zu ihren amerikanischen Ausbildern überwinden. Als die Piloten dann die Triebwerke des Blackhawk Hubschraubers starteten, bleibt den Soldaten fast die Sprache weg. Während sie sich gegen den Wind der Rotoren stemmen und der Lärm in ihren Ohren dröhnt, steigt das Adrenalin. Den Blick auf die Besatzung des Hubschraubers gerichtet, verharren die Männer und Frauen in konzentrierter Anspannung. Zwischen ihnen und der Besatzung des Hubschraubers liegt nun die gewaltige Kraft der Rotorblätter.

Jedem ist klar: Alles muss richtig gemacht werden. Das hier sind Momente, in denen sich das Schicksal eines Verwundeten entscheiden kann. Der Transport von Verwundeten per Hubschrauber spart kostbare Zeit und rettet somit Leben. Wie oft würden die Patienten bei schlechten Straßenverhältnissen oder besonders schweren Verletzungen nicht rechtzeitig die nächste Sanitätseinrichtung erreichen? Deshalb war es Oberstabsarzt Annkatrin P., der deutschen Truppenärztin in Erbil, besonders wichtig, ihre Kameraden in der Übergabe von Patienten an die Luftretter auszubilden.

Auf die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Piloten kann sie dabei zählen. Sie stellen mit ihren Besatzungen rund um die Uhr die Verfügbarkeit der Rettungshubschrauber sicher. Daneben bilden sie die Kameraden der Partner-Nationen gerne für die bestmögliche Zusammenarbeit mit ihnen aus. Hier nun die Szenen des Trainings mit den Erlebnissen der Soldaten.

US-Ausbilder weisen in das Verfahren zur Aufnahme des Verwundeten ein.

US-Ausbilder weisen in das Verfahren zur Aufnahme des Verwundeten ein. (Quelle: U.S. Army/U.S. Army photo by Sgt. Tracy McKithern)Größere Abbildung anzeigen

Die Fach-Anweisungen auf Englisch werden schnell verstanden. „Das waren ja auch Medics“, sagt er sich und so macht es für Hauptfeldwebel Marcel H. keinen Unterschied, ob die Ausbildung auf Englisch oder Deutsch stattfand. Für Stabsunteroffizier David R. ist der Ausbilder noch aus einem anderen Grund gut zu verstehen: „Es hat mich an die MEDEVAC-Ausbildung in der Einsatzvorausbildung erinnert. Deshalb wusste ich, was er wollte.“

Letzter Absprachen bevor es losgeht.

Letzter Absprachen bevor es losgeht. (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

„Wenn man darauf wartet, auf den Hubschrauber zuzulaufen, hat man ganz schön Respekt davor.“ In diesem Moment kommt es für Hauptfeldwebel Verena R. vor allem auf die Zusammenarbeit im Team an: „Man hat sich vorher kurz abgesprochen, dann hat das sehr gut funktioniert.“ Auch ihrem Kameraden Hauptfeldwebel Tobias R. ist dabei klar: „Tragekommandos funktionieren in dieser Situation nicht über die Sprache. Die notwendigen Zeichen gehen wir davor noch mal durch.“

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Der Patient steht im Mittelpunkt

Mit den Füßen voran wird der der Patient an der Seitentür entgegengenommen

Mit den Füßen voran wird der der Patient an der Seitentür entgegengenommen (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Das Rettungsteam geht die einzelnen Bewegungen und Handgriffe am Hubschrauber mehrmals mit den Ausbildern in Ruhe durch. Unter Stress zahlt sich das später aus: „Man spult einen Automatismus ab, dass man den Patienten, so wie es sein soll, in den Hubschrauber bekommt. Alles andere merkt man nicht“, beschreibt Oberstabsarzt Annkatrin P. das gewünschte Ergebnis der Ausbildung.

Vier Mann, vier Ecken: Auf Kommando setzen sich die Träger Richtung Hubschrauber in Bewegung.

Vier Mann, vier Ecken: Auf Kommando setzen sich die Träger Richtung Hubschrauber in Bewegung. (Quelle: U.S. Army/U.S. Army photo by Sgt. Tracy McKithern)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Trockentraining wird es für die Übungsteilnehmer bei laufenden Turbinen nun Ernst. Neben dem sicheren Weg zum Hubschrauber und der Kontaktaufnahme mit der Besatzung steht natürlich der Patient im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er kennt weder die Umgebung, in der er sich befindet, noch den Ablauf des Transports. Mit dem Blick nach oben sieht er nur die Rotorblätter und spürt ihren starken pulsierenden Druck. Deswegen sprechen die Sanitäter mit dem Verletzten und erklären ihm die Situation. Hauptfeldwebel Marcel H., der sich freiwillig als Übungsverletzter gemeldet hat, fühlt sich deswegen auf der Trage „ein bisschen komisch, aber dennoch geborgen.“

Stress auf den letzten Metern: Extrem-Lärm, Staub und Druckwellen schlagen den Trägern entgegen.

Stress auf den letzten Metern: Extrem-Lärm, Staub und Druckwellen schlagen den Trägern entgegen. (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Vom Weg in Richtung Hubschrauber und auf die wirbelnden Rotorblätter zu bleibt Hauptfeldwebel Marcel S. vor allem eines in Erinnerung: „Der Wind hat richtig Power. Da muss man sich teilweise richtig dagegen stemmen. Beim Tragen macht es sich bemerkbar. Das kostet mehr Kraft.“ Stabsunteroffizier Björn K. findet die Situation immer wieder spektakulär: „Man unterschätzt die Gewalten, die dahinter stecken. Gerade der Wind, Staub und Sand setzen einem zu.“

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Ohne Sichtkontakt aus der Gefahrenzone

Beim Abrücken vom Hubschrauber bleibt man eng zusammen.

Beim Abrücken vom Hubschrauber bleibt man eng zusammen. (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem der Patient erfolgreich übergeben wurde, trägt Hauptbootsmann Stefan S. die Verantwortung für sein Team: „Ich gebe das Tempo vor, wie schnell wir aus der Gefahrenzone heraus gehen und wo wir uns entlang bewegen.“ Ohne Sichtkontakt muss er sich im Lärm mit Gehörschutz und Schutzweste vorerst jedoch blind darauf verlassen, dass der Trupp hinter ihm zusammenbleibt. In sicherer Entfernung gibt es für ihn dann nur eine Frage: „Sind auch wirklich alle mit zurückgekommen oder ist irgendwo jemand gestürzt?“

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Im fliegenden Krankenwagen

Nachbesprechung mit dem amerikanischen Ausbilder

Nachbesprechung mit dem amerikanischen Ausbilder (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Oberstabsarzt Sebastian S. betreut als Truppenarzt den Patienten bis zur Übergabe an die Besatzung des Hubschraubers. Deswegen hatte er noch einige Fragen an die amerikanischen Kameraden: „Interessant war, was während des Transports im Hubschrauber tatsächlich noch behandelt wird und auch welche Medikamente die Kollegen dabei haben. 30 Medikamente und Blutkonserven, das ist sehr beeindruckend.“ Diese Ausstattung macht den Hubschrauber zu einer Art fliegendem Krankenwagen. Aber auch die medizinische Ausbildung der Crew ist beachtlich: „Die sind gut trainiert. Drillmäßig haben sie Schemata oder Handlungsabläufe für nahezu alle Arten von Verletzungen drauf. So kann für den Patienten auch während des Transports bestmöglich alles getan werden.“

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Stand vom: 14.12.17 | Autor: PAO DEU EinsKtgt AusbUstg NIRQ


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