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Mit Christophe und Bene – zum Kämpfer in zwölf Wochen

Koulikoro, 05.10.2017.

Der Unterrichtsraum – eine verlassene Neubausiedlung in Mali. Auf dem Stundenplan: Kampf in urbanem Gelände. Und die Lektionen sind so kämpferisch wie sie klingen: Überqueren von Kreuzungen und Eindringen in Häuser. Erklären, Vormachen, Nachmachen . . . immer wieder. Vorgehen entlang einer Wand wird gerade unterrichtet und das Sichern natürlich, denn aus den Fenstern oberhalb droht Beschuss.

Zwei Ausbilder für den Orts- und Häuserkampf

Bene und Chris verstehen sich blind und ihre gute Laune überträgt sich rasch auf ihre Auszubildenden

Bene und Chris verstehen sich blind und ihre gute Laune überträgt sich rasch auf ihre Auszubildenden (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

All das an den Mann zu bringen, haben sich gleich zwei Lehrer vorgenommen. Christophe und Benedikt heißen sie, aus dem belgischen Carabinier Grendier Regiment in Leopoldsburg und französischsprachig der eine – und Benedikt K., von den Bad Reichenhaller Gebirgsjägern der andere. Was er an Ausbilder-Französisch nicht kann, steuern der Dolmetscher oder der Belgier Christophe selbst bei. Das Ausbildungsprojekt, dem sie dienen, ist den malischen Soldaten lieb und wert, schützt es doch ihr Leben im Einsatz und macht ihren Staat ein bisschen stabiler: Aber bevor es soweit ist, wird das „T“ für Training in der Mission EUTM Mali hier erst einmal richtig groß geschrieben.

Die beiden Offiziere, der belgische Oberleutnant und der deutsche Leutnant, haben sich erst in Koulikoro kennengelernt, obwohl zwischen ihren militärischen Heimatverbänden bereits seit langem eine Partnerschaft besteht. Für sie ist Mali ihr erster Einsatz im Ausland und nach der Absprache zur Ausbildungsdidaktik und -methodik läuft alles wie am Schnürchen.

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Kritik mit kulturellem Augenmaß

Vor der Ausbildung wird alles bis ins Detail besprochen

Vor der Ausbildung wird alles bis ins Detail besprochen (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

„Vor der Ausbildung sprechen wir die Themen zusammen durch und dann weiß jeder, was zu tun ist“, macht es der deutsche „Bene“ kurz. Sie haben Erfahrung. Auch in ihren jeweiligen Heimatländern bilden sie Soldaten im infanteristischen Kampf aus. Unterschiede, die es bei der Ausbildung zu berücksichtigen gilt, gibt es aber doch in Mali: „Das persönliche Ehrempfinden hat hier einen ungleich höheren Stellenwert als in Europa. Es ist für den malischen Soldaten von großer Bedeutung hebt Christophe hervor. Dieses Empfinden wirke sich auch auf ihre Kritikfähigkeit aus. Wie er als Ausbilder diese Gratwanderung zwischen der Achtung der Persönlichkeit und dem Verbesserungsbedarf im Training meistere, umreißt er so: „Wenn wir einen Ausbildungsabschnitt mit unseren malischen Soldaten in der gemeinsamen Besprechung auswerten, dann bringen wir etwaige Mängel eher allgemein zur Sprache, und sagen nicht jemandem auf den Kopf zu, was er falsch gemacht hat.“ Gesichtswahrung sei der gemeinsamen Sache ungemein förderlich und daran halte man sich.

In einer nahegelegenen verlassenen Häusersiedlung trainieren Bene und Chris den Kampf im urbanen Gelände mit ihren Soldaten

In einer nahegelegenen verlassenen Häusersiedlung trainieren Bene und Chris den Kampf im urbanen Gelände mit ihren Soldaten (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Auf dem Übungsgelände „Neubausiedlung“ ist inzwischen das Rattern eines Maschinengewehrs zu vernehmen, es hallt durch die Rohbauten und wird von den Häuserfassaden reflektiert. Das gruppenweise Vorrücken im inszenierten Orts- und Häuserkampf ist in vollem Gange. Eine Gruppe Soldaten nach der anderen teilt sich, sichert und lässt die Spitze vorgehen. Die gibt aus ihrer neuen Deckung das Handzeichen zum Aufschließen. Wieder stürmen die Malier vor und wenden an, was sie gelernt haben. Wieder hämmern Feuerstöße aus unbekannter Richtung, markieren Feindeinwirkung die schwer zu orten ist.

