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Ich bin iM EINsatz: Als Hubschrauberpilot bei Atalanta

In See, 04.05.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Korvettenkapitän Jan P. im Cockpit des Sea Lynx
Korvettenkapitän Jan P. im Cockpit des Sea Lynx (Quelle: Bundeswehr/Jenny Bartsch)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Jan P., ich bin Korvettenkapitän und 32 Jahre alt. Meine Heimat ist Glückstadt in Schleswig-Holstein. Ich bin Offizier im Marinefliegergeschwader 5 und seit 2012 als Hubschrauberpilot auf dem Waffensystem Sea Lynx eingesetzt.

Meine Zeit bei der Bundeswehr begann am 1. Juli 2002 als Offizieranwärter mit der marinetypischen Ausbildung, inklusive eines Törns auf der „Gorch Fock“. Nach dem Pädagogikstudium an der Helmut-Schmidt-Universität und einer Tätigkeit an Bord einer Fregatte, durchlief ich von 2008 bis 2012 meine fliegerische Ausbildung an der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg und im Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz.
Insgesamt war ich bisher vier Mal im Einsatz. 2007 habe ich am UNIFIL-Einsatz vor der Küste des Libanon teilgenommen. Der jetzige Einsatz auf der Fregatte „Bayern“ führt mich das dritte Mal als Hubschrauberpilot zur Operation Atalanta.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

19 Soldaten leisten rund um den Sea Lynx auf der „Bayern“ ihren Dienst
19 Soldaten leisten rund um den Sea Lynx auf der „Bayern“ ihren Dienst (Quelle: Bundeswehr/Jenny Bartsch)Größere Abbildung anzeigen

Der Hauptabschnitt 500 – so nennt man den Bereich, der für den Hubschrauberflugbetrieb an Bord von Fregatten zuständig ist – besteht insgesamt aus fünf Offizieren, acht Portepeeunteroffizieren und sechs Unteroffizieren. Sie unterteilen sich wiederum in Techniker und Flieger. Ich bin in diesem Team als Pilot für die Steuerung und den Einsatz des Hubschrauber Sea Lynx zuständig.

Während der Flüge stehe ich in ständigem Kontakt mit der Schiffsführung und berichte über Aufklärungsergebnisse entlang der Küste oder der Schifffahrtsrouten. Hierdurch können wir die Entstehung von Piratengruppen frühzeitig erkennen und einschätzen, ob die zivile Schifffahrt sich an die empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen gegen Angriffe hält.

Sollte es zu einem Piraterieangriff in der Nähe der „Bayern“ kommen, so sind wir mit dem Hubschrauber meist zuerst vor Ort und versuchen, den Angriff abzuwehren. Neben den typischen fliegerischen Aufgaben gilt es aber auch Administratives zu erledigen. So müssen beispielsweise die Flugplanungen für die jeweilige Woche erstellt und mit der Schiffsführung sowie dem gesamten Verband abgestimmt werden, oder die Navigationsunterlagen auf Stand gehalten werden.

Letzter Check vor dem Abflug
Letzter Check vor dem Abflug (Quelle: Bundeswehr/Jenny Bartsch)Größere Abbildung anzeigen

Typischerweise wird bereits früh morgens durch die Techniker der Hubschrauber auf das Flugdeck gebracht, damit er jederzeit aus seiner 30-minütigen Bereitschaft heraus gestartet werden kann. Für die fliegenden Besatzungen startet der Tag etwas ruhiger. Zuerst werden die aktuelle Einsatzlage oder routinemäßige Wartungsarbeiten kurz besprochen. Kurz darauf findet meist der erste geplante Flug des Tages statt, bei dem wir nach Auffälligkeiten auf See suchen um verdächtige Fahrzeuge zu identifizieren. Diese werden dann durch die Fregatte befragt, gegebenenfalls mit einer Abordnung besucht oder – bei begründetem Verdacht – auch von einem Boardingteam durchsucht.
Nach den Flügen gibt es für die Crew eine kurze Auswertung über gut oder schlecht gelaufene Aspekte. Die Besatzung fliegt in der Regel zwei Missionen am Tag.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Als Hubschrauberpilot im Einsatz ist man in der Regel immer ganz vorne dabei. Sei es bei einem akuten Piratenangriff auf ein Handelsschiff, weil wir schnell vor Ort sind, oder auch bei Aufklärungsoperationen, weil wir dicht an die Küste heranfliegen können. So gewinnt man einen ganz ungefilterten und unmittelbaren Eindruck vom Geschehen, dem Land und dem Leben der somalischen Bevölkerung, was durch Ferngläser oder elektronische Hilfsmittel an Bord nur begrenzt möglich ist. Natürlich ist man dadurch einer größeren Gefährdung ausgesetzt, die sich im Rahmen dieser Operation aber recht gut einschätzen lässt.
Ich freue mich, dass wir in den letzten Jahren einen wichtigen Beitrag zum Erfolg von Atalanta leisten konnten. Die Zahl der Piraterieübergriffe ist auf einem dauerhaft niedrigen Niveau. Gleichzeitig hoffe ich, dass in den nächsten Jahren auch die notwendige Aufbauarbeit an Land vorangetrieben wird. Nur so können in der Region langfristige Erfolge und Stabilität erzielt werden.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich bringt der Einsatz zahlreiche Entbehrungen mit sich. Sie reichen vom Fehlen der Lieblingssorte Gummibärchen über die mangelnde Möglichkeit, die gewohnte Abendserie im TV sehen zu können, bis hin zur sehr eingeschränkten Privatsphäre. Das sind aber im Grunde Kleinigkeiten, denn am meisten fehlt mir die Familie, die zu Hause auf mich wartet. Gerade weil meine Partnerin derzeit schwanger ist, fällt es mir unendlich schwer, sie nicht jeden Tag unterstützen, und meinem Baby beim Wachsen zusehen zu können. Da helfen leider auch die täglichen E-Mails oder die wenigen wöchentlichen Telefonminuten nur bedingt.
Ich bin froh, dass ich mit meiner Partnerin einen ganz besonderen Menschen gefunden habe, der das alles mitmacht und mich auch in schwierigen Situationen maßgeblich stützt.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit im Einsatz freue ich mich darauf, weitere Erfahrungen sowohl in fliegerischer als auch in planerischer Hinsicht zu sammeln, so dass ich das Schiff mit der Qualifikation als Abschnittsleiter verlassen kann. Ich hoffe, wir können der Fregatte „Bayern“ in den nächsten Wochen die Arbeitsergebnisse zur Verfügung stellen, die sie braucht, um die Beteiligung an Atalanta erfolgreich weiter zu führen. Nach dem Einsatz werde ich allerdings die Sea Lynx-Fliegerei für ein paar Jahre ruhen lassen, um mich ab Mitte des Jahres neuen Aufgaben und Herausforderungen in der Bundeswehr zu stellen. Sicher ist, dass auch dies eine spannende Zeit wird.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Jan P.


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