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Ich bin iM EINsatz: „Mali statt Bali“ – Als Jugendoffizier im Einsatz

Koulikoro, 19.06.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptmann Weber ist in Mali als Presseoffizier tätig
Hauptmann Weber ist in Mali als Presseoffizier tätig (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Christian Weber. Ich bin seit knapp zwölf Jahren bei der Bundeswehr. Als Jugendoffizier in der Lüneburger Heide stehe ich der Öffentlichkeit für alle Fragen rund um die Themen Bundeswehr und Sicherheitspolitik zur Verfügung. Dazu halte ich Vorträge, vorrangig an Schulen. Zusätzlich biete ich sicherheitspolitische Seminare an.

Bislang war ich noch nicht im Einsatz. Für mich ist es aber wichtig, dass ich Informationen über die Einsätze der Bundeswehr aus erster Hand weitergeben kann. Deshalb habe ich mich für diesen Einsatz als Presseoffizier des deutschen Einsatzkontingentes in Mali beworben.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Fotograf, Autor, Berater und Begleiter von Journalisten – alles in einer Person
Fotograf, Autor, Berater und Begleiter von Journalisten – alles in einer Person (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Ich schreibe Berichte und Artikel für Bundeswehr- und externe Medien, begleite Journalisten im Einsatzland, dokumentiere das Einsatzgeschehen, berate den Kontingentführer bei der Pressearbeit und bin zusätzlich für die Begleitung von Besuchern zuständig.

Das Schöne an meiner Aufgabe ist, dass ich die Möglichkeit habe, alle Facetten dieses Einsatzes kennenzulernen. Aufgrund des vergleichsweise sicheren Umfeldes können wir Soldaten uns in unserem Einsatzraum im Süden Malis relativ frei bewegen. Da ich als Presseoffizier ständig unterwegs bin, habe ich bereits viel vom Land gesehen, viele Menschen kennengelernt.

„Viel Zuspruch und Freundlichkeit“ - Begegnung mit malischen Kindern
„Viel Zuspruch und Freundlichkeit“ - Begegnung mit malischen Kindern (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Die Freundlichkeit, mit der die Bevölkerung uns hier begegnet und ihre Lebensfreude, trotz großer Armut, werde ich nie vergessen. Den Menschen ist bewusst, dass wir sie durch die Ausbildung der malischen Streitkräfte in ihrem Kampf gegen Extremisten und Rebellen unterstützen. Wir erhalten viel Zuspruch von Seiten der Bevölkerung.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Bei der Begleitung von Journalisten während der Ausbildung malischer Soldaten
Bei der Begleitung von Journalisten während der Ausbildung malischer Soldaten (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Mich hat von Anfang beeindruckt, wie professionell, ausdauernd und geduldig unsere Trainer die malischen Soldaten ausbilden. Diesen Eindruck möchte ich an Journalisten, Besucher und durch meine eigenen Berichte weitergeben.

Es sind aber auch die kleinen Begebenheiten am Rande dieses Einsatzes, die mir lange im Gedächtnis bleiben werden.

Kino für die Bevölkerung von Koulikoro
Kino für die Bevölkerung von Koulikoro (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali )Größere Abbildung anzeigen

Gleich in der ersten Woche nach meiner Ankunft, habe ich beim Aufbau eines Kinos für die Malier in unserem Standort in Koulikoro unterstützt. Von lauter strahlenden Kindern und Jugendlichen umgeben zu sein, die sich über unsere kleine Aktion freuten, war ein tolles Gefühl und ein schöner Einstieg in den Einsatz.

An der europäischen Ausbildungsmission in Mali sind über 23 Nationen beteiligt. Diese Multinationalität ist überall im Lager spürbar. Jede Nation pflegt dabei ihre eigenen Sitten und Gebräuche. Die Finnen haben sich eine eigene Sauna gebaut, die Italiener backen hin und wieder Pizza und wenn die Spanier den Speisesaal betreten wird es oft so laut, dass man beinahe sein eigenes Wort nicht mehr versteht.

Improvisation - grünes Licht für Irland
Improvisation - grünes Licht für Irland (Quelle: Bundeswehr/Christian Weber)Größere Abbildung anzeigen

Die Kameraden aus Irland hatten sich zu ihrem St. Patrick´s Day ein Bild mit grüner Illumination gewünscht. Am 17. März ist Grün die vorherrschende Farbe feiernder Iren in aller Welt. Da aber nirgends ein grüner Lichtfilter aufzutreiben war, stellte sich die Aufnahme schwierig dar. Die Lösung hatte ein findiger Oberfeldwebel vom Feldlagerbetrieb, indem er leere Flaschen auf eine Lampe bastelte. Nur eines von vielen Beispielen, das zeigt, dass man mit etwas Improvisationstalent im Einsatz für fast alles eine Lösung findet. Auch wenn die Kommunikation nicht immer einfach ist, das Arbeiten in einem internationalen Einsatz macht mir viel Freude.

Das Ergebnis: Die irischen Soldaten am St. Patrick´s Day
Das Ergebnis: Die irischen Soldaten am St. Patrick´s Day (Quelle: Bundeswehr/Christian Weber)Größere Abbildung anzeigen

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meine Frau, meine Familie und die Freunde, meine Heimatstadt Hamburg und meine Lieblingsstadt Berlin. Ich freue mich wieder auf einen normalen Alltag und darauf, die Annehmlichkeiten einer Großstadt zu genießen. Dazu gehört für mich auch eine ausgiebige Tour durch meine Lieblingsrestaurants nach meiner Rückkehr.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich kann mich gut an meinen letzten Vortrag vor einer Schulklasse vor meinem Abflug erinnern. Von einem Einsatz in Mali hatten die wenigsten bislang gehört. Einer dachte sogar, ich würde nach Bali fliegen…

Ich freue mich darauf, künftig als Jugendoffizier von einem Einsatz zu berichten, der aus meiner Sicht sehr sinnvoll und durchaus erfolgreich ist – leider jedoch bislang in der öffentlichen Wahrnehmung relativ wenig Beachtung findet. Das möchte ich durch meine Vorträge und mit den gesammelten Erfahrungen ändern und hoffe auf viele spannende Diskussionen in der Heimat.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Christian Weber


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