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Möbelhaus und Drogerie am Hindukusch

Masar-i Scharif, 22.02.2018.

In jeder Liegenschaft in Deutschland sorgt das Objektmanagement für Ordnung und Sauberkeit. Im Camp Marmal sieht das nicht anders aus. Mehr als 50 lokale Ortskräfte – von der Reinigungskraft bis zum Lagerarbeiter - versorgen die Soldaten mit Dingen des alltäglichen Bedarfs. Hauptverantwortlich dafür ist das zweiköpfige Team um Oberleutnant Lisa P. und Oberfeldwebel Ronald S.

Lisa P. bei der Arbeitsverteilung am frühen Morgen
Lisa P. bei der Arbeitsverteilung am frühen Morgen (Quelle: Bundeswehr/Herold)Größere Abbildung anzeigen

Auf den ersten Blick ist es eine unscheinbare Lagerhalle im Camp Marmal. Daneben zwei Bürocontainer, vor ihnen auf einer rot bemalten Sitzgruppe sitzt Oberleutnant Lisa P. Zusammen mit Oberfeldwebel Ronald „Ron“ S. bildet sie das Team des Objektmanagements im Camp Marmal. Doch hier arbeiten nicht nur Bundeswehrangehörige, Soldaten aus 20 weiteren Nationen leisten hier ihren Dienst.

Jeden Morgen schwärmen die afghanischen Arbeitskräfte zu ihren Aufträgen aus
Jeden Morgen schwärmen die afghanischen Arbeitskräfte zu ihren Aufträgen aus (Quelle: Bundeswehr/Herold)Größere Abbildung anzeigen

Lisa und Ron sind für die Versorgung und Bewirtschaftung der gesamten Liegenschaft zuständig. Dafür stehen ihnen mehr als 50 afghanische Arbeiter zur Verfügung, die größtenteils als Reinigungskräfte oder Lagerarbeiter beschäftigt sind. Aus dem Lager gehen täglich Hunderte Rollen Toilettenpapier, Handtuchpapier, unzählige Tuben Handcreme, Müllsäcke und anderes Verbrauchsmaterial des täglichen Bedarfs an die Dienststellen vor Ort.

Ein gutes Team

Ron S. packt selbst mit an und zeigt wie man richtig putzt
Ron S. packt selbst mit an und zeigt wie man richtig putzt (Quelle: b/Bunks)Größere Abbildung anzeigen

Ron ist bereits zum sechsten Mal im Einsatz und zum dritten Mal in Afghanistan: „Damals hatten wir noch zwei Lagerhallen, aber nach dem Ende von ISAF 2014 und dem Abzug vieler Soldaten ist hier vieles kleiner, aber damit nicht unbedingt einfacher geworden.“ Ron, der gebürtige Niederländer, hat bereits für zwei Armeen gedient: „Drei Sprachen zu beherrschen ist eine große Hilfe und erleichtert einiges“. Englisch ist die offizielle Arbeitssprache im Camp.

Für Lisa ist es der erste Einsatz. Auch in Deutschland ist sie Objektmanagerin. „Ich hatte viele Befürchtungen vor meinem Einsatz. Doch im Grunde sind meine Aufgaben hier sehr ähnlich. Der größte Unterschied ist, dass bei vielen Abschnitten im Camp, Infrastruktur und Nutzer nicht immer klar zugeordnet sind. Gerade nach dem Ende des ISAF-Einsatzes und dem Abzug vieler Nationen liegt viel brach. Ein neues Register wird gerade mit viel Aufwand konzipiert“, stellt sie fest.

Wie ein Vermieter

Die neuen Bettgestelle werden von einem LKW abgeladen
Die neuen Bettgestelle werden von einem LKW abgeladen (Quelle: Bundeswehr/Herold)Größere Abbildung anzeigen

Lisa leitet den Bereich Objektmanagement, der zur Einsatzwehrverwaltungsstelle Resolute Support gehört. Sie trägt die Verantwortung für die gesamte Versorgung mit Verbrauchsmaterial im Camp sowie für den deutschen Anteil in Kabul und Kunduz. Auch die Verwaltung von Baufeldern und Sheltern gehört zu ihren Aufgaben. „Das kann man sich wie eine Wohnungsverwaltung in Deutschland vorstellen, ich bin in der Rolle der Vermieterin und die Soldaten und zivilen Angehörigen in den Containern sind die Mieter.“

Nebenbei ist sie noch Chefin der afghanischen Arbeitskräfte. „Das ist schon eine große Herausforderung. Pünktlichkeit und Arbeitsmoral folgen hier afghanischen Maßstäben. Aber mit einem so erfahrenen Kameraden wie Ron an meiner Seite kann nichts schief gehen“, erzählt Lisa.

Markennamen für logistische Bereiche

An ihrer Lagerhalle stehen die großen Buchstaben „IKAROSS“ was eine Mischung aus den Namen eines großen Möbelhauses und einer Drogeriekette aus der Heimat darstellt. „Dies soll die Produktpalette verdeutlichen, die wir anbieten. Das ist hier im Camp so üblich. Deshalb trägt unsere Kleiderkammer ein bekanntes rot-weißes Schild mit drei Buchstaben, welches auch in vielen deutschen Einkaufszentren zu sehen ist“, erklärt Ron. „Früher hatten wir zwei Lagerhallen, auf denen jeweils ein Name stand. Mittlerweile wird viel Material in Containern gelagert, 74 an der Zahl. Das macht die Sache nicht einfacher“, erinnert sich Ron an die alten Zeiten.

Langeweile kommt nicht auf

Lisa P. und Ron S. prüfen die Lieferung anhand der Bestelllisten
Lisa P. und Ron S. prüfen die Lieferung anhand der Bestelllisten (Quelle: Bundeswehr/Bunks)Größere Abbildung anzeigen

Der Arbeitsalltag beginnt meistens mit dem Bearbeiten von Anfragen der Dienststellen und Verbraucher: „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, lagerndes Material innerhalb von 24 Stunden unseren Kunden bereitzustellen. Damit sind wir schneller als mancher Onlineshop“, sagt Ron. Bestellungen aus Deutschland wiederum haben eine Lieferzeit von zwei bis vier Monaten. Daher wird auch regelmäßig auf lokale Lieferwege gesetzt: „Dort haben wir das Material meistens nach einer Woche.“

Auch eine Fahrradwerkstatt und ungeliebte Aufgaben wie die Leerung von 131 Mobiltoiletten fallen in ihren Bereich. Das neueste Prestigeprojekt der beiden ist der nagelneue Schießstand im Camp. Dieser wurde durch das Baubüro der Einsatzwehrverwaltungsstelle geplant, der Bau begleitet und mit Fertigstellung Ende Januar zur Bewirtschaftung an das Team Objektmanagement übergeben.

Ab sofort können somit viele Pflicht- und Übungsschießen mit Handwaffen direkt im Camp durchgeführt werden. Dies dient der Sicherheit und verringert den Organisationsaufwand enorm. Da der begleitende Schutz außerhalb der Liegenschaft entfällt, ist der Personalaufwand deutlich geringer. Lisa und Ron haben mit ihrem Team nun den Auftrag für Erhalt und Pflege des Schießstandes zu sorgen. Dafür wurde durch das Personalmanagement der Einsatzwehrverwaltungsstelle ein Dienstposten geschaffen. Als „Schießstandwärter“ ist diese Stelle nun durch einen afghanischen Arbeiter besetzt.


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Stand vom: 23.02.18 | Autor: Daniel Schramm


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