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Einsatztagebuch „Sophia“ Teil 1: „Wir sind angekommen“

In See, 23.09.2016.


Die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ ist seit wenigen Tagen Teil der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“. Nach dem Auslaufen aus Augusta ging es für die Besatzung direkt ins Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. Wie der Alltag an Bord ist und wie man es schafft, auch nachts in der Operationszentrale hellwach zu bleiben, davon berichten heute und in den kommenden Monaten Hauptgefreiter Daniel V. und Obergefreiter Celin R. in ihrem gemeinsamen Einsatztagebuch.

Teil des Teams „MVP“ im Mittelmeer: Obergefreiter Celin R. und Hauptgefreiter Daniel V.
Teil des Teams „MVP“ im Mittelmeer: Obergefreiter Celin R. und Hauptgefreiter Daniel V. (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Hallo liebe Leser,

wir sind Daniel und Celin und schreiben von nun an über unsere Eindrücke und Erlebnisse an Bord der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ in diesem Einsatz.

Wie hat das alles angefangen? Am 16. August liefen wir aus Wilhelmshaven aus, um an der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“ teilzunehmen. Vor der Fahrt in das Einsatzgebiet nahmen wir an einem Training in der Nähe von Kiel teil. Ziel war es, uns als Besatzung auf alle möglichen Bedrohungsszenarien vorzubereiten. Wir lernten, wie wir schnellstmöglich Feuer und Wassereinbrüche bekämpfen, und Verletze versorgen können. Aus der Besatzung wurde dabei endgültig ein Team. Danach fuhren wir in Richtung Mittelmeer und erreichten am 9. September den Hafen von Augusta auf Sizilien.

Donnerstag, 15. September – Augusta

Die Besatzung ist zur Übernahme der Kontingentführung durch den Kommandanten angetreten
Die Besatzung ist zur Übernahme der Kontingentführung durch den Kommandanten angetreten (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Jetzt geht es endlich los! Unser Einsatz beginnt. Für uns beide ist es der erste und viele Gedanken kreisen in unseren Köpfen. Wir sind beide etwas nervös, da wir nicht wissen, wie wir bei Seenotrettungen, die in diesem Einsatz immer wieder auf der Tagesordnung stehen, auf die Flüchtlinge und das Elend reagieren werden.

Doch zuerst übernahm unser Kommandant, Fregattenkapitän Christian Schultze, am 14. September in Augusta das Kommando über das deutsche Einsatzkontingent EUNAVFOR MED.

Endlich laufen wir aus und unser erster Auftrag ist es zu helfen, möglichen Waffenschmuggel vor der libyschen Küste zu unterbinden. Dazu sollen wir Schiffe beobachten, ansprechen und befragen. Wenn nötig, sollen sie auch geboardet werden. Dazu haben wir ein Boarding Team des Seebataillons aus Eckernförde an Bord, das die Durchsuchungen auf verdächtigen Schiffen und Booten durchführen kann. In See arbeiten wir mit Kriegsschiffen verschiedenster Länder zusammen.

Freitag, 16. September – In See vor der libyschen Küste (Celin)

Viel Verantwortung: Obergefreiter Celin R. steuert als Rudergänger das Schiff
Viel Verantwortung: Obergefreiter Celin R. steuert als Rudergänger das Schiff (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Mein erster Tag auf See im Einsatz fing ganz normal an. Um 12.00 Uhr beginnt meine sechsstündige Wache auf der Brücke. Zu meinen Aufgaben als sogenannter „11er“ (Anm. d. R. sprich: „Elfer“ – Soldat der Verwendungsreihe 11 – Decksdienst) gehört es, auf Seewache Ausguck nach jeglichen Kontakten zu halten und das Schiff am Ruder zu steuern. Es ist ziemlich cool, so viel Verantwortung zu übernehmen und ein Kriegsschiff zu steuern.

Schon nach kurzer Zeit haben wir unseren ersten Auftrag. Ein Containerschiff soll abgefragt werden. Während der ganzen Zeit sitze ich am Ruder und steuere unser Schiff in die Nähe des Frachters. Wir kommen ihm immer näher, die Bereitschaftsgruppen gehen auf Station. Die Brücke unserer Fregatte füllt sich und unser Sprachmittler beginnt mit der Befragung des Containerschiffes per Funk. Der Kapitän beantwortet die Fragen souverän und plausibel. Wir wünschen ihm weiterhin eine gute Fahrt und setzen unseren Auftrag fort. Der erste Tag geht spät zu Ende und ich gehe erschöpft, aber zufrieden schlafen.

Samstag, 17. September – In See vor der libyschen Küste (Daniel)

Auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ – hier noch im Hafen von Augusta – arbeitet Daniel V. in der Operationszentrale
Auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ – hier noch im Hafen von Augusta – arbeitet Daniel V. in der Operationszentrale (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Mein Wecker klingelt. Ich schaue auf die Uhr. Es ist drei Uhr morgens. Verschlafen stehe ich auf und ziehe meine Uniform an, um in der Operationszentrale (OpZ) meine Wache anzutreten. Sie wird bis 8.00 Uhr gehen. In der Operationszentrale ist es meine Aufgabe, mithilfe unserer Radare und anderer Sensoren Kontakte aufzufinden und diese anschließend zu identifizieren. Vor allem hier, vor der libyschen Küste, wo es Schiffe gibt, die nicht entdeckt werden wollen, ist diese Aufgabe sehr wichtig.

Natürlich ist es schwierig in einem dunklen Raum mit rotem Licht und vielen Bildschirmen wach zu bleiben. Aber Kaffee und die spannenden Aufgaben helfen einem, auch nachts die Wachen gut zu überstehen. Auch heute befragen wir Schiffe zu ihrer Ladung, oder zum Hafen, den sie anlaufen wollen. Außerdem schießen wir heute mit dem schweren Maschinengewehr (sMG) und dem MG 3 (Maschinengewehr), um für den Ernstfall trainiert zu sein. Nachdem ich in der OpZ abgelöst werde, gehe ich essen und verbringe den restlichen Nachmittag mit meinen Kameraden. Glücklicherweise haben wir heute Wochenendroutine, also den Nachmittag frei. Um 18.00 Uhr beginnt meine zweite Seewache und ich betrete – ein wenig schläfrig – wieder die OpZ. Die nächsten sechs Stunden gehen glücklicherweise schnell rum und ich bin um 24.00 Uhr endlich im Bett.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Celin R. und Daniel V.


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