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Ich bin iM EINsatz: „Mein großer Traum wurde endlich wahr“

In See, 09.03.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In zahlreichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Kristina S. übernimmt Material im Hafen
Kristina S. übernimmt Material im Hafen (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Bootsmann Kristina S. und 34 Jahre alt. Seit ich denken kann, wollte ich zur Marine. Also bewarb ich mich 2001 bei der Bundeswehr mit diesem Ziel. Zusätzlich schwebte mir dabei immer eine Tätigkeit in der Logistik vor. Leider klappte es anfangs mit einem Einstieg in die Marine nicht. Doch meinen Traumberuf wollte ich nicht aufgeben – denn auch über Umwege kann man zum Ziel kommen.

Ich war ab 2002 zunächst als Versorgungsunteroffizier in der Panzertruppe tätig und verließ nach acht Jahren das Heer. Drei Jahre schnupperte ich zivile Luft und stellte fest, dass das nichts für mich ist. 2013 nahm ich mein großes Ziel wieder in Angriff. Und es klappte. Nach den Ausbildungen für die Bootsmannslaufbahn bin ich seit Ende 2014 Zweiter Schiffsversorgungsmeister auf der Fregatte „Bayern“ und überglücklich, endlich am Ziel zu sein.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

In jedem Hafen werden die Lieferungen genau geprüft
In jedem Hafen werden die Lieferungen genau geprüft (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Erstmals auf ein solches Schiff zu kommen und direkt in den Einsatz zu fahren, ist wie ins kalte Wasser geschubst zu werden. Doch genau das ist meine persönliche Herausforderung. „Learning by doing“ ist mein Motto. Zusammen mit meinem Team, bestehend aus dem Ersten Schiffsversorgungsmeister, drei Unteroffizieren und zwei Mannschaftssoldaten kümmern wir uns um alle Versorgungsabläufe und Materialbewegungen.

Ich fordere benötigtes Material für den Einsatz an. Sobald wir in einen Hafen einlaufen, steht die Arbeit bereits auf der Pier. Bis zu 30 Tonnen Material müssen gebucht und im Schiff verteilt werden. Dabei kann es sich um Geräte von bis zu 250 Kilogramm handeln – dann sind die Paletten schnell abgearbeitet. Anders sieht es bei Kleinteilen wie beispielsweise Schrauben oder Unterlegscheiben aus. Jedes einzelne Päckchen prüfe ich mit meinem Team hinsichtlich der angeforderten Menge. Das kann dann schon mal einen ganzen Hafenaufenthalt in Anspruch nehmen.

Wir Versorger sind die Arbeitstiere eines jeden Hafens. Zu meiner Arbeit gehört aber auch der Rücktransport von beispielsweise defekten Bauteilen nach Deutschland. Eine regelmäßige Inventur des im Schiff verteilten Materials ist bei all den Materialbewegungen notwendig. Aber auch wenn nur ein Kugelschreiber, ein Locher oder Klebeband benötigt wird, sind wir die erste Adresse für alle Kameraden an Bord.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Endlich am Ziel – Kristina S. wollte schon immer zur Marine
Endlich am Ziel – Kristina S. wollte schon immer zur Marine (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Auf See zu sein ist für mich, wie nach Hause zu kommen. Mein Vater war beruflich Maschinenschlosser für Schiffe und ein großes Hobby meiner Mutter ist das Segeln. Daher bin ich mit dem Leben auf und an der See groß geworden. Neben all der Arbeit an Bord, schätze ich aber auch die kleinen Dinge, die eine Seefahrt besonders machen. Auf See sieht man einfach die schönsten Sonnenuntergänge und Sternenhimmel.
Die Besonderheit meiner Tätigkeit ist, dass ich mit allen Hauptabschnitten zusammenarbeite. Jeder Hauptabschnitt, sei es die Navigation oder die Schiffstechnik, ist auf seine Weise besonders und spannend.

Doch die Versorgung wird immer gebraucht und ist überall vertreten. In jeder Teilstreitkraft, in jedem Truppenteil – einfach überall. Ohne uns funktioniert nichts. Mein Team und ich – wir verstehen uns als Dienstleister und Rückhalt für die Truppe. Die Besatzung bekommt alles, was sie zur Arbeit benötigt. Angefangen von Reinigungsmitteln für die Gasturbinen, Handschuhen, Druckerpatronen, Toilettenpapier, über Schreibutensilien bis hin zu großen Ersatzteilen. Die Arbeitsfähigkeit des Schiffes sicherzustellen ist meine Motivation und zugleich die meiner Logistik-Kameraden. Die Freude über Erreichtes erkenne ich daran, dass alles „glatt“ läuft.

Klebeband und anderes Kleinmaterial ist beim Versorger zu bekommen
Klebeband und anderes Kleinmaterial ist beim Versorger zu bekommen (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Da es für mich der erste Einsatz ist, sammle ich an Bord auch meine ersten Seemeilen. Nicht nur, dass die Arbeit auf so einem Schiff für mich eine komplett neue Welt ist. Anfangs war es schwierig überhaupt in den Bordalltag zu finden. Und dann kam noch der Einsatzalltag dazu. Nicht nur ich, auch die gesamte Besatzung musste sich zunächst erst einmal finden.

Nach den kleinen Stolpersteinen habe ich aber eine schöne Zeit an Bord. Man kann bestimmte Erlebnisse und Momente einfach mit vielen Kameraden erleben und teilen. Das schweißt zusammen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meinen Ehemann und meine Familie. Darüber hinaus freue ich mich darauf, mich mal wieder so richtig in meinem großen Bett ausbreiten zu können. Ich fahre auch sehr gerne Auto. Oftmals nutze ich lange Autofahrten, um zu entspannen. Da habe ich meine Ruhe und mit der passenden Musik ist die Welt in Ordnung.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche uns allen eine ruhige und reibungslose Einsatzzeit. Für mich bedeutet ein ruhiger Einsatz nicht, dass wir am Horn von Afrika nichts mehr zu tun haben. Im Gegenteil – der Rückgang der Piraterie es ist ein gutes Zeichen für die Operation Atalanta. Dass die Präsenz der europäischen Marinen Erfolge bringt, ist schön zu sehen und zugleich eine Bestätigung für die geleistete Arbeit.
Zur See zu fahren bedeutet auch gleichzeitig, viel von der Welt zu sehen. Es ist toll, auch in Städten einzulaufen, die man sonst wahrscheinlich niemals gesehen hätte. Daher wünsche ich mir, auch weiterhin immer mal einen Tag an Land gehen zu können, um die Kulturen der verschiedenen Länder kurz erleben zu können.
Mein kurzfristiger Plan ist, diesen Einsatz so gut wie möglich zu verbringen. Langfristig möchte ich gern Berufssoldat werden.

Ich möchte zum Schluss die Gelegenheit nutzen und mögliche Bedenken weiblicher Bewerber aus dem Weg räumen: Wir sind 24 Frauen an Bord der „Bayern“. Wir verstehen uns alle super und der Zusammenhalt ist wirklich genial. Von „Zickenkrieg“ ist weit und breit keine Spur.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Kristina S.


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