Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Ich bin iM EINsatz: „Die Anerkennung der Kameraden ist unbezahlbar.“

Ich bin iM EINsatz: „Die Anerkennung der Kameraden ist unbezahlbar.“

Koulikoro, 27.07.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Findet immer eine Lösung –  Major Elisabeth F. ist die Leiterin der Einsatzwehrverwaltung im malischen Koulikoro
Findet immer eine Lösung – Major Elisabeth F. ist die Leiterin der Einsatzwehrverwaltung im malischen Koulikoro (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Major d.R. Elisabeth F., 47 Jahre alt und derzeit als Leiterin der Einsatzwehrverwaltungsstelle in Koulikoro bei der EUTM Mali zum zehnten Mal im Auslandseinsatz. Meine dienstliche Heimat ist das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Bruchsal. Mein erster Einsatz führte mich 2012 in das 27. Deutsche Einsatzkontingent ISAF in Afghanistan. Es folgten ausschließlich Einsätze in Afrika (Atalanta, MINUSMA und EUTM MLI).

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Im Kontakt mit lokalen Unternehmen: Information einholen, Verträge aushandeln
Im Kontakt mit lokalen Unternehmen: Information einholen, Verträge aushandeln (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Als Leiterin der Einsatzwehrverwaltungsstelle bin ich zusammen mit meinem Team (zwei Sachbearbeiter für die Bereiche Beschaffung und Haushalt sowie der Rechnungsführer) für alle Haushalts-, Wirtschafts- und Vertragsangelegenheiten des deutschen Kontingents und der deutschen Anteile der in Bamako stationierten Soldaten der Mission MINUSMA zuständig. Dabei geht es um Finanzen, die Einkäufe von Material vor Ort, Mobilität und die Einstellung und Personalbearbeitung der Ortskräfte, wie beispielsweise unserer Übersetzer. Auszahlungen, Rechnungen und die Bargeldversorgung der Soldaten bestimmen unseren Alltag.

Kritik gibt es – gerade wenn es ums liebe Geld geht – auch mal. Meist finden wir jedoch schnell eine Lösung. Natürlich müssen dabei stets geltende Regelungen, Weisungen und Gesetze eingehalten werden. Jeder Cent muss schließlich gegenüber den Kontrollstellen in Deutschland nachgewiesen werden. Das erfordert im Einsatz besondere Sorgfalt und ist nicht immer ganz so einfach. Da gilt es dann auch mal zu vermitteln und neue Lösungsansätze zu finden. Positives Feedback der Soldaten freut mich besonders, diese Art der Anerkennung ist unbezahlbar.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Meine Motivation – auch nach so vielen Einsätzen – ist immer noch die Arbeit mit den Soldaten. Auf großartige Kameraden zu treffen, auch unter den Soldaten anderer Nationen, schafft unbeschreibliche Freude.

Im Einsatz macht man Erfahrungen auf der menschlichen Ebene, die man nirgendwo sonst machen kann. Erfolge und Rückschläge halten sich auf dienstlicher Ebene die Waage. Man lernt sich selbst und andere in außergewöhnlichen Situationen ungeschminkt kennen, entwickelt einen völlig anderen Blick auf sich und andere, auch auf politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse in der Heimat.

In einem Krisengebiet zu arbeiten, ist doch ein krasser Gegensatz zu Urlaubserfahrungen. Dabei gab und gibt es ganz viele besondere Erlebnisse – eines herauszugreifen, fällt mir sehr schwer. Spontan fällt mir ein, wie sehr sich eine der Ortskräfte im Camp Marmal bei ISAF damals über ein Paar Handschuhe, die mir zu groß waren, gefreut hat. Noch heute erhalte ich von Soldaten, die aus Afghanistan zurückkommen, Grüße von dem afghanischen Mitarbeiter. Er hat die Handschuhe immer noch.

Wenn man wiederholt ins gleiche Einsatzland reist und feststellen muss, dass manche Dinge einfach nicht vorangehen, ist das weniger schön. Oft können durch zu kurze Stehzeiten von nur wenigen Wochen nur die wichtigsten Dinge erledigt werden. Deshalb bleibe ich gern länger in den Einsätzen. Dann lohnt sich auch der ganze administrative Aufwand zwischen den einzelnen Wehrübungen.

Die Erfahrungen aus den Einsätzen lassen viele Dinge in Deutschland in einem anderen Licht erscheinen
Die Erfahrungen aus den Einsätzen lassen viele Dinge in Deutschland in einem anderen Licht erscheinen (Quelle: Bundeswehr/Patrick Köhler)Größere Abbildung anzeigen

Manchmal macht mich die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen in Deutschland traurig. Ich würde mir etwas mehr Wertschätzung für unsere Lebensqualität wünschen. Auch ein bisschen mehr Anerkennung der Gesellschaft für den Beitrag, den die Soldaten im In- und Ausland leisten, um diese Qualität aufrecht zu erhalten, wäre wünschenswert. Ganz besonders ehrt es mich, dass meine inzwischen erwachsene Tochter stolz auf mich ist, und sie die eine oder andere meiner Sichtweisen für sich übernommen hat.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich ganz besonders meine Tochter und auch mein soziales Umfeld mit Familie, Freunden und den Kollegen. Meine Motorradtouren durch unser schönes Deutschland, mein Sportverein und Zwiebelrostbraten mit knackigem Salat fehlen mir hier auch. Genauso wie die eigenen vier Wände, die wunderschöne Natur drum herum und ein erfrischendes Sommergewitter. Ich schätze die Möglichkeit sehr, sich als unabhängige Frau in unserem Land frei bewegen zu können, das viele saubere Wasser, die Sicherheit und die Krankenversorgung.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für den Einsatz wünsche ich mir, dass die Bundesministerin der Verteidigung nicht wieder erst kurz nach meinem „out“ einen Truppenbesuch in Mali macht und ich sie mal treffen kann. Bisher habe ich sie leider immer ganz knapp verpasst. Das eine oder andere Projekt hoffe ich noch anstoßen und abschließen zu können. Für alle Kameraden in diesem und in allen anderen Einsätzen wünsche ich mir, dass ihnen nichts passiert und sie alle gesund wieder nach Hause zurückkehren. An dieser Stelle ganz herzliche Grüße an diese ganz besonderen Menschen in allen Einsätzen.

Der wohl wieder sehr kurze Aufenthalt in der Heimat bietet hoffentlich genügend Gelegenheiten, um – neben den Vorbereitungen auf den nächsten Einsatz – meine Familie, Freunde und Lieblingsplätze zu besuchen, viel Sport zu machen und Motorrad zu fahren. Längerfristig wünsche ich mir vor allem Gesundheit für mich und meine Lieben und eine berufliche Tätigkeit nach den Einsätzen, in der ich meine Erfahrungen der letzten Jahre weitergeben kann. Und dann steht da noch der Roadtrip durch Patagonien auf dem Plan.


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 12.12.17 | Autor: Elisabeth F.


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CAC9A5V278DIBR