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Ich bin iM EINsatz: Informationstechnikoffizier auf der „Sachsen“

In See, 29.03.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Sein erster Einsatz: Oberleutnant zur See Karsten K. ist Informationstechnikoffizier an Bord der „Sachen“
Sein erster Einsatz: Oberleutnant zur See Karsten K. ist Informationstechnikoffizier an Bord der „Sachen“ (Quelle: Bundeswehr/Söhnke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberleutnant zur See Karsten K. (29) und als Informationstechnikoffizier auf der Fregatte „Sachsen“ eingesetzt. Wir sind zurzeit ein Teil der NATO-Unterstützungsoperation der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) in der Ägäis.

Meine Heimat ist Schleswig-Holstein. Ich wuchs an der Ostseeküste auf. Die Nähe zum Meer und die Präsenz der Marine in Städten wie Kiel und Rostock, war Teil meiner Jugend. Seit 2009 diene ich selbst in der Deutschen Marine. Nach den ersten Ausbildungsabschnitten folgte ein Wirtschaftsinformatikstudium an der Universität der Bundeswehr in München.

In meiner ersten Verwendung als Informationstechnikoffizier bin ich seit 2015 auf der „Sachsen“. Somit ist die NATO-Unterstützung in der Ägäis auch mein erster Einsatz auf der Fregatte.
Den eigenen Namen legt man auf Schiffen und Booten der Deutschen Marine schnell ab. An seine Stelle rückt vom ersten Tag an die Dienstpostenbezeichnung. Somit höre ich seit über einem Jahr auf den Rufnamen „ITO“ (Informationstechnikoffizier).

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die Arbeit im Hauptabschnitt 300 ist vielfältig: Karsten K. mag die täglichen Herausforderungen
Die Arbeit im Hauptabschnitt 300 ist vielfältig: Karsten K. mag die täglichen Herausforderungen (Quelle: Bundeswehr/Söhnke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Als „ITO“ gehöre ich zu den sogenannten Dauerwächtern an Bord. Der Großteil der Besatzung kümmert sich schichtweise um Bereiche wie Navigation, operative Lage oder Schiffstechnik. Die Dauerwächter hingegen haben Aufgaben, die nicht an den schichtweisen Wachdienst während der Seefahrten gebunden sind.
Die Wartung und Instandsetzung der Sensoren, Effektoren und der vernetzenden Informationstechnik ist mein Tagesgeschäft. Dabei bin ich Teil des Hauptabschnitts 300 (Führungsmittel und Waffentechnik). Die Bereitstellung der technischen Anlagen zum Lagebildaufbau, zur sicheren Navigation, zum Waffeneinsatz, bis hin zur Kommunikation ist unsere Aufgabe. Die „Sachsen“ ist das aktuelle Flaggschiff der SNMG2 und daher ist ein deutscher Admiral mit seinem internationalen Stab an Bord eingeschifft, um die Standing NATO Maritime Group 2 in der Ägäis zu führen. Deshalb sind besonders der Lagebildaufbau und die Kommunikation mit anderen Schiffen von höchster Priorität.

Als junger Offizier tritt ab dem ersten Tag an Bord eine schnelle Gewöhnung an die flexiblen und facettenreichen Anforderungen an die Besatzung ein. Das funktionierende Zusammenspiel der mehr als 200 Kameraden macht den Aufwand jedoch immer wieder wett.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Für meine Laufbahn und weitere Verwendungen auf See verbessere ich täglich meinen Erfahrungsschatz und mein Fachwissen. In der Zusammenarbeit mit vielen jüngeren und älteren Kameraden können Kenntnisse erlangt und weitergegeben werden. Die Arbeit und das Leben mit dieser unterschiedlich geprägten Besatzung sind für mich fordernd und charakterformend zugleich. Neben den ganzen technischen und fachlichen Aspekten, ist es eine Lebenserfahrung, an der ich wirklich wachsen kann.

Etwas Ablenkung in Ruhephasen – die Besatzung wird zu einer Art Ersatzfamilie
Etwas Ablenkung in Ruhephasen – die Besatzung wird zu einer Art Ersatzfamilie (Quelle: Bundeswehr/Söhnke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Die Kameraden an Bord sind Ersatz für Freunde und Familie. Sei es an arbeitsreichen Seetagen, Hafentagen oder Feiertagen – ich finde immer Gesprächspartner und Ratgeber. Dies hilft, die natürlichen Einschränkungen durch die Seefahrt zu ertragen, die positiven Seiten in Erinnerung zu behalten und aus ihnen Kraft zu schöpfen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Viel zu selten an Oberdeck: Oberleutnant zur See Karsten K. genießt das Tageslicht
Viel zu selten an Oberdeck: Oberleutnant zur See Karsten K. genießt das Tageslicht (Quelle: Bundeswehr/Söhnke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Am meisten vermisse ich meine Freundin, die Familie und die Freunde. In diesen Punkten werden mir die meisten Kameraden beipflichten. Aber eine Sache gibt’s noch, die ich auf eine andere Art vermisse: Jeder, der sich mal ein Bild der „Sachsen“ ansieht, wird erkennen, dass es kaum Fenster gibt. Es gibt Tage, an denen fällt mir um 20 Uhr auf, dass ich noch gar kein Tageslicht gesehen habe. Als „ITO“ führt es einen an manchen Tagen überall hin, bloß nicht an Oberdeck oder auf die Brücke. Ein Fenster, das ich öffnen kann, um im Idealfall Vögel zwitschern zu hören, das werde ich nach unserer Rückkehr genießen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Noch bis Ostern werden wir im Mittelmeer bleiben. Für diese Zeit hoffe ich, dass wir als Besatzung die professionelle Arbeit und die gute Stimmung aufrechterhalten können.
Aus dem ägäischen Meer grüße ich alle Leser, Kameraden und Freunde und freue mich, bald wieder in der Heimat zu sein, um offene Fenster und die Gesellschaft meiner Lieben genießen zu können.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Karsten K.


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