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275 Tage Westafrika – Als Militärbeobachter in der Westsahara (Teil 1)

Laayoune, 21.03.2016.

Nach 275 Tagen im Einsatz bei MINURSO kehrte Hauptmann Merten E. vor wenigen Tagen nach Deutschland zurück. Für ihn waren die neun Monate in der UN-Mission eine überaus prägende Zeit. Im ersten Teil seines Rückblicks beschreibt er seine vielfältigen Aufgaben im Einsatz und macht deutlich, was die vermeintlich „kleinen“ Einsätze der Bundeswehr so besonders macht.

Fast zehn Monate ist es her, dass ich gemeinsam mit meinem Kameraden Hauptmann Sven T. am Flughafen Berlin-Tegel stand. Neben uns jeweils fünf große Kisten und zwei vollgepackte Rucksäcke: Von Helm und Schutzweste, über persönliche Bekleidung, bis hin zu knapp zehn Kilo medizinischem Equipment – alles musste mit in das zivile Flugzeug. Dieser Einsatz begann also schon ganz anders, als ich es zum Beispiel aus meiner Zeit in Afghanistan kannte.

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Unter dem blauen Barett in die Westsahara

Das Hauptquartier von MINURSO in Laayoune

Das Hauptquartier von MINURSO in Laayoune (Quelle: Bundeswehr/Merten E.)Größere Abbildung anzeigen

Die Bundeswehr engagiert sich nicht nur in bekannten Einsätzen – wie in Afghanistan, dem Irak, auf dem Balkan oder über Syrien – sie stellt auch permanent Offiziere für den Einsatz als Militärbeobachter für die Vereinten Nationen (UN). Koordiniert werden diese Einsätze unter dem blauem Barett im Dezernat Beobachtermissionen im Einsatzführungskommando in Potsdam. Sven und ich wurden dort vor einem Jahr spezifisch auf das Einsatzland Westsahara vorbereitet. Gut zwei Monate später sahen wir uns dann in Potsdam wieder, um gemeinsam nach Westafrika zu verlegen.

Nach der Ankunft in der Westsahara

Nach der Ankunft in der Westsahara (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Das Ziel war Laayoune, die „Hauptstadt“ der Westsahara. Die Anführungszeichen verdeutlichen gleich den Hintergrund des Einsatzes: Die Westsahara wurde als Demokratische Arabische Republik Sahara am 27. Februar 1976, nach Abzug der letzten spanischen Kolonialtruppen, ausgerufen. Allerdings wurden rund 80 Prozent des Gebietes in der Folge von Marokko besetzt. Diese Situation hatte sich über fast 25 Jahre, auch nach der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens nicht geändert. So wurde 1991 die UN-Mission MINURSO ins Leben gerufen.

Hauptaufgabe ist die Überwachung des Waffenstillstands zwischen dem Königreich Marokko und der „Frente Polisario“ (deutsch: „Volksfront zur Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro“). Die Bundeswehr beteiligt sich seit November 2013 mit Offizieren als Militärbeobachter an der Mission. Waren es anfangs zwei Soldaten, sind es mittlerweile in der Regel vier Offiziere.

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Hektischer Beginn

Eine Teamsite – kleines Feldlager mit etwa 20 Soldaten

Eine Teamsite – kleines Feldlager mit etwa 20 Soldaten (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

In Laayoune gelandet, hieß es für uns beide erstmal, uns zu orientieren: Wo ist das Hauptquartier? Wie kommen wir da hin? Wo schlafen wir? Wie geht’s jetzt weiter? Ich erinnere mich nur zu gut an das erleichterte Aufatmen, als wir einen Soldaten in deutscher Uniform am Flughafen erkannten. Wir hatten Glück – während unserer Ankunft gab es einen Deutschen im Hauptquartier. Klar, dass er es sich nicht nehmen ließ, uns abzuholen. Mit zwei Patrouillenfahrzeugen fuhren wir zuerst in ein Hotel und noch am gleichen Abend weiter zu einer laufenden Konferenz der neun „Teamsite“-Kommandeure (Kommandeur eines kleinen MINURSO-Feldlagers mit etwa 20 Soldaten). Ein etwas hektischer, aber dennoch angenehmer Beginn.

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Mit der MI-8 ins Ungewisse

Mit einer MI-8 ging es nach Tifariti

Mit einer MI-8 ging es nach Tifariti (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Am nächsten Tag begann dann die obligatorische Einführung. Jeder neu ankommende Militärbeobachter wird innerhalb einer Woche in die aktuelle Lage, die Führungsmittel, das Berichtswesen, die missionsinternen Abläufe und auch in die Patrouillenfahrzeuge eingewiesen. Währenddessen wird auch entschieden, in welche Teamsite und auf welche Seite des Berm (marokkanischer Verteidigungswall, der die Waffenstillstandslinie markiert) man eingesetzt wird.
Ich denke, das ist eines der besonderen Merkmale dieses Einsatzes: Für viele Soldaten ist es schlicht unvorstellbar, in ein Einsatzland zu verlegen, ohne zu wissen, wohin es genau geht und wie genau das Tätigkeitsfeld aussieht.
Am Ende der Einweisungsphase ging es mit einer UN-Transportmaschine vom Typ Antonov B26-100 und einem Mi-8 Helikopter in die Wüste. Für Sven und mich hieß es – zumindest vorläufig – Abschied nehmen: Er begab sich auf die Westseite in die Teamsite Oum Dreyga, ich ging auf die Ostseite nach Tifariti.

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Eigeninitiative gefragt

Die erste Patrouille

Die erste Patrouille (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Nun hieß es erstmal sich einzuleben, Patrouille zu fahren, sich zum Patrouillenführer zu qualifizieren, sowie seinen „Nebenjob“ zu übernehmen. Als Militärbeobachter ist man nämlich nicht nur für das Patrouillieren zuständig. Da so eine Teamsite nur 12 bis 20 Soldaten hat, nimmt man „nebenbei“ noch andere Aufgaben wahr. Einen Innendienstleiter, eine Wäscherei oder eine klassische Truppenküche vermisst man in solch einem Einsatz genauso, wie einen Friseur. Einfach alles basiert auf dem Grundsatz: „Do it yourself“.

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Noch mehr Nebenaufgaben

Neben den vielen Nebenaufgaben mussten auch die Fahrzeuge während der Patrouille hin und wieder repariert werden

Neben den vielen Nebenaufgaben mussten auch die Fahrzeuge während der Patrouille hin und wieder repariert werden (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Personalmangel, andere Abwesenheitsgründe oder Rotationen zwischen den Teamsites führen auch oft zu mehreren Parallelaufträgen. In meinem Fall waren dies der „Food-Officer“ und der „G2“ – eine Art Sicherheitsbeauftragter. Nach den Patrouillen hieß es damit für mich zum Beispiel noch, unter anderem die Hygiene in der Küche zu überwachen. Die Abendstunden waren dann oft, nach einem Anruf in der Heimat, für meine Sicherheitstätigkeit reserviert. Dabei habe ich dann zum Beispiel Patrouillenberichte ausgewertet und Koordinierungstreffen mit der „Frente Polisario“ vorbereitet. Langweilig wurde es nie. Im zweiten Teil meines Rückblicks werde ich unter anderem darüber berichten, wie so ein Koordinierungstreffen ausgesehen hat.

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Stand vom: 21.03.16 | Autor: Merten E.


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