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Ich bin iM EINsatz: Präsenz zeigen für ein sicheres Umfeld

Novo Selo, 19.09.2014.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In fünfzehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberleutnant Frederik F. ist in seinem ersten Einsatz im Norden des Kosovo
Oberleutnant Frederik F. ist in seinem ersten Einsatz im Norden des Kosovo (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Oberleutnant Frederik F. und ich bin seit 2006 bei der Bundeswehr. In Deutschland leiste ich meinen Dienst im Panzerbataillon 33 in Neustadt am Rübenberge. Derzeit absolviere ich meinen ersten Auslandseinsatz innerhalb der Einsatzkompanie des 38. Deutschen Einsatzkontingents KFOR in Novo Selo.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Zugführer des Alpha-Zuges der Einsatzkompanie führe ich insgesamt 28 Soldaten. Sie stammen aus meinem Heimatverband und aus dem Panzerartillerielehrbataillon 325 aus Munster. Wir führen Aufklärungsaufträge und Patrouillen im Norden des Kosovo durch. Damit sorgen wir zum einen für ein sicheres und stabiles Umfeld und zum anderen stellen wir die Bewegungsfreiheit für KFOR sicher.

Besprechung mit den Soldaten seines Zuges
Besprechung mit den Soldaten seines Zuges (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Dabei stehe ich vor der besonderen Herausforderung, auch einsatzerfahrene und lebensältere Kameraden in meinem unterstellten Bereich zu haben. Sie haben bereits Einsatzerfahrungen im Kosovo oder auch in Afghanistan gesammelt. Daraus lassen sich jedoch viele positive Effekte gewinnen. Denn gerade diese Kameraden arbeiten äußerst selbstständig und stellen somit eine große Unterstützung für mich dar. Außerdem stehen sie nicht nur mir, sondern allen Kameraden stets hilfestellend zur Seite, so dass alle Seiten davon profitieren.

Wir waren aufgrund der Unruhen im Raum Mitrovica an der bekannten Austerlitz-Brücke im Wechsel mit den Kameraden der anderen Nationen eingesetzt, um Präsenz zu zeigen. Gerade an dieser symbolischen Schnittstelle sorgen wir für ein sicheres Umfeld. An der Brücke trennt immer noch eine Straßensperre den Norden vom Süden des Landes.

Die Soldaten der Einsatzkompanie im Einsatz auf der Austerlitz-Brücke in Mitrovica
Die Soldaten der Einsatzkompanie im Einsatz auf der Austerlitz-Brücke in Mitrovica (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Die Unruhen an der Brücke haben meinen Soldaten und mir gezeigt, dass die tief in der Bevölkerung verwurzelten Konflikte zwischen Kosovo-Serben und Kosovo-Albanern Gefahren bieten, die zu gewalttätigen Handlungen führen können. Von daher ist es im Umgang mit der Bevölkerung für uns besonders wichtig, das neutrale Bild von KFOR im Land aufrecht zu erhalten, um als Garant für die Sicherheit beider Seiten gleichermaßen anerkannt zu sein.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der Einsatz im Kosovo ist für mich besonders wichtig. Gerade im Norden des Landes befindet man sich in einem Stabilisierungseinsatz, der seine eigenen Herausforderungen besitzt. Fährt man beispielsweise mit einer Patrouille von Süden nach Norden, so stellt man fast im Kilometertakt die zunehmende Zurückhaltung der Bevölkerung gegenüber KFOR fest. Dennoch begegnen einem auch die Kosovo-Serben nicht mit Anfeindungen, sie sind nur etwas distanzierter.

Die deutschen KFOR-Soldaten sind bei den kosovarischen Kindern sehr beliebt
Die deutschen KFOR-Soldaten sind bei den kosovarischen Kindern sehr beliebt (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Besucht man dagegen eine der wenigen albanischen Enklaven im Norden, begrüßen uns die vielen Kinder am Straßenrand und winken uns freudig zu. Auch die älteren Kosovo-Albaner freuen sich, wenn KFOR in ihrem Dorf Präsenz zeigt. Wir genießen bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen und müssen stets bemüht sein, diesem auch weiterhin gerecht zu werden.

Gerade im Norden ist oft Fingerspitzengefühl gefragt. Eine weitere Herausforderung stellt die Zusammenarbeit mit den vielen internationalen Kameraden dar: Von Franzosen, US-Amerikanern, Ukrainern, über Türken, Slowenen, Griechen und Österreichern sind etliche Nationen mit uns im Einsatz.

Ich bin ich sehr froh, dass ich in meinem Zug Soldaten habe, die unter anderem russisch oder albanisch sprechen und mir so die Zusammenarbeit aber auch den Umgang mit der Bevölkerung oft erheblich erleichtern.

Das vermisse ich hier am meisten.

Zu allererst vermisse ich meine Frau und meine Familie. Es ist die bisher längste Trennung, die wir bewältigen müssen. Der Rest meiner Familie und auch meine Freunde und die Kameraden des Roten Kreuzes, wo ich mich ehrenamtlich engagiere, fehlen mir doch erheblich. Dank der gewöhnungsbedürftigen französischen Küche im Feldlager Novo Selo vermisse ich besonders gute deutsche Hausmannskost „nach Muttis Art“.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ganz besonders kommt es mir darauf an, alle meine Soldaten wieder heil nach Hause zu bringen. Ich hoffe, dass wir aus den Erfahrungen, die wir hier machen, viel Positives mit nach Deutschland nehmen können. Ich bin mir sicher, dass ich die normalen Herausforderungen im Alltag anders, vermutlich gelassener, bewältigen werde. Liebe Grüße an dieser Stelle an meine Frau, meine Eltern und meine Schwester und das Deutsche Rote Kreuz in Garbsen.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Frederik F.


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