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Getrennt lernen – vereint vertiefen

Noch schauen sie ihren Ausbildern nur zu. Doch in Kürze werden die malischen Soldaten die Übung selber durchführen, um später als Ausbilder ihrer Soldaten fungieren zu können

Noch schauen sie ihren Ausbildern nur zu. Doch in Kürze werden die malischen Soldaten die Übung selber durchführen, um später als Ausbilder ihrer Soldaten fungieren zu können (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

„Wir bilden hier die Ebene der Gruppenführer aus, während andere Trainer die Zugführer und die Mannschaften anleiten“, erklärt Bene, der deutsche Leutnant. Die Aufteilung gehöre zum methodischen Konzept, so der Leutnant weiter. Im sogenannten ETIA -Kursus würden die Zug- und Gruppenführer einer Kompanie von den Soldaten in den ersten vier Wochen getrennt und individuell geschult. Später übernähmen dann die Gruppen- und Zugführer, unterstützt von den EUTM Trainern, wieder die Ausbildung ihrer Soldaten.

Trotz des infanteristischen Intensivprogramms sei die Zeit kurz, ergänzt Christophe und gliedert den Kursus auf: „Wir haben sie nur zwölf Wochen hier im Koulikoro Training Center, davon entfallen vier Wochen auf die Führerausbildung.“

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Kämpfer mit Erfahrung lieben es praktisch

Vormachen und Üben ist das Motto von Chris und Bene

Vormachen und Üben ist das Motto von Chris und Bene (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Zur knappen Zeit komme immer wieder auch die Notwendigkeit, Soldaten mit unterschiedlichsten Handicaps in die Ausbildung zu integrieren: „Nur rund 70 Prozent unserer Soldaten sprechen Französisch und können lesen. Einzelne können jedoch gar nicht lesen. Einer sieht nicht besonders gut und einer hört sehr schlecht.“ Die Gesamtleistung und die Motivation machen jedoch so manches Manko wett. Christophe und Bene loben ihre malischen Kameraden sehr. Alle Gruppenführer seien bereits im umkämpften Norden des Landes eingesetzt gewesen, wo radikal-extremistische Terrorgruppierungen den fragilen Frieden des Landes bedrohen. Sie seien alle sehr wissbegierig und brächten aus ihren Erlebnissen im Norden neben zahlreichen Fragen auch eine gute Portion Erfahrung mit in die Ausbildung ein. „In der kurzen Zeit machen sie alle einen beachtlichen Fortschritt. Und uns wurde bewusst, dass wir ihnen zwar viel erklären können, dass sie aber den besten Lernerfolg durch praktische Übungen haben“, resümiert Christophe.

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Schwitzen und Schleppen, aber die Stimmung stimmt

Die hohen Temperaturen und die schwere Ausbildung tuen der guten Laune kein Abbruch

Die hohen Temperaturen und die schwere Ausbildung tuen der guten Laune kein Abbruch (Quelle: Bundeswehr/Thomas Erken)Größere Abbildung anzeigen

Die beiden Offiziere arbeiten nicht nur hart für den Erfolg ihrer Soldaten. Auch das Klima im Einsatzland zehrt. Das Thermometer in Koulikoro steigt in der Sonne Malis nicht selten auf Temperaturen jenseits der 40 Grad Celsius an. Knapp 100 Meter von der „Neubausiedlung“ entfernt fließt der Niger vorbei. Das verdunstende Wasser trägt zu einer hohen Luftfeuchtigkeit bei. In diesem Klima sind die Ausbilder in ihren Uniformen nach kurzer Zeit vom Schweiß durchnässt. Handwaffen und Munition wollen geschleppt werden, die rund zwölf Kilogramm schwere schusssichere Weste kommt hinzu. Doch auch den malischen Soldaten ist die Anstrengung bei der Hitze anzumerken. Der guten Stimmung tut das alles keinen Abbruch. Es wird viel gelacht. Bene und Christophe verstehen sich blendend und ihre gute Laune überträgt sich auf ihre malischen Soldaten.

Was motiviert sie, trotz dieser Strapazen? „Wenn wir den Erfolg unserer Ausbildung sehen, dann sind wir zufrieden“, antwortet Bene. Und Christophe ergänzt: „Wenn die Gruppenführer ihren Soldaten erklären können, was wir ihnen in der Ausbildung vermittelt haben, dann haben wir alles richtig gemacht.“

Trotz der hohen Motivation, denken beide bereits auch wieder an das Ende ihrer Zeit in Mali: „Ich vermisse meine kleine dreijährige Tochter und bayrische Bretzeln“, gesteht Bene. Mit dem Ausbildungseinsatz in Mali begann für die beiden eine Freundschaft, die wohl noch lange halten wird. „Und ich freue mich bereits auf den Winter und den Schnee daheim. Vielleicht fahre ich dann gemeinsam mit Bene Ski in den Alpen“, ergänzt Christophe.

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Stand vom: 05.10.17 | Autor: Thomas Erken


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