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Nach Afghanistan und zurück – auf dem Weg zum Presseoffizier Reisebericht Teil III

Mazar-e Sharif, 06.01.2015.

Hauptmann Dominik W. ist Teil einer kleinen Delegation vom Presse- und Informationszentrum (PIZ) des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Er reist zur Unterstützung des Pressepersonals vor Ort nach Afghanistan. Er berichtet im Zuge seiner Dienstreise von seinen Erlebnissen aus dem Einsatzland.

Die „Theodor Heuss“ auf dem Rollfeld in Camp Marmal

Die „Theodor Heuss“ auf dem Rollfeld in Camp Marmal (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Afghanistan beginnt in Berlin. Zumindest für die Bundesministerin der Verteidigung und geladene Gäste und Journalisten, die sie auf ihren Afghanistanreisen begleiten. Zur diesmaligen und schon fast traditionellen Weihnachtsreise und dem gleichzeitigen Ende der International Security Assistance Force waren 28 Medienvertreter angekündigt. Und mit dieser Ankündigung, die uns im November erreichte, begann der zweite Teil unseres Auftrags. Dieser Auftrag der kleinen Afghanistandelegation vom Presse- und Informationszentrum des Einsatzführungskommandos lautete: den Besuch der Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt in der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung zu unterstützen.

Ein Großteil des Presseprogramms für Mazar-e Sharif war vom Chief Public Affairs Officer (Chief PAO) allerdings schon organisiert und abgesprochen, so dass der Sprecher Afghanistan am Donnerstag weiter nach Kabul reiste, um die Termine der Ministerin in der afghanischen Hauptstadt zu koordinieren. Unser Fotograf und ich verblieben im Camp Marmal, um bei der Umsetzung der zweitägigen Reise zu unterstützen, die am Morgen des 13. Dezembers begann.

Busshuttle für die Journalisten

Busshuttle für die Journalisten (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Als das weiße Regierungsflugzeug der Luftwaffe am Samstag auf den militärischen Teil des Flughafens Mazar-e Sharif rollte, wartete ich mit etwa einem Dutzend Soldaten und BKA-Beamten auf die Ministerin. Mit vier Fahrern und fünf Fahrzeugen sollte ich die Journalisten in Empfang nehmen und zu einem Snack und einer Internetanbindung ins sogenannte Atrium im Camp Marmal bringen. Auf Grund einer leichten Verspätung des „Theodor Heuss“ getauften Airbus und zugunsten des Zeitplans, wurde der Snack kurzerhand in das Terminal am Flugfeld verlegt und das Internet gestrichen. Solche Entscheidungen sind aus pressefachlicher Sicht immer unbeliebt, weil Journalisten nicht für Erlebnisse, sondern für abgesetzte Nachrichten und Berichte bezahlt werden. Letztlich braucht es aber Ergebnisse und die Entscheidung fiel so, weil der alleinige Nachrichtenwert des Fluges als gering eingeschätzt wurde und andernfalls das ganze Programm zu kippen drohte.

Die reichlich übermüdeten Journalisten, die am Vorabend losgeflogen waren und durch die Zeitumstellung ihre Nacht mitsamt dem zugehörigen Schlaf eingebüßt hatten, zeigten sich verständnisvoll und legten die bereitliegenden Schutzwesten an, um in die Stadt geflogen zu werden. Die Ministerin verblieb noch kurz im Lager zu einer Besprechung mit dem Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents und einer Besichtigung des Ehrenhains für die Gefallenen. Davon sollte für Bundeswehrmedien eine kleine Dokumentation gemacht werden, die ich begleitete. Ein Fotograf und ein Kameramann von der Berliner Redaktion der Bundeswehr und mein Fotograf waren vor Ort, als die Ministerin am Denkmal für die gestorbenen Soldaten betete, bevor sie ebenfalls in die Stadt aufbrach.

Journalisten im Atrium des Camp Marmal

Journalisten im Atrium des Camp Marmal (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Im Lager gingen die Vorbereitungen weiter für den weiteren Verlauf der Reise. Denn nach Rückkehr der Pressevertreter aus der Stadt mussten die Unterkünfte und der Arbeitsraum für das Erstellen und Versenden von Artikeln, Hörfunk- und Fernsehbeiträgen vorbereitet sein. Auch Fragen wie die Internetanbindung von Tablets, bei nur sehr eingeschränkten WLAN-Möglichkeiten oder die nicht selten spontan geäußerten Sonderwünsche müssen bei solchen Großereignissen soweit möglich vorausgeahnt werden, um die Information der deutschen Öffentlichkeit zu ermöglichen.
Nach ihrer Rückkehr besuchte die Ministerin das multinationale Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif und sprach mit deutschen und dänischen Hubschrauberbesatzungen. Mit meinem Fotografen und den Fahrern traf ich etwa eine halbe Stunde vorher ein, um den Termin aus pressefachlicher Sicht vorzubereiten und im Anschluss die Journalisten entweder in ihre Unterkunft, zum Arbeitsraum oder einem anderen Ort ihrer Wahl zu fahren. Unser Fotograf meinte, dass natürliches Licht besser sei als die angeschaltete Deckenbeleuchtung und nach einem kurzen Gespräch mit dem Kommodore bewegten sich die haushohen motorgetriebenen Tore und ließen die tiefstehende Sonne in den Hangar scheinen. Die meisten Medienvertreter nahmen davon aber keine Notiz, sondern wollten nach ihrer Ankunft direkt in die Arbeitsräume, um nun für die Vorabendnachrichten oder die nächste Ausgabe einer Zeitung Beiträge – im Mediendeutsch auch „Stücke“ genannt - produzieren zu können.

