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Ich bin iM EINsatz: Seefahrer mit Leib und Seele

In See, 17.10.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Freude am Job – Hauptgefreiter Raphael S. ist Seefahrer mit Leib und Seele
Freude am Job – Hauptgefreiter Raphael S. ist Seefahrer mit Leib und Seele (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptgefreiter Raphael S. und arbeite im Decksdienst auf dem Tender „Werra“. Nach meiner Tischlerlehre bin ich im Oktober 2013 zur Marine gegangen. In der Marine heißen die Soldaten meines Bereichs einfach nur kurz „11er“, so ist die Nummer unserer Verwendungsreihe, also unserer Spezialisierung.
Ich habe mich für vier Jahre als Soldat auf Zeit verpflichtet. Auf der „Werra“ bin ich jetzt seit über zwei Jahren. Vorher bin ich auf der Fregatte „Lübeck“ zur See gefahren. Schon im Sommer des letzten Jahres war ich mit der „Werra“ im Einsatz in der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ hier im Mittelmeer unterwegs.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Gleich wird die „Werra“ im Hafen von Augusta anlegen. Raphael S. und seine Kameraden erhalten kurz vor dem Manöver letzte Anweisungen vom Decksmeister
Gleich wird die „Werra“ im Hafen von Augusta anlegen. Raphael S. und seine Kameraden erhalten kurz vor dem Manöver letzte Anweisungen vom Decksmeister (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Wenn der Tender ein ordentliches äußeres Erscheinungsbild hat, habe ich meinen Job richtig gemacht. Wir 11er sind beispielsweise dafür zuständig, dass unser Boot einen vernünftigen Anstrich hat. Aber das ist nur ein Aspekt meiner Arbeit. Als Soldat in den Seewachen arbeite ich im Schichtbetrieb auch auf der Brücke und bin dort entweder als Ausguck oder Rudergänger eingesetzt.

Bei allen seemännischen Manövern sind wir eingebunden. Dazu gehören das An- und Ablegen, das Aussetzen unserer Speedboote, Versorgungsmanöver oder auch das Schleppen. Überall dort sind 11er gefragt, wo Schiffe und Boote zur See fahren.

Die Kameradschaft an Bord ist für mich von besonderer Bedeutung. Wir arbeiten in einem kleinen Team zusammen, alle sind aufeinander angewiesen, jeder hilft jedem. Im Einsatz gilt das umso mehr. Hier kann man nicht abends nach Hause gehen oder sich mit Freunden treffen. Die tägliche Arbeit und die gemeinsamen Erlebnisse schweißen zusammen

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Auch beim Aussetzen der Speedboote werden Soldaten des Decksdienstes benötigt. Raphael S. sorgt für das sichere Aussetzen des Bootes
Auch beim Aussetzen der Speedboote werden Soldaten des Decksdienstes benötigt. Raphael S. sorgt für das sichere Aussetzen des Bootes (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Zur See zu fahren ist eine ganz besondere Erfahrung. Wenn man fern von Handy- und Internetempfang auf dem Mittelmeer unterwegs ist, lernt man zu schätzen, was man zu Hause als normal wahrnimmt. Gerade in diesem Einsatz habe ich Momente erlebt, die mich daran erinnerten, wie gut es mir zu Hause geht. Mit der „Werra“ haben wir in diesem und im vergangenen Jahr insgesamt über 2.000 Menschen das Leben gerettet. Die erleichterten Gesichter der geretteten Frauen und Kinder werden mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Das vermisse ich hier am meisten.

Die Kameradschaft an Bord der „Werra“ ist etwas Besonderes. Hier ist man aufeinander angewiesen und unterstützt sich gegenseitig
Die Kameradschaft an Bord der „Werra“ ist etwas Besonderes. Hier ist man aufeinander angewiesen und unterstützt sich gegenseitig (Quelle: Bundeswehr/Bastian Fischborn)Größere Abbildung anzeigen

Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde am meisten. Wenn ich zu Hause bin, werde ich es genießen, auch mal allein in meiner Wohnung zu sein. An Bord ist man nie allein. Rund um die Uhr teilt man sich seine Umgebung mit anderen Kameraden. Da gibt es natürlich auch mal Unstimmigkeiten untereinander, aber wenn sich jeder etwas zurücknimmt, kann man an Bord sehr gut miteinander leben.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich freue mich sehr, wenn die Besatzung und ich im November wieder gesund in Kiel einlaufen. Da ich aus Kiel komme, werden sicher meine Familie und meine Freunde im Marinestützpunkt auf mich warten. Dann heißt es endlich wieder der private Raphael zu sein und die Freizeit „an Land“ zu genießen. Darauf freue ich mich sehr.

Für mich ist jetzt mein letztes Jahr an Bord angebrochen. Das heißt auch, dass ich mich langsam auf ein anschließendes Berufsleben nach der Marine vorbereiten muss. Aber jetzt heißt es erst einmal den Einsatz ordentlich zu beenden, alles Weitere sehen wir dann.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Raphael S.


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