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Ich bin iM EINsatz: Mit grüner Stola am Berg-Altar

Koulikoro, 13.11.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Militärpfarrer Gundolf B. hat sich für die Bergandacht auf den Mt. Keyta vorbereitet
Militärpfarrer Gundolf B. hat sich für die Bergandacht auf den Mt. Keyta vorbereitet (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Ich heiße Gundolf B., bin 55 Jahre alt und seit Sommer 2015 als katholischer Militärpfarrer in der Militärseelsorge tätig. Mein Dienstsitz befindet sich in Hagenow in Westmecklenburg; zum Seelsorgebereich gehören Schwerin und Elmenhorst.
Zuvor war ich 25 Jahre lang als Priester meines Heimatbistums Hildesheim in Laatzen, Lüneburg, Altwarmbüchen, Wolfsburg und Garbsen tätig. Hier in Koulikoro begleite ich seit Juli das erste Mal Soldaten und Soldatinnen in den Auslandseinsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Auch im Headquarters in Bamako feiert B. die Heilige Messe. Die wird nicht nur von Soldaten gerne wahrgenommen
Auch im Headquarters in Bamako feiert B. die Heilige Messe. Die wird nicht nur von Soldaten gerne wahrgenommen (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Als katholischer Militärpfarrer bin ich selbstverständlich auch für evangelische Christen und ebenso für alle religiös „naturbelassenen“ Soldaten und deren Angehörige in der Heimat Ansprechpartner und Seelsorger.

Hier im Koulikoro Trainingscenter (KTC) geschieht vieles multinational. Weit über 20 Nationen erfüllen die Europäische Trainings Mission. Es kommen oft Spanier, Italiener, Iren oder Belgier auf mich zu, die keinen eigenen ständigen Seelsorger haben. Aufgrund der Internationalität finden die Gottesdienste dann in einem Mix aus Deutsch und Englisch statt.

Ohne Pfarrhelfer bin ich immer wieder auf die Unterstützung von Soldaten angewiesen. Zum Beispiel als Fahrer und Begleitschutz bei Dienstfahrten, beim Waffeln backen, als Chorsänger oder Instrumentalisten im Gottesdienst. Die Messfeier wird durch die musikalische Gestaltung zu einem fröhlich festlichen Highlight.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Mehrere Monate auf engstem Raum mit Soldaten zusammenleben zu dürfen, das kommt im Kasernenalltag in Deutschland nicht vor. Berührungsängste werden reduziert, die Vertrautheit wächst und es ergeben sich Gespräche über Gott und die Welt, über Probleme jedweder Art. Ich bemühe mich zudem, dass das Lachen dabei nicht zu kurz kommt.
Hier in Koulikoro sind Ordensschwestern (Franziskanerinnen) aus Kolumbien karitativ tätig. Die Soldaten lassen aus der Heimat Sachspendenpakete schicken und die Schwestern können dadurch Kleidung, Spielzeug, Schuhe, Schulmaterialien und Hygieneartikel an die armen Familien verteilen. Eine super Hilfsaktion!

Alle zwei Wochen lädt Pfarrer B. die Soldaten auf den nahegelegenen Mount Keyta zu einer Bergandacht ein
Alle zwei Wochen lädt Pfarrer B. die Soldaten auf den nahegelegenen Mount Keyta zu einer Bergandacht ein (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen können wir das Camp nicht ohne konkreten dienstlichen Auftrag verlassen. Zweimal im Monat darf ich am Sonntagmorgen zu einer Bergwanderung inklusive Bergandacht auf den Mt. Keyta einladen. Ohne die Unterstützung eines engagierten Hauptfeldwebels und seines Personenschutzes (Force Protection Teams) wäre dies undenkbar. Dieses Angebot wird von vielen Soldaten gerne wahrgenommen, außerdem ist es landschaftlich reizvoll mit fantastischem Blick über den Niger, der uns auf dem Weg zu Füßen liegt.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ich vermisse meine Familienangehörigen, meine Freunde und auch meine Heimatpfarrei St. Elisabeth. Dort ist ein kongolesischer Priester in den Monaten meiner Abwesenheit zur Vertretung. Ein Priester aus Afrika in Hagenow und ein Priester aus Deutschland in Mali – verkehrte Welt.

Mir fehlt meine Wohnung, in der ich täglich zur Ruhe kommen kann und ich entbehre meine Fahrräder. Ich fahre viel und sehr gerne. Hoffentlich habe ich es nicht verlernt, Muskelkater ist programmiert.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Der Kontakt zu örtlichen Organisationen und Schulen ist dem Militärpfarrer wichtig und macht ihm Spaß
Der Kontakt zu örtlichen Organisationen und Schulen ist dem Militärpfarrer wichtig und macht ihm Spaß (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Mein tiefster Wunsch ist, dass alle heil und gesund an Leib und Seele nach Hause zurückkehren werden. Ich wünsche allen hier möglichst keine Probleme mit sich selbst und mit denen Daheim. Außerdem für die übrige Zeit neben dem Dienst wünsche ich mir ein freundliches Miteinander. Da kann jeder einen Beitrag leisten. Mit einem freundlichen Gruß fängt es schon an.

Ich vermisse das Autofahren auf deutschen Straßen und wünsche mir einen schneereichen Winter. Skifahren ist mein liebster Sport. Im Januar plane ich einen ausgedehnten Skiurlaub in Kitzbühel.
Im neuen Jahr werde ich zudem eine Reise mit guten Freunden durch Namibia und Südafrika machen. Dort war ich bereits einige Male und es war jedes Mal traumhaft schön.

Längerfristig freue ich mich auf neue Herausforderungen in Einsatzbegleitungen der Bundeswehr.

Ich grüße alle Soldaten in der Heimat, das Dekanat Berlin, das Katholisches Militärbischofsamt (KMBA), die Pfarrei St. Elisabeth und last but not least meine Familie und guten Freunde.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Militärpfarrer Gundolf B.


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