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Einsatztagebuch „Sophia“ Teil 5: Stürmische und auch ruhige Tage

In See, 08.12.2016.

Seit September ist die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ Teil der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“. Etwa zur Mitte des Einsatzzeitraums besteht für die Besatzungsmitglieder die Möglichkeit, in einem Hafen die Familie zu treffen oder für ein paar Tage nach Hause zu fliegen. Für Obergefreiter Celin R. war das Treffen mit den Angehörigen natürlich eine willkommene Abwechslung – bevor es wieder für fast vier Wochen auf See ging.

Obergefreiter Celin R. berichtet von der „Mecklenburg-Vorpommern“ bei der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“

Obergefreiter Celin R. berichtet von der „Mecklenburg-Vorpommern“ bei der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ (Quelle: Bundeswehr/Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Die Sonnenstrahlen scheinen mir ins Gesicht, als ich am Morgen die Brücke betrete. Am Horizont sehe ich Valletta, vor uns liegt die Insel Malta. Das Wasser ist fast spiegelglatt. Die einzigen Wellen stammen von kleinen Fischerbooten, die vor der Stadt liegen. Wir nähern uns der Hafeneinfahrt. Aus der Ferne sieht es immer ziemlich eng aus, doch je näher man kommt, erkennt man, dass dort auch riesige Kreuzfahrtschiffe durchfahren. Wenn die das schaffen, wird das auch für uns kein Problem sein.
Jeder an Bord hat sich schon lange auf diesen Hafen gefreut. Auf Malta bekommen wir die Chance, kurz unsere Familie zu treffen oder nach Hause zu fliegen. Die Hafenschlepper warten schon, wir nehmen die Leinenverbindung mit ihnen auf, sie bringen uns sicher an unseren Liegeplatz. Es ist selten, dass wir so schönes Wetter haben, in den letzten Tagen zogen wir den Regen fast magisch an. Nur noch wenige Stunden, bis meine Familie ankommt.

In der Mitte des Einsatzes können die Besatzungsmitglieder der „MVP“ eine Auszeit nehmen

In der Mitte des Einsatzes können die Besatzungsmitglieder der „MVP“ eine Auszeit nehmen (Quelle: Bundeswehr/Peltzer )Größere Abbildung anzeigen

In der Mitte des Einsatzes gibt es Gelegenheit für eine Familienzusammenführung. Das Schiff liegt für ein paar Tage im Hafen und wir können eine Auszeit nehmen. Die Ruhephase wird aber auch genutzt, um technische Anlagen, die während der Fahrt kaputt gingen, zu reparieren.

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Erst die Pflicht, dann die Kür: Alle-Manns-Manöver

Es ist Freitag, ich freue mich auf den Dienstschluss, denn dann kann ich zu meiner Familie, die heute Morgen hier auf Malta gelandet ist. Aber bevor es soweit ist, müssen wir noch einmal Proviant übernehmen – und nicht gerade wenig: Lebensmittel und Ersatzteile mit einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen. Gemeinsam wird alles erledigt, damit die Soldaten, die in den nächsten Tagen Wache haben, nicht allein auf der Arbeit sitzen bleiben. Jeder packt mit an. Alle stellen sich in einer Reihe auf – vom Lieferort auf der Back über das Schiffsinnere, bis hin zu der entsprechenden Last – dem Lager, wo alles verstaut wird. Ich stehe ziemlich am Anfang unserer Menschenkette. Die Sonne strahlt erneut mit voller Kraft, es ist wieder extrem warm heute. Zwei Kameraden tragen Helme und Handschuhe – sie nehmen die Ware an, die per Kran auf das Schiff befördert wird.

So eine Proviantübernahme ist fast nie langweilig – man steht meist neben den Leuten in der Schlange, die man sonst nur selten zu Gesicht bekommt. Und es gibt zwischendurch immer wieder Zeit, miteinander zu sprechen. Mit der richtigen Musik ginge es noch leichter. Doch heute sind alle etwas aufgeregter als sonst, alle wollen schnell fertig werden um die Familien zu begrüßen oder nach Hause zu fliegen. Das Verladen dauert vier Stunden, doch auch die gehen rum – die Vorfreude ist einfach zu groß. Kaum ist Feierabend, strömen alle aus dem Schiff – entweder ins Hotel zur Familie, zum Flughafen oder einfach nur in die Stadt. Ich muss mich beeilen, damit ich mein Wassertaxi noch bekomme. Valletta besteht aus vielen kleinen Halbinseln. Meine Familie wartet schon und ich muss noch einmal umsteigen. Beeilung ist angesagt. Ich habe erstmal nur heute Abend Zeit, morgen früh muss ich für drei Tage wieder auf dem Schiff sein – ich bin zur Wache eingeteilt.

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Erst nochmal Wache

Celin R. hatte als Pantry auch während der Hafenliegezeit Wache

Celin R. hatte als Pantry auch während der Hafenliegezeit Wache (Quelle: Bundeswehr/Jähnig)Größere Abbildung anzeigen

Die Wache verlief ruhig, es waren ja kaum Kameraden an Bord und so musste ich für zehn Personen das Essen vorbereiten und die Tische decken. Seit dem Einlaufen bin ich nämlich Pantry. Als Pantry in der Offiziersmesse holt man das Essen aus der Kombüse, teilt es aus, deckt den Tisch und hält die Messe sauber. Zum Glück gingen diese drei Tage schnell vorüber.

Einsatzunterbrechung: Celin R. mit ihrem Freund in Valletta auf Malta

Einsatzunterbrechung: Celin R. mit ihrem Freund in Valletta auf Malta (Quelle: Bundeswehr/Privat)Größere Abbildung anzeigen

Malta ist schöne Insel, es gibt ruhigere Ecken und auch Partystädte. Wir haben von allem ein bisschen mitgenommen, haben an einem Tag eine Inselrundfahrt gemacht, vorbei an riesigen Felsen und immer an der „Blauen Lagune“ entlang. Dort haben wir am Ende einen Stopp gemacht. Das Wasser war glasklar und wunderschön blau. Bei 26 Grad Wassertemperatur waren wir Tauchen – in einer tollen Unterwasserwelt. Vor der Rückfahrt ins Hotel gab es noch Pizza im Restaurant – die schmeckt hier genauso gut wie in Italien. An den anderen Tagen sind wir in die Innenstadt gefahren, waren shoppen, und abends wurde gegessen, getrunken und gelacht.

Doch auch die verbliebenen fünf freien Tage gingen leider wie im Flug vorüber, ich musste meine Familie verabschieden. Die Zeit war schön, doch viel zu kurz, aber das ist ja meistens so... Den Bordalltag mal hinter sich lassen zu können, war jedenfalls auch mal gut.

Bei stürmischen Bedingungen ging es für die “MVP” wieder in eine längere Seephase

Bei stürmischen Bedingungen ging es für die “MVP” wieder in eine längere Seephase (Quelle: Bundeswehr/Celin R.)Größere Abbildung anzeigen

Danach ging es erneut raus – für 24 Tage am Stück. Eine lange Zeit. Ich hoffe, dass das Wetter nicht so bleibt, wie es kurz vor Auslaufen wurde. Die Wellen an der maltesischen Küste waren in den letzten Tagen schon ziemlich hoch. Seekrank will ich nicht werden, das ist kein schönes Gefühl..

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Stand vom: 08.12.16 | Autor: Celin R.


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