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Ich bin iM EINsatz: „Kein Meer ohne das Verlassen der Küste“

Djibouti, 14.07.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Jenny Bartsch in der Wüste von Djibouti
Jenny Bartsch in der Wüste von Djibouti (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Jenny Bartsch, ich bin Reservedienstleistende und 25 Jahre alt. In Deutschland arbeite ich seit fünf Jahren als Zivilangestellte im Presse- und Informationszentrum IUD (Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr) in Bonn. Dort bin ich als Mediengestalterin und Fotografin beschäftigt. Durch meine Arbeit bin ich viel unterwegs und genau das mag ich an meinem Beruf. Man sieht viele Orte, trifft aus den unterschiedlichsten Bereichen der Bundeswehr Menschen und lernt vieles dazu. Doch auch die Arbeit im Büro macht mir Spaß, auch wenn ich nicht lange stillsitzen kann und mich lieber wieder auf die nächste Reise mache. So entstand auch mein Wunsch nach einem Auslandseinsatz. Nach Abgabe meiner Freiwilligenmeldung stand kurze Zeit später fest, dass es für knapp fünf Monate zu Atalanta ans Horn von Afrika geht. Nach vielen Lehrgängen und einer „Allgemeinen Soldatischen Ausbildung für Zivilpersonal“ (ASA) bin ich nun in meinem ersten Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Immer auf der Suche nach spannenden Motiven
Immer auf der Suche nach spannenden Motiven (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Hier in Djibouti arbeite ich mit dem Presseoffizier für den Atalanta-Einsatz zusammen. Erscheinen neue Artikel oder möchten wir über ein bestimmtes Thema berichten, sprechen wir uns ab und überlegen uns, wie wir das Ganze für den Leser in Deutschland verständlich schreiben können. Dabei ist es meine Aufgabe, das Thema in wenigen Bildern darzustellen. Während der Presseoffizier den Artikel schreibt, suche ich die passenden Bilder aus und bearbeite sie anschließend am Computer. Viel wird an den Bildern aber nicht verändert, hauptsächlich geht es um die Farben und den Kontrast. Dann werden die Fotos auf verschiedene Größen beschnitten und zum Schluss verschlagwortet. So können die Metadaten schnell ausgelesen und die Bilder per Suchfunktion schnell zugeordnet werden.

Im letzten Schritt wird der Artikel mit den ausgewählten Bildern an das Presse- und Informationszentrum des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr gesendet und dort online gestellt. Es gibt neben den Artikelbildern aber auch noch weitere Tätigkeiten. Passfotos für Ausweise müssen erstellt werden, Kontingentfotos oder Bilder, die zur Dokumentation dienen. Auch die Pflege der Bilderarchive gehört zu meinen Aufgaben.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

An Bord der Fregatte „Bayern“
An Bord der Fregatte „Bayern“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Für mich liegt die Besonderheit in der Vielfalt der Bildmotive. Bevor ich in den Einsatz ging, hatte ich wenig mit Schiffen und Flugzeugen zu tun. Kaum angekommen, haben wir viel über den Seefernaufklärer P-3C „Orion“ berichtet und ich durfte bei einem der Aufklärungsflüge vor Somalia mitfliegen. Nach vier Wochen ging es für mich auf die Fregatte „Bayern“. Auch dort war es für mich wieder komplett neu. Das Leben an Bord war eine tolle Erfahrung und auch die Bilder, die ich dort machen durfte, sind mir immer noch in Erinnerung.

Für Luftaufnahmen ging es in den Hubschrauber
Für Luftaufnahmen ging es in den Hubschrauber (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

So war der Mitflug in einem der Bordhubschrauber, um Luftaufnahmen von der Fregatte zu machen, ein tolles Erlebnis. Als ich später wieder zurück nach Djibouti kam, haben wir die Caritas besucht und unsere Hilfe angeboten. Ich machte Bilder von den Kindern und es war schön zu sehen, wie viel Freude und Spaß sie dabei hatten.

Für mich ist es eine neue Herausforderung, unter vielen verschiedenen Einflüssen Bilder zu machen. Oft sind es Situationen, wie ich sie vorher noch nie erlebt habe. Wenn man sein Bild dann auf den verschiedenen Kanälen der Bundeswehr sieht, sowie die positiven Reaktionen der Menschen dazu, ist das für mich etwas ganz Besonderes.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meinen kleinen Kater und meine Wohnung. Sogar den Regen in Deutschland vermisse ich und die frische Luft, wenn man ein Fenster öffnet. Ich vermisse mein Auto, mit dem ich spontan wegfahren kann, wann immer ich möchte. Mir fehlen die Abende mit meinen Freunden auf dem Balkon und der Ausblick über die Stadt. Ich freue mich wieder auf Farben, grüne Bäume und Wiesen. Das klingt vielleicht seltsam, aber nach fünf Monaten Staub, Sand und Schmutz, fehlt das alles sehr. Auch ein typisches, deutsches Frühstück vermisse ich, es gibt für mich nichts Besseres. Es gibt viele Kleinigkeiten, die man vermisst und erst zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Gerne möchte ich noch alle meine Projekte zu Ende bringen, um den Einsatz hier ordentlich abzuschließen. Auch meine Projekte mit der Caritas und den Johannitern in Djibouti möchte ich noch zu Ende bringen.
Dieser Einsatz hat meine Sicht auf viele Dinge sehr verändert und ich bin froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Ganz nach meinem persönlichen Motto: „Du wirst keine Meere entdecken, solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.“ Für mich heißt es nach dem Einsatz, meine Uniform wieder gegen zivile Sachen zu tauschen und meine Arbeit im Büro auszuüben. Ich freue mich sehr, dass ich einen Einblick in den militärischen Teil der Streitkräfte erhalten habe, und so auch die „andere“ Seite der Bundeswehr erleben durfte. Gerne würde ich auch in Zukunft aus vielen Bereichen der Bundeswehr mit meinen Fotos berichten – auch aus dem Einsatz. Denn das sind Erfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann.

Ich grüße meine Freunde und meine Familie, die während der letzten Monate immer für mich da waren und mich unterstützt haben. Meine Arbeitskollegen vom PIZ IUD, der Zentraldruckerei Köln/Bonn und alle Kameraden, die ich hier in meinem Einsatz kennengelernt habe, grüße ich auch.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Jenny Bartsch


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