Am zweiten Tag wurde die Gruppe geteilt. Das Gros der Medienvertreter verblieb in Mazar-e Sharif während einige wenige der Ministerin auf eine Stippvisite nach Kabul folgten. Für die im Camp Marmal bleibende Presse hatte der Chief PAO zunächst den Besuch der nahegelegenen Polizeischule vorbereitet. Eigentlich hätte ich auch vor Ort sein sollen, aber ich stand mit der Reisegruppe Kabul auf dem Rollfeld, denn das Charterflugzeug blieb ersteinmal im Hangar. Ich bat die Pressevertreter solange in das PAX Terminal 1, wobei PAX eine beliebte Abkürzung im Einsatz ist und als ein Synonym für Passagier genutzt wird. Während die Techniker fieberhaft nach der Störung am Flugzeug suchten, wurde in PAX 1 Kaffee ausgeschenkt. Eine dreiviertel Stunde später hob die Maschine doch noch ab und ich traf mich mit den Fahrern zu einem kurzen Frühstück, bevor die Arbeit weiterging.

Hintergrundgespräch mit einer Soldatin des Einsatzkameratrupps

Hintergrundgespräch mit einer Soldatin des Einsatzkameratrupps (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Am Nachmittag war Zeit gelassen worden für individuelle Berichte und Hintergrundgespräche. Ich begleitete eine Journalistin, die gerne mit einer Soldatin über deren Erfahrung als Frau im Einsatz sprechen wollte. Eine Kameradin vom Einsatzkameratrupp (EKT) erklärte sich kurzerhand bereit und nach einem kurzen Interview nahm ich unseren Fotografen mit, um einige Aufnahmen von der Protagonistin an ihrem geschützten Eagle IV-Fahrzeug zu machen.

Eagle IV des EKT

Eagle IV des EKT (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Nach einem Vorschlag aus dem EKT stellten wir den Eagle dazu auf einen kleinen Hügel und machten Aufnahmen mit dem Marmalgebirge im Hintergrund.

Nach unserer Rückkehr war das Problem aufgetreten, dass von den Statements der Ministerin in Kabul noch keine Originalaufnahmen, sogenannte O-Töne, im Arbeitsraum angekommen waren. Natürlich waren insbesondere die Hörfunkjournalisten unzufrieden mit der Situation. Da die geplante Übertragungsmethode aber den Dienst verweigerte und es keine entsprechende Infrastruktur in Kabul für eine andere kurzfristige Übertragung gab, lösten wir das Problem anders. Es wurde beschlossen, dass ich den Pressefeldwebel als erstes abholen sollte, der eine Aufnahme vor Ort gemacht hatte. Ich fuhr vor, sprach mit den Feldjägern, dem BKA und dem Besucherdienst, kontaktierte über den Tower den Flieger und sammelte Frau Hauptfeldwebel als erste ein und brachte sie auf kürzestem Wege zum Arbeitsraum, wodurch dann doch noch ein Bericht in den Abendnachrichten gesendet werden konnte.

Schließlich endet der Besuch der Ministerin. Die Medienvertreter packen ihre Arbeitsutensilien und steigen in die bereitgestellten Busse. Kurz vor der Ministerin treffen sie ein und besteigen die „Theodor Heuss“ auf dem Rollfeld. Jemand hat noch Unterlagen vergessen und einer der Fahrer fährt los, um sie ihm letztlich rechtzeitig zu übergeben. Zuletzt kommt die Ministerin, die sich noch herzlich bedankt bei allen, die ihr Spalier stehen. Für unseren Fotografen mache ich ein Foto von ihm und der Ministerin und schicke ihn dann in die Maschine, damit er heimkehren kann. Auch der Sprecher Afghanistan war mit der Ministerin aus Kabul zurückgekehrt und ist bereits an Bord. Während ich den Fahrern für ihre gute und mitdenkende Arbeit danke höre ich einen Airbus über mir davonfliegen. Ich schlafe früh und lang. Eine neue Woche in Afghanistan beginnt.

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Stand vom: 19.01.15 | Autor: Dominik W.


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