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Erste Fliegerleiter fertig zur Feuerunterstützung

Mazar-e Sharif, 28.09.2017.

Vier Kilometer südlich des Camps Marmal bei Mazar-e Sharif am Fuße des Marmal Gebirges: Die Sonne brennt auf den vertrockneten, staubigen afghanischen Boden. Es gibt keinen Schatten, kaum Wind und die Temperatur übersteigt an diesem Tag 40° C. Und doch ist von den angehenden afghanischen Fliegerleitern der afghanischen Luftwaffe hier auf einem Hügel volle Konzentration gefordert. Im praktischen Unterricht lernen sie die Verfahren zur Feuerunterstützung für Bodentruppen. Ausbilder des NATO Trainings-, Beratungs- und Unterstützungskommandos Nord schildern ihnen konkrete Lagen und sie setzen die adäquaten Feueraufträge ab.

Der deutsche Ausbilder und der afghanische Lehrgangsteilnehmer beobachten konzentriert, ob der Pilot das zugewiesene Ziel trifft

Der deutsche Ausbilder und der afghanische Lehrgangsteilnehmer beobachten konzentriert, ob der Pilot das zugewiesene Ziel trifft (Quelle: Bundeswehr/PAO NCO)Größere Abbildung anzeigen

Als die afghanischen Luftstreitkräfte vor einigen Jahren aufgestellt wurden, um den Kampf der Truppe am Boden zu unterstützen, ergab sich der Bedarf nach speziell hierfür qualifizierten Soldaten. Die von ihnen geforderten Fähigkeiten: Bodenziele zuweisen und notwendige Absprachen zwischen dem Kampftruppenkommandeur und dem Luftfahrzeugführer treffen können. So lautet die Aufgabenbeschreibung des Fliegerleiters, hier des Afghan Tactical Air Coordinators (ATAC). Er ist vorne bei den eigenen Kräften und leitet die Luftnahunterstützung. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn ihm obliegt neben dem Hauptauftrag der Koordination auch die Beachtung größtmöglicher Sicherheit für die eingesetzten Luftfahrzeuge, wie auch für die Bodentruppen und gegebenenfalls auch für etwaige Zivilpersonen im Bereich. Und es ist genau diese vorausschauende und umfassende Abwägung bei der Umsetzung des eigenen Auftrages, auf die die deutschen Ausbilder besonders Acht geben. Sie gehört unbedingt mit zur Zertifizierung der afghanischen Partner die letztlich gegen regierungsfeindliche Kräfte operieren werden.

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Harte Ausbildung in der Wüste

Der Lehrgangsteilnehmer ermittelt die Entfernung zum Ziel und der Ausbilder, Oberfeldwebel Darius A., überprüft das Ergebnis

Der Lehrgangsteilnehmer ermittelt die Entfernung zum Ziel und der Ausbilder, Oberfeldwebel Darius A., überprüft das Ergebnis (Quelle: Bundeswehr/PAO NCO)Größere Abbildung anzeigen

Um diese anspruchsvollen Aufgaben umsichtig und verantwortungsvoll wahrnehmen zu können, werden die afghanischen Soldaten von einem zweiköpfigen deutschen Ausbilderteam angeleitet. Der Lehrgang dauet drei Wochen und als Ausbilder sind Hauptmann M. als übergeordneter Joint Terminal Attack Controller, so die NATO-Bezeichnung, und Oberfeldwebel A. vor Ort. Damit zudem jeder Lehrgangsteilnehmer nach Möglichkeit auch individuell angeleitet werden kann, unterstützt auch ein ungarischer Luftnahunterstützer. Der Stundenplan ist während des dreiwöchigen Lehrgangs prall gefüllt: Neben den Verfahren zur Lenkung des Luftfahrzeuges muss auch der Umgang mit Karte und Kompass, Funkgerät, GPS und Laserentfernungsmesser beherrscht werden.

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Und immer wieder Theorie

Hauptmann M. übergibt das Ausbildungsmaterial an die Lehrgangsteilnehmer

Hauptmann M. übergibt das Ausbildungsmaterial an die Lehrgangsteilnehmer (Quelle: Bundeswehr/PAO NCO)Größere Abbildung anzeigen

Der Praxisphase im Gelände ist eine Woche theoretische Ausbildung sowie praktische Ausbildung am Gerät vorangestellt. Für die afghanischen Soldaten ist insbesondere der Umgang mit den Geräten am Anfang relativ schwierig. Die Geräte-Menüs sind in englischer Sprache und fremder Schrift gehalten. Der Funkverkehr zwischen dem afghanischen Fliegerleiter (ATAC) und den Piloten findet hingegen in Dari statt. Bei der Ausbildung sind daher immer mehrere Sprachmittler dabei. Sie unterstützen die beiden deutschen Ausbilder mit ihrer Erfahrung und ihrer Kenntnis der afghanischen Kultur.

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Nicht alle schaffen diese harte Ausbildung

Hauptmann M. beobachtet, wie zwei Lehrgangsteilnehmer über Funk den Luftfahrzeugen das Ziel zuweisen

Hauptmann M. beobachtet, wie zwei Lehrgangsteilnehmer über Funk den Luftfahrzeugen das Ziel zuweisen (Quelle: Bundeswehr/PAO NCO)Größere Abbildung anzeigen

Sowohl der Lehrgang als auch die spätere Aufgabe sind geistig und körperlich sehr fordernd. Die Soldaten kommen überwiegend aus Einheiten, die regelmäßig gegen regierungsfeindliche Kräfte eingesetzt sind. Sie sollten nicht älter als 30 Jahre alt sein, sowie physisch und psychisch voll belastbar sein. Um die Besten-Auslese für diese verantwortungsvolle Aufgabe sicherzustellen, absolvieren die Lehrgangsteilnehmer insgesamt vier theoretische und zwei praktische Prüfungen. So erreichen von den 15 Soldaten, die den Kurs begonnen haben, diesmal gerade sechs die Berechtigung, die Bezeichnung ATAC führen und das begehrte Abzeichen an der Uniform tragen zu dürfen.

Das Ausbilderteam der NATO bereitet sich bereits schon auf den nächsten ATAC- Ausbildungsdurchgang vor. Dieser wird dann im afghanischen Herbst und hoffentlich bei angenehmeren Temperaturen stattfinden.

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Stand vom: 28.09.17 | Autor: Hauptmann M.


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