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Ich bin iM EINsatz: Partner und Prediger – Militärpfarrer im Irak

Erbil, 04.07.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Andreas K. ist evangelischer Militärpfarrer der deutschen Soldaten im Irak
Andreas K. ist evangelischer Militärpfarrer der deutschen Soldaten im Irak (Quelle: Bundeswehr/PAO Nordirak)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Andreas K und ich begleite die deutschen Soldaten im Irak als Militärpfarrer. Dies ist mein zweiter Einsatz. Im Jahr 2013 war ich schon im Kosovo. Mein Heimat-Pfarramt befindet sich in Burg in Sachsen-Anhalt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ich bin der Ansprechpartner für all diejenigen, die den Kontakt zu einem Geistlichen wollen. Das sind primär natürlich die Soldaten im deutschen Einsatzkontingent. Tatsächlich steht meine Tür für jeden offen. Um deutlich zu machen, dass ein Gespräch mit dem Seelsorger eines ist, das in einem geschützten Raum und regelmäßig vertraulich verläuft, habe ich neben meiner Eingangstür extra ein Schild mit der Aufschrift „Befehlsfreie Zone“ angebracht. Schließlich trete ich bei meiner Aufgabe nicht als Vorgesetzter auf. Inhaltlich kann sich dann eine einfache Plauderei ergeben. Manchmal geht es aber auch um persönliche Fragen und Probleme. Dabei wissen die Soldaten meine völlige Verschwiegenheit als Pfarrer zu schätzen.

Soldaten des deutschen Einsatzkontingents beim Gottesdienst
Soldaten des deutschen Einsatzkontingents beim Gottesdienst (Quelle: Bundeswehr/PAO Nordirak)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin evangelischer Pfarrer. Wie mein katholischer Vorgänger im Kontingent mache ich kirchliche Angebote, wie beispielsweise den wöchentlichen Gottesdienst. Dabei steht immer ein neues Thema im Mittelpunkt. Etwa „Lust, Leidenschaft, Pfingsten“ oder auch „Mehr Gelassenheit“. Sehr gut besucht wird das Bibelfrühstück. Jeden Sonnabend kommen 40 Soldaten zu einem Impuls und einem Buffet aus selbstgebackenem Brot, frischem Obst und Spiegeleiern. Das sind Angebote, die es für uns sonst kaum gibt.

Ein besonderes Anliegen ist mir die Unterstützung der „Inneren Führung“. Also die Begriffsentwicklung und die Ausformung des Leitbildes der Inneren Führung vom mitdenkenden Staatsbürger in Uniform in praktischen Beispielen. So habe ich bereits zweimal zu Gesprächsrunden zum Thema Traditionsverständnis der Bundeswehr und zu der Perspektive unseres Einsatzes eingeladen.

Die Soldaten haben auch neben dem Gottesdienst jederzeit die Möglichkeit den Militärpfarrer bei persönlichen Anliegen aufzusuchen
Die Soldaten haben auch neben dem Gottesdienst jederzeit die Möglichkeit den Militärpfarrer bei persönlichen Anliegen aufzusuchen (Quelle: Bundeswehr/PAO Nordirak)Größere Abbildung anzeigen

Ein normaler Tag beginnt für mich um acht Uhr mit der Bibel. Nachdem ich etwas darin gelesen und gebetet habe, bin ich bald in der „Zuflucht“ anzutreffen. Das ist ein sechs mal sechs Meter großer Raum. Genutzt wird er als Kapelle und für die Militärseelsorge. Die Tür ist immer offen und regelmäßig schauen Soldaten einfach herein. Aber natürlich gehe ich auch herum und besuche die Soldaten an ihrem Arbeitsplatz. Mein Arbeitstag endet meist um halb acht abends.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat entzündet eine Kerze beim Feldgottesdienst
Ein Soldat entzündet eine Kerze beim Feldgottesdienst (Quelle: Bundeswehr/PAO Nordirak)Größere Abbildung anzeigen

Die Region hier hat unglaublich viel mit der Bibel und der christlichen Geschichte zu tun. Die Wirkungsstätte des biblischen Propheten Jona bei Mossul liegt nur 80 km von hier. Und in Erbil steht ein Minarett (wenngleich mittlerweile ohne Moschee), das ein General erbauen ließ, der einst unter Saladin gegen die Kreuzfahrer kämpfte. Saladin war ab 1171 der erste Sultan von Ägypten und ab 1174 Sultan von Syrien.
Ich konnte bereits einen Gottesdienst in einer alten Festung, 30 km außerhalb des Camps durchführen. Dabei hat mich das Kontingent sehr unterstützt.

Das vermisse ich hier am meisten.

Eine Wetterabkühlung! Aber das liegt leider nicht in meiner Hand.
Der Bundeswehreinsatz ist nur ein Teil des deutschen Engagements im Irak. Von den humanitären Hilfsleistungen bekommen die meisten Soldaten wenig mit. Dass würde ihren eigenen Horizont erweitern und die Motivation noch weiter verbessern.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Meine guten Wünsche und meine Gebete gelten den Soldaten des Kontingents und ihren Familien zuhause. Möge Gott seine Hand schützend über sie halten.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Andreas K.


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