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Libanon wachsen Seebeine auch an Land

Rückblick des Kontingentführers mit Perspektive:
Libanon wachsen Seebeine auch an Land

Beirut, 29.06.2017.

Die UN-Resolution 1701 ermächtigte die UNIFIL-Mission vor elf Jahren erstmals, die Seewege vor dem Libanon zu überwachen und Waffenschmuggel von See zu verhindern – so viel ist bekannt. Doch die Deutsche Marine tut noch mehr: Sie bildet Soldaten der Libanesischen Marine aus. Ziel ist es, dass sie die Sicherung der Seegrenzen des Landes selbst übernehmen kann und der Libanon ein Ziel der Vereinten Nationen erreicht: eine souveräne Sicherheitsstruktur, auch gegenüber der Hisbollah.

Fregattenkapitän Voß, worin liegen Ihrer Ansicht nach die Schwerpunkte für die Zukunft im mittlerweile elften Jahr des Einsatzes?

„Die Deutsche Marine spielt aus meiner Sicht eine maßgebliche Rolle bei der Stabilisierung der Versorgung des Libanon über See.“

„Die Deutsche Marine spielt aus meiner Sicht eine maßgebliche Rolle bei der Stabilisierung der Versorgung des Libanon über See.“ (Quelle: Bundeswehr/Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Weiterhin gilt es, die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats durchzusetzen. Das gelingt uns gemeinsam mit den anderen fünf Nationen in der „Maritime Task Force“ seit Jahren erfolgreich. Darüber hinaus dürfen wir nicht unsere Rolle als Deutsche in dieser sensiblen Region im östlichen Mittelmeer unterschätzen. Die Deutsche Marine spielt aus meiner Sicht eine maßgebliche Rolle bei der Stabilisierung der Versorgung des Libanon über See. Wir tragen dazu bei, dass der Libanon mit seinen rund vier Millionen Einwohnern die enorme Anzahl von über zwei Millionen syrischen und palästinensischen Flüchtlingen aufnehmen kann.

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Worin lag Ihr Hauptaugenmerk während Ihrer viermonatigen Einsatzzeit?

Fregattenkapitän Voß bei der Unterzeichnung der Verträge zur Unterstützung der Libanesischen Marine

Fregattenkapitän Voß bei der Unterzeichnung der Verträge zur Unterstützung der Libanesischen Marine (Quelle: Bundeswehr/Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe mich auf die Vertiefung der deutsch-libanesischen Beziehungen fokussiert. Wir konnten zwei Ertüchtigungsprojekte unterzeichnen, die der Ausrüstung und Ausstattung der Libanesischen Marine dienen, außerdem drei Folgeprojekten entwickeln. Uns geht es dabei immer um die Fähigkeiten der libanesischen Partner. Ich konnte mich auf die hervorragende Vorarbeit des vorigen Kontingents abstützen und die umfangreichen Planungen in die Tat umsetzen.

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Was macht den UNIFIL Einsatz so besonders? Warum ist er anders?

Der Inspekteur der libanesischen Marine, Rear Admiral Alwan, dankt dem scheidenden Kontingentführer, Fregattenkapitän Tobias Voß

Der Inspekteur der libanesischen Marine, Rear Admiral Alwan, dankt dem scheidenden Kontingentführer, Fregattenkapitän Tobias Voß (Quelle: Bundeswehr/Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Das Besondere an UNIFIL ist, dass es nicht nur um den Einsatz der Deutschen Marine auf See geht. Auch die Arbeit an Land im Libanon bildet einen Schwerpunkt. Der maritime Einsatz hat eine anspruchsvolle Landkomponente, die an vier Standorten verteilt ist. Hier geht es nicht um klassische Operationsführung oder um Seeraumüberwachung, sondern um die enge Abstimmung mit der Libanesischen Marine über Ausbildung und materielle Unterstützung.

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Mit welchem Gefühl verlassen Sie Ihr Kontingent und den Einsatz UNIFIL?

Zwei Korvettenbesatzungen sind zur Musterung durch den deutschen Kontingentführer Fregattenkapitän Tobias Voß angetreten

Zwei Korvettenbesatzungen sind zur Musterung durch den deutschen Kontingentführer Fregattenkapitän Tobias Voß angetreten (Quelle: Bundeswehr/Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Ich verlasse den Einsatz mit gemischten Gefühlen: Einerseits freue ich mich auf meine Familie zu Hause, andererseits habe ich viele intensive Arbeitskontakte im Libanon und auf Zypern kennen und schätzen gelernt. Den einen oder anderen Freund für die Zukunft konnte ich gewinnen. Als militärischer Führer habe ich die Zeit im Einsatz mit meinen Kameraden aus allen Bereichen der Bundeswehr genossen und schaue zufrieden auf eine erfüllende und fordernde Zeit zurück.

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Was war Ihr nachhaltigstes / eindrucksvollstes Erlebnis der letzten Monate?

Da fällt mir zuerst mein Besuch im MOSAN-Center in Tyros ein. Die südlibanesische Stadt liegt in beeinflusstem Gebiet der Hisbollah. Das MOSAN-Zentrum kümmert sich als Schule und Kindergarten um die Betreuung von körperlich und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen aus der Region. In all dem Trubel, der Anspannung und der stets latenten Angst der Bevölkerung vor einem erneuten Krieg zwischen der Hisbollah und Israel ist dieses Zentrum eine Oase der Stille. Hier haben die Kinder eine ruhige Atmosphäre, in der sie Zuneigung und Liebe durch ihre Lehrer und Betreuer erfahren, die ihnen sonst nicht gewährt wird.

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Stand vom: 29.06.17 | Autor: Alexander Gottschalk


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