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Die Schrauber von Erbil

Erbil, 26.01.2017.

Bei ihrer Offensive auf Mossul setzen die Peschmerga auch die von Deutschland gelieferten Allschutz-Transportfahrzeuge vom Typ „Dingo“ ein. Die Folgen: Schäden durch Beschuss oder Unfälle. Seit September bilden deutsche Soldaten in der Ausbildungswerkstatt „M4“ – im Norden Erbils – die Kurden in Sachen Instandsetzung an diesen Fahrzeugen aus. Schäden beheben, Folgeschäden vermeiden, das ist hier die Prämisse.

Peschmerga bei Instandsetzungsarbeiten am „Dingo“

Peschmerga bei Instandsetzungsarbeiten am „Dingo“ (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Seit Anfang 2015 bilden deutsche Soldaten – zusammen mit weiteren internationalen Partnern – Peschmerga im Nordirak aus. Sie werden in unterschiedlichen Fachgebieten trainiert, um sie bestmöglich auf ihre Operationen im Kampf gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ vorzubereiten. Für eine optimale Ausbildung bei der Instandsetzung von Fahrzeugen muss auch die Infrastruktur stimmen. Die dafür notwendige Einrichtung, die stetig auch mit deutscher Unterstützung erweitert wird, wurde im Großraum von Erbil geschaffen.

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Umfangreiche Möglichkeiten

Ein zerlegter „Dingo“ in der neuen Ausbildungswerkstatt

Ein zerlegter „Dingo“ in der neuen Ausbildungswerkstatt (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Im September 2016 wurde die Ausbildungswerkstatt im „M4“, rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, fertiggestellt. Seitdem steht sie den deutschen Soldaten und den Peschmerga zur Verfügung. Eine rund 500 Quadratmeter große Halle, ausgestattet mit einem Deckenlaufkran, Werkbänken, Werkzeugtrolleys und einer Fahrzeuggrube, bietet Ausbildern und Auszubildenden umfangreiche Möglichkeiten. „Schon als kleiner Junge stand ich neben meinem Vater, wenn er an Autos geschraubt hat. Man wächst quasi damit auf“, sagt Abubaker Muhamed Homad, einer der Auszubildenden. „Wir sind froh, dass die Deutschen uns in der neuen Halle ausbilden können“, so der kurdische Stabsunteroffizier.

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Volles Programm

Hauptfeldwebel Max erklärt den angehenden Technikern ein zerlegtes Getriebe

Hauptfeldwebel Max erklärt den angehenden Technikern ein zerlegtes Getriebe (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter )Größere Abbildung anzeigen

Jeweils von Sonntag bis Donnerstag (der Freitag ist im Irak der Sonntag) bilden die beiden Hauptfeldwebel Max und Olli die Peschmerga sechs Stunden aus. Damit die Kurden dabei auch verstehen was die Deutschen sagen, steht den Ausbildern ein Dolmetscher zur Seite. Wie in einer Instandsetzungskompanie in Deutschland treten jeweils drei Mann in zwei Schichten an. Gewechselt wird im Wochenrhythmus.

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„Step by Step“

Der Übersetzer unterstützt Olli bei der Ausbildung

Der Übersetzer unterstützt Olli bei der Ausbildung (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Die beiden Hauptfeldwebel gehen mit ihren kurdischen Auszubildenden jeden Vorgang Schritt für Schritt durch. Sie erklären ihnen, dass es zunächst einmal wichtig sei, eine Eingangsprüfung am Fahrzeug durchzuführen. „Das ist für die Peschmerga völliges Neuland. Normalerweise schauen sie sich den offensichtlichen Schaden an und beheben ihn eher zweckmäßig, wundern sich dann aber, wenn es nicht funktioniert, weil sie keine Ursachenforschung durchführen.“, sagt Olli.

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Basisarbeit

„Oft fehlt noch Hintergrundwissen“ – die Ausbilder gehen alles Schritt für Schritt durch

„Oft fehlt noch Hintergrundwissen“ – die Ausbilder gehen alles Schritt für Schritt durch (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Der Ausbilder kommt aus der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 7 in Stadtallendorf, die militärische Heimat von Max ist die 3. Kompanie des Schweren Pionierbataillons 901 in Havelberg. Schnell haben sie erkannt, dass es bei den Kurden oft noch keine richtigen Arbeitsstrukturen und -abläufe gibt. Darüber hinaus fehlt oft auch Hintergrundwissen, so dass Max ihnen zum Beispiel erklären muss, wie ein Stromkreis oder ein Getriebe aufgebaut sind.

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Mit Interesse und Improvisationstalent

Bei der Arbeit am zerlegten Getriebe

Bei der Arbeit am zerlegten Getriebe (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Die Peschmerga zeigen in der Ausbildung jedoch großes Interesse. Die beiden Ausbilder sind vom handwerklichen Geschick der Kurden beeindruckt, „obwohl man bei bestimmten Sachen nicht ganz so genau hinsehen sollte“, heißt es. So könne es schon mal vorkommen, dass die angehenden Techniker nicht das benötigte Originalteil bestellen, sondern ein ähnliches Teil vom Markt (einer Art Schrotthandel) nebenan holen würden. Gemäß dem Grundsatz: „Sieht so ähnlich aus, passt schon.“ Was etwas aufhält, ist das Auswechseln defekter Panzerglasscheiben am „Dingo“. Diese müssen aus Deutschland eingeflogen werden.

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Auswirkungen des Einsatzes

Folgen des Beschusses durch Handfeuerwaffen

Folgen des Beschusses durch Handfeuerwaffen (Quelle: Bundeswehr/Daniel Richter)Größere Abbildung anzeigen

Die Ursachen für nötige Instandsetzungsarbeiten sind vielfältig: Vom Verkehrsunfall bis zum Beschuss durch Handfeuerwaffen oder gar RPG , einer Art leichter Panzerfaust. „So etwas sehen wir auch nicht alle Tage“, gibt Ausbilder Max offen zu.

Seit Dezember werden in der Ausbildungsstätte neben den Instandsetzungsarbeiten am „Dingo“ auch Wartungsarbeiten an Geländefahrzeugen vom Typ „Wolf“ sowie am 2-Tonner-Lkw (UNIMOG) durchgeführt.

Zusätzlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass die gepanzerten Scheiben hier aus dem Irak geliefert werden können. „Das wäre ein wichtiger Fortschritt für unsere künftigen Instandsetzer“, sind sich die beiden deutschen Ausbilder einig.

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Stand vom: 26.01.17 | Autor: Daniel Richter


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