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Wissen aus erster Hand – Deutsche Mentoren coachen Peschmerga-Ausbilder

Erbil, 31.01.2018.

Deutsche Ausbilder haben 2017 gemeinsam mit ihren Kameraden aus acht Partnernationen rund 11.000 Peschmerga im Nordirak ausgebildet. Besondere Aufmerksamkeit bekamen dabei die 30 Teilnehmer des Advanced Instructor Course (AIC). Wie die englische Bezeichnung nahe legt, sollen die bereits erfahrenen Soldaten in Zukunft die Ausbildung der kurdischen Sicherheitskräfte von den deutschen Trainern übernehmen.

Ausbilder Hauptfeldwebel Sebastian S. gibt sein Wissen an die zukünftigen Peschmerga-Soldaten weiter
Ausbilder Hauptfeldwebel Sebastian S. gibt sein Wissen an die zukünftigen Peschmerga-Soldaten weiter (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Im erfolgreichen Kampf gegen den IS leistete auch die Bundeswehr mit der Ausbildungsmission im Nordirak ihren Beitrag. Jetzt gilt es, für die Sicherheitskräfte der Region, die erzielten Gewinne an Frieden und Stabilität selbstständig zu sichern. Deshalb absolvieren einige ausgewählte Peschmerga, was auch jeder Soldat der Bundeswehr mit Führungsverantwortung kennt: die Ausbildung der Ausbilder.

Wie Feldwebel in Deutschland erlernen sie in sechs Monaten aber nicht nur ihr militärisches Handwerk. Von Anfang an wird von ihnen verlangt, Verantwortung für das eigene Handeln und die ihnen anvertrauten Soldaten zu übernehmen. Die Ausbildung folgt dabei einem Konzept, das von den deutschen Ausbildern und ihren internationalen Kameraden gemeinsam entwickelt wurde. Als Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Bestehen des Kurses fordern die Richtlinien solide körperliche und geistige Fitness.

Sport ist ein wesentlicher Ausbildungsteil im Gesamtkonzept

Die Soldaten wärmen sich für die anschließende Trainingseinheit auf
Die Soldaten wärmen sich für die anschließende Trainingseinheit auf (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Deshalb sieht man die Lehrgangsteilnehmer am Morgen als Erstes nicht in ihrer Uniform, sondern im Sportanzug. Der als Hörsaaldienst eingeteilte Lehrgangsteilnehmer ist dafür verantwortlich, dass sich seine Kameraden auf die bevorstehende Sporteinheit vorbereiten. Nach einigen Runden zum Warmmachen vermitteln die Ausbilder im anschließenden Sportunterricht, wie Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft verbessert werden können. Die Lehrgangsteilnehmer sind mit vollem Eifer dabei. Im Kampf gegen den IS haben einige von ihnen bereits erfahren, wie wichtig die körperliche Leistungsfähigkeit für einen Soldaten ist.

Theorie und Praxis sind gut aufeinander abgestimmt

Methodik und Didaktik einer militärischen Ausbildung werden den Teilnehmern anschaulich vermittelt
Methodik und Didaktik einer militärischen Ausbildung werden den Teilnehmern anschaulich vermittelt (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem verdienten Frühstück geht es anschließend in den Klassenraum. Hier kommt es jedoch nicht nur darauf an, den Lehrgangsteilnehmern einen Überblick über die zahlreichen Themen des Lehrgangs zu vermitteln. Neben militärischem Fachwissen wird besonders auf Methoden der Vorbereitung und Durchführung eines Unterrichts eingegangen. Damit lassen sich dann die verschiedenen Bauteile und die Funktionsweise eines Gewehrs genauso gut erklären wie der Aufbau eines Checkpoints oder die völkerrechtlichen Bestimmungen in bewaffneten Konflikten. Bereits hier können sich die Peschmerga einiges bei den deutschen Ausbildern für ihre zukünftige Aufgabe abschauen.

Hauptfeldwebel Sebastian S. kann gut mit diesen Erwartungen umgehen. Der erfahrene Artilleriebeobachter gibt auch in Deutschland sein Wissen als Ausbilder an der Artillerieschule in Idar-Oberstein an junge Offiziere und Feldwebel weiter. In Erbil ist er für die Planung und Umsetzung der Inhalte in der Ausbildung der Ausbilder verantwortlich. Gemeinsam mit zwei weiteren deutschen Kameraden seines Teams hat er sich für den heutigen Tag etwas Besonderes einfallen lassen: Die Kursteilnehmer sollen zum ersten Mal selber theoretische und praktische Ausbildung für andere Peschmerga halten, die gerade eine Grundausbildung absolvieren.

Im Klassenraum steht heute Schießlehre auf dem Stundenplan. Um die Aufmerksamkeit des Hörsaales zu bekommen und vor allem auch zu behalten, kombiniert der Ausbilder theoretische Erklärungen mit einer praktischen Vorführung der verschiedenen Bauteile eines Gewehrs. Außerdem fordert er die Zuhörer zum Mitdenken auf, prüft im Unterrichtsgespräch den Erfolg seiner Ausbildung.

Peschmerga-Ausbilder stellen ihr Können unter Beweis

Eindringen in den Raum und die Sicherung
Eindringen in den Raum und die Sicherung (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Auch bei den praktischen Unterrichtsthemen sind persönlicher Einsatz und das Erfassen der Situation gefragt. Für das sichere Vorgehen von Raum zu Raum beispielsweise muss jeder daran beteiligte Soldat die Situation und vor allem seine eigene Aufgabe darin verstehen. Dieses aufeinander abgestimmte Vorgehen, von der Öffnung der Tür, dem Eindringen in den Raum und der anschließenden Sicherung aller Ecken sollen die Auszubildenden am Ende kennenlernen und zum ersten Mal selber durchführen. Der junge kurdische Ausbilder hat alle Hände voll zu tun, während sein deutscher Mentor das Geschehen für die Nachbesprechung aus der Höhe verfolgt.

Feedback für die Gruppe und im Anschluss für die Ausbilder

Die Gruppe bei der praktischen Ausbildung – sicheres Vorgehen von Raum zu Raum
Die Gruppe bei der praktischen Ausbildung – sicheres Vorgehen von Raum zu Raum (Quelle: Bundeswehr/Haehnel)Größere Abbildung anzeigen

Jede gute Trainingseinheit endet mit einem Gespräch zwischen dem Ausbilder und der Ausbildungsgruppe. Sobald der Teilnehmer des AIC-Kurses seine Gruppe danach entlassen hat, bekommt er ein eigenes persönliches Feedback von seinem deutschen Mentor. Dabei legt Hauptfeldwebel Sebastian S. besonderen Wert darauf, die kulturellen Unterschiede im Miteinander des Einsatzlandes zu berücksichtigen. Disziplin in der Führung einer Gruppe und im Auftreten als Ausbilder ist seiner Ansicht nach jedoch stets erforderlich.

An diesem Tag konnte der Ausbilder zufrieden beobachten, dass diese Lektion durchaus angekommen ist. Nach vier Monaten im Einsatz habe er deshalb fast Gänsehaut bekommen. Die Vorbereitung, der Aufbau sowie das Auftreten des Ausbilders haben ihn stark an eine gute Ausbildung an seinem Heimatstandort erinnert.


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Stand vom: 31.01.18 | Autor: PAO Nordirak


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